«Frieden und Wohlstand»

«Übermütige Vulgarität», «PR-Genie», «dumme Umweltschutzvorschriften»: Am grossen ­Weltwoche-Podium* zu Donald Trump diskutierten ­Polit-Analystin Amy Holmes, Trumps Umfragechef John McLaughlin und Auto-Manager Bob Lutz über den neuen amerikanischen Präsidenten.

Für John McLaughlin, Umfragechef und Freund von Donald Trump, ist es ein klarer Fall: Der neue Präsident hat seit den Wahlen seine Zustimmungswerte weiter steigern können. Mit dieser Botschaft war McLaughlin an die Diskussionsveranstaltung über die Politik des neuen Präsidenten im Weissen Haus nach Zürich gereist.** Sein prominenter Klient hatte die Wahlen gewonnen, weil sich die Wähler von Trump eine neue Politik versprachen. «Er gibt uns, was wir wollen. Er ist ein PR-Genie. Und den Leuten gefällt das Reality-TV-Format», beschrieb McLaughlin Trumps Weg zum Wahlsieg. Um populär zu bleiben, müsse Trump in den nächsten zwei Jahren aber seine wirtschaftlichen Wahlversprechen einlösen. «Wenn wir bis dann keine ökonomischen Resultate vorweisen können, werden wir bei den midterm-Wahlen die Mehrheit im Repräsentenhaus verlieren», sagte McLaughlin.

«Hollywood für hässliche Menschen»

Bob Lutz, Auto-Legende und ehemaliger Kriegspilot, der jetzt Trump unterstützt, ist zuversichtlich, dass es mit der Wirtschaft in den nächsten Jahren aufwärtsgehen werde. (siehe Interview, Seite 38/39). «Trumps Unternehmenssteuerreform wird einen enormen Wachstumsschub auslösen», ist Lutz überzeugt. Trump werde zudem «dumme Umweltschutzvorschriften» abschaffen. Amy Holmes, aus New York eingeflogene Polit­expertin für zahlreiche News-Networks, stört sich an der «übermütigen Vulgarität» Trumps. Seine persönlichen Angriffe seien von einer für die amerikanische Politik «präzedenzlosen Bösartigkeit». Der heftige Ton werde sich noch verschärfen, befürchtet Holmes. Trumps Gegner, namentlich die Demokraten, würden in den nächsten vier Jahren versuchen, einen Keil zwischen Trump und die Republikanische Partei zu treiben. Washington, so Holmes, sei eben «Hollywood für hässliche Menschen».

Skeptisch beurteilt Holmes die Absicht des neuen Präsidenten, ein Milliarden-Infrastrukturprogramm zu lancieren. Ungern nimmt sie auch Trumps Anstalten zur Kenntnis, mit ­einem Mikromanagement in unternehmerische Entscheide einzugreifen. «Wir sollten keine Industriepolitik haben, die mit Hilfe von Twitter-Botschaften definiert wird», meint Holmes. Die absehbare Zusammensetzung des künftigen Kabinetts stimme sie als Konservative aber trotz allem zuversichtlich, meint Holmes. Mit Genugtuung vernehme sie, dass Trump auf seine Berater höre. Auch wenn es zwischen ihm und Trump während des Wahlkampfs mitunter zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sei, bestätigte Umfragechef McLaughlin spontan, habe Trump gute Ratschläge angenommen – zumindest manchmal, wie er schmunzelnd einschränkte. Während des Wahlkampfs sei Trump sein eigener Stratege gewesen.

Trumps Verhandlungstaktik

McLaughlin verriet auch aussenpolitische ­Absichten des neuen Präsidenten. Beim ersten Treffen mit Russlands Wladimir Putin werde wohl das Thema Atomwaffen zur Sprache kommen, «und hoffentlich werden sie eine Übereinkunft erzielen». Trump wolle zudem ein sichereres, wachsendes Amerika. Europä­ische Staaten seien seit Jahrzehnten Alliierte der USA gewesen. «Wir haben», so MacLaughlin, «ein gemeinsames Interesse an Frieden und Wohlstand.»

Trump, sagte Holmes, wirke auf sie wie ­einer, der sich als neuer Sheriff in der Stadt ­begreife und zu verstehen gebe: «Ich werde die Welt anders betrachten als mein Vorgänger.»

Lutz beschrieb Trumps Verhandlungstaktik. Er nenne zunächst ein unmögliches Ziel. Während der Verhandlungen mässige er dann seine ursprüngliche Forderung und erreiche «am Ende ein Resultat, das er sonst nicht ­erreicht hätte».

Trump werde weiterhin mit negativen Medienberichten leben müssen – darin waren sich die drei US-Experten einig. Laut Lutz massen sich die Medien mit ihrer elitistischen Mentalität an, alles immer besser zu wissen. Mainstream-Publikationen wie die New York Times, so Holmes, hätten es sicher nicht ­geschätzt, dass Trump dank seiner Kurz­meldungen über Twitter die Leute ohne die Medien erreichen konnte. «Die Mehrheit der ­Amerikaner», wusste McLaughlin, verfolge das ­Geschehen auf Twitter, «und es ist ihr lieber, Meldungen mit 140 Zeichen zu lesen, als langen Reden zuzuhören». (ph, fsc)


* Eine Videoaufzeichnung des Podiums ist ab Donnerstag aufgeschaltet unter www.weltwoche.ch/trumppodium

** Die von Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel ­moderierte Podiumsdiskussion im «Renaissance Tower Hotel» in Zürich wurde von 350 Personen besucht.

Lesen Sie auch

«Ineffizientes Monster»

Kritik an der EU ist für den europäischen Spitzenpolitiker Guy Verhofstad...

Von Wolfgang Koydl
Jetzt anmelden & lesen

Kommentare

Jürg Brechbühl

18.01.2017|21:17 Uhr

So arrogant sich Washington dem Rest der Welt aufdrängt, so tut es auch gegen die einzelnen Bundesstaaten. Dieser ständige Kampf gegen die Zentralisierung ist ein ewiges Thema in den USA. Washington hat dort den Ruf, als wäre die EU-Zentrale in Palermo und nicht in Brüssel. Trump hat einfach Washington so dargestellt, wie es die meisten Amerikaner sowieso und seit Jahrzenten sehen. "Make America Great Again" hat gezogen, weil die Amerikaner sich das zutrauen, die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Sie erwarten nicht Förderung aus Washington, sondern trauen Trump er sie nicht behindert.Optimismus

Die News des Tages aus anderer Sicht.

Montag bis Donnerstag
ab 16 Uhr 30

Ihr Light-Login-Zugang ist abgelaufen. Bitte machen Sie das Abonnement hier