Intern

Einen «wind of change»verspürte der britische Premier Harold Macmillan 1960 nach einem Aufenthalt in Afrika, und tatsächlich veränderte dieser Wind des Wandels den Kontinent grundlegend. Heute pfeift ein neuer Wind durch Europa: Er bläst aus dem Osten. Zu Ungarns Orbán und Polens Kaczynski haben sich die Österreicher Kurz und Strache sowie der Tscheche Babis gesellt – und sie fordern die EU heraus, wie Weltwoche-Korrespondent Boris Kálnoky darlegt. Es ist eben doch nicht zusammengewachsen, was angeblich zusammengehörte. «Die EU ist viel zu westorientiert», klagt der frühere österreichische Spitzenpolitiker Erhard Busek im ­Interview. Tschechiens Ex-Präsident Václac Klaus erklärt, warum die Prager Eliten abgestraft wurden. Auch der Rest von Macmillans ­Zitat tönt sehr aktuell: «Ob es uns gefällt oder nicht, dieses wachsende nationale Bewusstsein ist eine politische Tatsache.» Das Cover zu unserer Titelgeschichte ist dem ikonischen Plakat des Kultfilms «Ocean’s Eleven» mit George Clooney und Brad Pitt nachempfunden. Auf dem Titelblatt (v. l.): Gerhard Pfister, Christian Lindner, Jaroslaw Kaczynski, Heinz-Christian Strache, Angela Merkel, Andrej Babis, Viktor ­Orbán, Sebastian Kurz. Wir geben freilich zu: Bei der Wahl Angela Merkels war etwas, wenn auch begründete Hoffnung dabei. Seite 16–21


Unglaubliche 2,5 Millionen Exemplare seiner Ratgeberbücher hat Rolf Dobelli bisher verkauft, in 43 Sprachen sind sie übersetzt worden. Nun bringt der Luzerner mit «Die Kunst des ­guten Lebens» den nächsten Band seiner Erfolgsreihe heraus. Darin empfiehlt er, man solle nur zehn Bücher pro Jahr lesen, diese dafür gründlich und mehrmals. Als Kulturredaktor Rico Bandle den Autor während eines Gesprächs in Bern fragte, ob er sein eigenes Buch auf diese Leseliste setzen würde, war dies das einzige Mal, dass Dobelli um eine Antwort verlegen war. Nach einigem Zögern sagte er: «Das ist eine ­gemeine Frage.» Seite 12


Im Bundeshaus wird tüchtig geschummelt. ­Jeder Parlamentarier darf zwei Gästen exklusiven Zutritt gewähren. Er muss allerdings die Funktion des Gastes ausweisen – dies im Sinn der Transparenz, damit Lobbyisten und andere Interessenvertreter nicht unter dem Radar durchgehen. Doch genau dies tun mehr als zwanzig Nationalräte nicht, wie die Recherche von Philipp Gut zeigt. Die Volksvertreter tarnen Lobbyisten als einfache Gäste. Damit verletzen sie Paragraf 69 des Parlamentsgesetzes. Aufgrund der Weltwoche-Enthüllung haben mehrere Ertappte angekündigt, sie würden das verschleiernde Versäumnis korrigieren. Seite 32


Die meistgehasste Frau Grossbritanniens heisst Katie Hopkins. Woche für Woche zieht die 42-Jährige in Kolumnen und Tweets mit Schalk und Spott gegen öffentliches Stillen, die Gleichstellung von Frau und Mann, die Islamisierung vom Leder. «Hopkins ist hirnlos», zetern ihre Feinde. Das ist üble Verleumdung, wie Urs Gehriger bezeugen kann. Er hat sie am Londoner Speakers’ Corner getroffen, der letzten Ecke schonungs­loser Meinungsfreiheit im Königreich. Mitten im Interview nahm Hopkins Gehrigers Hand und führte diese auf ihren Schädel. Direkt unter der Kopfhaut erfühlte er eine Weichstelle. «Das ist mein Hirn!», erklärte sie. Seit einer Epi­lepsieoperation fehlt ihr ein Teil der Schädel­decke. Auf Hopkins’ Streitlust hat die Schwachstelle keine Auswirkung. Seite 44


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