Vier Türen

Kaum eine Marke hat sich in den letzten Jahren so stark gewandelt wie Maserati. Unterwegs im Quattroporte S Q4.

Vor nicht allzu vielen Jahren war Maserati eine Automarke für Individualisten mit italienischem Flair. Eine Marke für Genussmenschen, die im Sommer ihre Wildleder-­Loafer selbstverständlich ohne Socken tragen. Geschäftsleute, die mit einem Maserati Quattroporte vorfuhren, demonstrierten, dass ihnen die schönen Dinge des Lebens wichtig und teuer sind. Mit einem Maserati bekannte man sich zur mediterranen Leichtigkeit statt zur preussischen Strenge. Heute ist Maserati zwar nicht gerade ein Massenhersteller, aber mit der aktuellen Modellpalette will man ­offensichtlich die Premium-Hersteller aus Deutschland, Japan, England oder Amerika herausfordern. Sie soll ein breiteres Publikum ansprechen, aber natürlich immer im Mase­rati-Stil.

Auch wenn sich die Wahrnehmung der Marke verändert hat, ist die grosse, luxuriöse Limousine Quattroporte ein Klassiker der Automobilgeschichte. Das aktuelle Modell ist die sechste Generation mit vier Türen. Und es ist eine mächtige Erscheinung: 5,2 Meter lang und fast zwei Meter breit – das sind die ­Dimensionen, bei denen man lieber vorfährt, als selbst zu parkieren. Der Innenraum mit sattelbraunem Leder, Carbon-Zierflächen und einem nahtlos eingepassten, brillanten Touchscreen zeigt eine erfreulich hohe ­Verarbeitungsqualität.

Mein Testwagen war ein Modell S Q4, die meistverkaufte Variante in der Schweiz: sportlich ausgelegter Allradantrieb, Acht-Gang-­Automatik und ein sehr feines V6-Biturbo-­Triebwerk, das bei Ferrari gebaut wird. Der Sechszylinder wirkt höchst agil und beherrscht akustisch die relative Diskretion, was für ein Auto dieser Art irgendwie angebracht erscheint. Solange man nicht die «Sport»-­Taste aktiviert hat, hält sich die Abgasanlage mit allzu vorlautem Röhren zurück. Drückt man aber die Taste, so erwacht im Quattro­porte der Sportsgeist, er wirkt nun geradezu flink und leichtfüssig, wird deutlich lauter und erreicht aus dem Stand in unter fünf ­Sekunden Tempo 100.

Elegant und komfortabel

Wenn man es – wiederum der Grösse und ­Opulenz des Autos entsprechend – gemütlicher nimmt, federt der Quattroporte komfortabel ab und gleitet elegant über den Asphalt. Trotz ­seiner Dimensionen wirkt der italienische ­Rivale nie unhandlich, sobald er in Fahrt ist. Ver­besserungsvorschläge gibt es bloss im Detail: Dass viele Funktionen über den Bildschirm und nicht mehr über Tasten gesteuert werden, entspricht dem Zeitgeist, aber die Anordnung der Funktionen wirkt nicht gerade aufgeräumt. Und der Wählhebel für die Ge­triebeautomatik wirkt etwas «harkelig», da gibt es bedienerfreundlichere Lösungen. Ansonsten gilt für ­dieses Auto: Bella, grande Italia!


Maserati Quattroporte S Q4 Gransport
Leistung 409 PS / 301 kW,
Hubraum: 2979 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 284 km/h
Preis: Fr. 131 300.–, Testwagen: 155 374.–

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