Die Wuchtbrumme

Der Jeep Grand Cherokee SRT macht Musik, die Vätern ebenso gefällt wie ihren Söhnen.

Es scheint eine unsichtbare Macht zu geben, die Buben aus unterschiedlichsten Schichten und Kulturen dazu bringt, bestimmte Geräusche zu machen, wenn sie mit Spielzeugautos Szenen aus ihrer unendlichen Fantasie nachstellen. Das Phänomen wurde von der Gender-Forschung noch nicht erfasst, deshalb kann ich das hier auch einfach mal aus dem Bauch heraus behaupten. Die Behauptung stützt sich übrigens lediglich auf persönliche Erinnerungen und Beobachtungen.

Kinder wie ich, die mit Autos spielen oder spielten, machen zum Beispiel «Wrrrummm» oder «Iiiieeehhhmmm», und die Autos ge­horchen dabei keinesfalls den Gesetzen der Physik, was uns zum Fahrzeug der Woche bringt: Das Schönste am Jeep Grand Cherokee SRT, den ich kürzlich gefahren bin, war die Musik, die er macht: Ein kerniges, lautes ­«Wrrroammm!» erklingt aus den dicken Auspuffrohren, wenn die in «Velvet Red» lackierte Wuchtbrumme beschleunigt.

Eine Frage der Physik

Und da geht es dann auch gleich um Physik, es gilt nämlich, 2,5 Tonnen Allradfahrzeug ­gegen die Kräfte des Luftwiderstandes zu bewegen. Für diese Aufgabe gibt es einen 6,4-Liter-­Hemi-Motor mit acht Zylindern und ohne Kompressor- oder Turboaufladung. Das ist selten im Segment der hochgezüchteten SUVs, es gibt keinen andern mit einem so ­hubraumgewaltigen Antrieb ohne Aufladung – und erst noch zu einem beinahe vernünftigen Preis. Für das neue Modelljahr wurde der Wagen leicht modifiziert, die Front sieht jetzt noch etwas selbstbewusster aus. Und das Beschleunigen geht ziemlich flott, nach 5 Sekunden fliegt die Tachonadel über die 100-km/h-Marke, Schluss ist erst bei 257 km/h. Dafür muss man 15 bis 16 Liter Super einkalkulieren.

Es gibt natürlich kaum einen vernünftigen Grund für ein solches Auto, aber die Antwort auf solche Einwände ist immer gleich: In einer freiheitlich organisierten Gesellschaft reicht es auch, dass einem etwas einfach Freude macht. Im SRT reisen vier Personen samt ­Gepäck ziemlich komfortabel, das Fahrwerk wirkt ausgewogen. Nur wenn man den Grand Cherokee zu sehr um die Ecken quält und die grossen 20-Zoll-Räder leiden, neigen sie bald einmal dazu, Vibrationen in den Innenraum zu übertragen. Dem Innenraum gilt auch die leise Kritik: Dessen Verarbeitungsqualität und Anmutung ist bei genauerer Betrachtung recht rustikal.

Aber es gibt eigentlich keinen Grund, den grossen Jeep zu quälen, am meisten Freude macht er bei der flotten Autobahnfahrt, wenn die 624 Newtonmeter fast immer und fast ­ansatzlos zur Verfügung stehen und kein noch so kleines Turboloch die Freude am Beschleunigen trüben kann.


Jeep Grand Cherokee SRT Night
Leistung: 468 PS/344 kWHubraum: 6417 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 257 km/h
Preis: Fr. 106 350.–, Testwagen: Fr. 107 750.–

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Kommentare

Christine Joos

19.12.2017|16:59 Uhr

"Im SRT reisen vier Personen samt ­Gepäck ziemlich komfortabel, das Fahrwerk wirkt ausgewogen. Nur wenn man den Grand Cherokee zu sehr um die Ecken quält und die grossen 20-Zoll-Räder leiden, neigen sie bald einmal dazu, Vibrationen in den Innenraum zu übertragen. Dem Innenraum gilt auch die leise Kritik: Dessen Verarbeitungsqualität und Anmutung ist bei genauerer Betrachtung recht rustikal." Ja, das ist der Wagen meiner Kindheit. Er hiess nicht SRT oder Grand oder Cherokee, aber Platz war für uns vier Gschpändli allemal. Und wenn das 5. Gschpändli den Leiterwagen zog, war der Spass perfekt.

Pascal Frank

16.12.2017|13:43 Uhr

Besten Dank an die WW, dass sie ein politisch nicht korrektes Fahrzeug vorstellt. Das Fahrzeug kann man übrigens, wenn man es mit dem üblichen politisch konformen Schweizer Schneckentempo fährt sparsamer fahren als angegeben. Somit gelangt man beim Verbrauch beinahe in den Bereich von kleinen Turbobenzinern und von den Aussendimensionen ist man im Klub der "Pampersbomber" Sharan, Zafira, Espace und Co. Der Testwagenpreis (Listenpreis) ist ein wenig hoch gegriffen, da beim offiziellen Importeur der Wagen 1/5 günstiger zu kaufen ist.

Marc Dancer

15.12.2017|04:50 Uhr

Ein typischer US-Anachronismus! Die lernen's nie!

René Gaston Sauvain

13.12.2017|20:27 Uhr

Bitte Hr. Schnapp, teilen Sie mir mit, wo ich in der Schweiz 257 km/h fahren darf, aber mit einem Auto zum halben Preis!! Die Differenz zwischen Normalpreis und Testwagen Fr. 1400.- kostet wohl derAufkleber mit dem Vermerk "Wrummm, Wrummm"...und fast hätte ich vergessen zu erwähnen....eintypisches Frauenauto mit eingebauter Vibration im Innenraum! Gute Fahrt!!

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