Blosses Vergnügen

Den Mercedes AMG GT C Roadster fährt man am liebsten, wenn man nichts anderes zu tun hat als: fahren.

Dinge, die man nicht unbedingt braucht, bringen oft die grösste Freude. Ein hochmotorisierter zweisitziger Sportwagen als Roadster mit V8-Biturbomotor und Stoffverdeck zum Preis einer Ferienwohnung etwa ist ganz oft recht unpraktisch. Zum Beispiel, wenn Frau und Kind mitkommen möchten oder wenn man mehr als eine Sporttasche transportieren will. Kommt dazu, um offen zu fahren, ist es ganz oft zu heiss oder zu kalt.

Aber: Einen Mercedes-AMG GT C Roadster fährt man nicht, weil er besonders praktisch ist, sondern weil er reines Vergnügen bedeutet. An den paar Tagen, während deren der GT C in meiner Garage stand, habe ich mir die Zeit mit Weitblick eingeteilt. Das heisst, ich ­habe mir Tage in den Kalender eingetragen, an denen ich nichts anderes gemacht habe als: ­Auto fahren. Ich fuhr zum Beispiel morgens um sieben Uhr zu Hause los, ganz entspannt Richtung Glarus, um dann in Linthal alle Systeme auf «scharf» zu stellen und den Klausen hinaufzubrettern. Es war ein schöner, nicht zu heisser Tag, mit offenem Dach zu fahren, steigerte das Vergnügen.

Kühe und Vernunft

Auf dem Urnerboden wurde ich von einer Horde Kühe ausgebremst, die stoisch der Stras­se entlang paradierte. Aber ich hatte ja Zeit und musste nirgends hin, so ist das, wenn man zum blossen Vergnügen Auto fährt. Der Kuhstopp gab mir Gelegenheit, über diesen Sportwagen nachzudenken, den Mercedes «zwischen dem AMG GT S und dem AMG GT R positioniert». Der GT R ist wohl noch etwas giftiger, der GT C hingegen ermöglicht mit seinem «AMG Ride Control»-Fahrwerk auch ein halbwegs komfortables Vorankommen. In den letzten Jahren hat es ja eine Art Demokratisierung der PS-Zahlen gegeben, selbst hochmotorisierte Autos wie diesen Mercedes-AMG mit 557 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast irrwitzigen 316 km/h kann heute jeder fahren.

Die Kühe hatten mittlerweile vom Teer wieder aufs Gras gewechselt, und ich nahm den zweiten Anstieg mit einigen recht engen Haarnadelkurven in Angriff. Mit seiner Hinterradlenkung wirkt der GT C trotz eines Gewichts von über 1700 Kilogramm erfreulich agil, wozu auch das elektronisch geregelte Hinterachs-Sperrdifferenzial beiträgt. Falls in der Kurve plötzlich ein ambitionierter E-Bike-Fahrer vor einem auftaucht, sind zudem die Bremsen verlässliche Energievernichter.

Nach dem Klausen fuhr ich nach Andermatt, dann noch über einige weitere Pässe und fand das am Ende einen sehr gelungenen Tag, auch wenn ich abends auf die Frage meiner Frau, was ich heute gemacht hätte, keine ausserordentlich vernünftige Antwort geben konnte. Aber manche Fragen dürfen so offenbleiben wie ein Roadster.

Mercedes-AMG GT C Roadster
Leistung: 557 PS/410 kW, Hubraum: 3982 ccm,
Höchstgeschwindigkeit: 316 km/h
Preis: Fr. 188 796.-, Testwagen: 235 724

Kommentare

René Gaston Sauvain

31.08.2017|01:40 Uhr

Wie kann man nach all der gewollten Umweltverschmutzung Deutscher Autos tagelang unnütz in der Gegend herumfahren? Müssen die Kühe blöd gekuckt haben, als Sie mit 316 über den Urnerbodenbretterten! .....und noch eine Frage, können Sie den Differenzpreis zwischen Testwagen 235'724.99 + Normalpreis 188'796.01 von den Steuern abziehen? Wie wär's nach der Gastronomie- und Autobranchemit Wandern?

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