Spanien, hochsolid

Der Seat Leon Cupra als kompakter Kombi ist ein Wolf im Schafspelz. Und eine schwere Prüfung für die Selbstdisziplin.

Man lässt sich gerne überraschen als Autotester – vor allem natürlich positiv. Eine durchwegs erfreuliche Sache war vor einigen Wochen die Fahrt mit dem Seat Leon ST Cupra. Das Auto der spanischen Marke aus dem VW-Konzern wirkt schon auf den ersten Blick hochsolid. Während ich mich im Testwagen einrichte, ziehe, drücke und rüttle ich da und dort am Interieur, um mich von dessen Standfestigkeit zu überzeugen. Tasten, Schalter, die gesamte Verarbeitung sprechen für eine hochsolide Machart. Nicht, dass ich mich auf eine mediterrane Lotterkiste eingestellt hätte, auch frühere Seat-Erfahrungen verliefen erfreulich. Aber es scheint, als wäre beim neuen Leon einiges noch etwas besser gemacht worden als bisher. Auto-Interessierte wissen, der Leon ist ­eine Art VW Golf auf Spanisch, in der Cupra-­Version mit immerhin 300 PS ist er vergleichbar mit dem Golf R Variant. Den Golf gibt es ab 54 800 Franken, der Seat kostet mit viel Ausstattung 45 500 Franken, je nach Stand der gerade durchgeführten Rabattaktionen auch weniger. Inbegriffen ist dabei ein hervorragendes Allrad­system, das vor allem in dynamischen Ausnahmesituationen überzeugt, wenn das Tempo hoch und die Kurve eng ist.

Der schnelle, familientaugliche Kompaktwagen gehört in die Kategorie «Wolf im Schafs­pelz» er kann sich als harmloses Alltagsauto mit Allradantrieb ebenso überzeugend darstellen wie als kurvenhungriger Dynamiker. Dafür muss man nur das Fahrprogramm «Cupra» antippen, und sofort wirken Fahrwerk und Lenkung dynamischer, der Motor wird lauter und hängt sehr direkt am Gas. Der hochaufge­-la­dene Vierzylinder-Benziner ist agil, aber die Leistung hat ihren Preis. Um es mit einem in Ökonomenkreisen beliebten Sprichwort auszudrücken: «There ain’t no such thing as a free lunch» (auf Deutsch: Es gibt im Leben nichts geschenkt). Für meine Fahrten mit dem Seat Leon bedeutet das, dass sich der Verbrauch in Kombination mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe bei 9 bis 9,5 Litern einpendelt, was für einen Zweilitermotor eher sportlich erscheint. Allerdings entspricht es den Erfahrungen mit kleinen Turboaggregaten, dass ihr Durst deutlich wächst, sobald man ihnen Leistung abverlangt.

Viel zu lustig

Die Erfahrung zeigt allerdings auch, dass Durchschnittsverbrauchsangaben nicht viel wert sind. Das hat weniger mit den Herstellern zu tun als mit der Realität, die sich nicht so gerne an Normvorgaben hält: Es kommt sehr darauf an, wer ein Auto wie und wo fährt. Den Seat Cupra etwa könnte man mit Einbussen beim Spassfaktor auch sehr viel sparsamer bewegen, allein: Mir fehlte dazu die Selbstdis­ziplin und viel mehr noch der Wille. Dafür kann es viel zu lustig sein, mit dem Cupra eine kurvenreiche Strasse hinaufzuziehen.


Seat Leon ST Cupra 4Drive

Leistung: 300 PS / 221 kW

Hubraum: 2000 ccm

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h Preis: Fr. 45 550.–

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Kommentare

Meinrad Odermatt

05.01.2018|15:41 Uhr

Jetzt sehen also "Fahrzeuge" genau gleich aus wie die hässlichen Ghetto-Blaster / Boom Box mit ihren Tonbandkassetten, die man vor über 20 Jahren an den Strand schleppte.Hässlich, stillos bis zum geht nicht mehr... Kein Wunder haben Psychiater Hochkonjunktur. Zur Erinnerung: Die Natur kennt keine geraden Linien!

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