Goldener Oktober

Der Fiat 124 Spider erinnert an Zeiten, in denen offene Zweisitzer der Inbegriff von sinnvoller Freizeit am Steuer waren.

Es gab eine Zeit, die sich allerdings vor meiner eigenen abspielte, als zweisitzige Roadster der Inbegriff automobiler Kultur und Leichtigkeit waren. Oder wie es The Sunday Times ausdrückte: «Als U-tube noch ein Rohr unter dem Spülbecken war, Tweets ­lediglich Vogelgezwitscher und wir etwas so Merkwürdiges wie Freizeit kannten.» Das war deshalb auch die Zeit, in der es eine ganze Reihe offener kleiner Autos gab, von Austin-Healey über die diversen MGs bis zum ursprünglichen Fiat 124 Spider.

In der neueren Vergangenheit gab es in ­dieser Kategorie – es geht hier nur um lustige Fahrzeuge zu vernünftigen Preisen – lediglich den Mazda MX-5. Denn ein offener Zweisitzer, das kaum Platz für Gepäck bietet, ist letztlich ein Auto, das man nicht unbedingt braucht. Man besitzt es also aus reinem Vergnügen und nicht, weil man von A nach B kommen muss. Das passt natürlich nicht in eine Zeit, in der das Bedürfnis nach Selbst­optimierung schon Teenager in die Fitness­center spült.

Sinn für die Geschichte

Allerdings: An schönen Herbsttagen wie ­diesen reicht ein Auto mit zwei Sitzen, lustig im Wind wippender Radioantenne auf dem Heckdeckel und Stoffverdeck vollauf: Kürzlich war ich unterwegs mit einem Fiat 124 ­Spider, der Neuauflage des Vergnügungs­wägelchens aus Italien. Es erinnert immer noch etwas an Audrey Hepburn und das Rom der sechziger Jahre – jedenfalls so, wie ich mir das auf Grund einer Google-Recherche vorstelle –, ist aber ein modernes Auto mit Sinn für die Geschichte.

Tatsächlich basiert der 124 Spider technisch auf dem MX-5, er ist aber etwas länger, sieht anders aus und hat anstelle eines 1,5-Liter-­Saugmotors einen kräftig mit Turbolader aufgepumpten 1,4-Liter-Antrieb mit 140 PS. Daraus entwickeln sich 240 Nm Drehmoment, die nach einer kleinen Turbolochpause erfreulich dynamisch wirken und den kleinen Fiat schnell in Fahrt bringen. Gemäss ­einem Vergleichstest von Auto Bild ist der Fiat 0,4 Sekunden schneller auf 100 km/h, verbraucht aber im Durchschnitt auch mehr Benzin: 7,6 Liter statt wie der Mazda 6,5 auf 100 Kilometer.

Fazit: Autos, die nicht einen besonderen Zweck erfüllen müssen, sondern bloss ihrer selbst wegen da sind, haben einen besonderen Charme. Als Alltagsauto ist der Fiat immer wieder unpraktisch. Eine volle Einkaufstüte ist nur schwer im Kofferraum unter-zubringen, und unter dem Stoffverdeck wird es auf längeren Autobahnfahrten lärmig laut. Aber sobald man die Autobahn verlässt, das Verdeck öffnet und von Hand durch die sechs Gänge schaltet, hat man seine Freizeit ganz und gar sinnvoll verbracht.


Fiat 124 Spider Lusso 1.4
Leistung: 140 PS / 103 kW,
Hubraum: 1368 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 217 km/h
Preis: Fr. 31 500.– Testwagen: Fr. 36 050.–

Lesen Sie auch

Millionär Luther

Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen an das Hauptportal der ...

Von Hans Conrad Zander
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

René Schnüriger

29.10.2017|10:38 Uhr

Ah tut das gut, mal wieder von alten Zeiten zu hören. Ich war selber in jungen Jahren ein stolzer Besitzer eines Austin Healey. Allerdings nur "Sprite", den grösseren 3 liter Traumwagen konnte ich mir nicht leisten. Es war trotzdem Vergnügen pur - mit einem Wermutstropfen allerdings. Das Wort "Rostgarantie" war noch weniger präsent, man hätte es höchstens als "garantiert Rost nach spätestens 3 Jahren" interpretieren können. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht an einen Fiat 124 Cabriolet erinnere? Italiener und Franzosen waren nämlich besonders anfällig für frühe Durchrostung.

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag ab 16 Uhr 30