Intern

Noch vor nicht allzu langer Zeit machten Wirtschaftskapitäne einen Bogen um das Bundeshaus. In den Teppichetagen herrschte die ­Meinung vor, Politik sei im Zeitalter der Globalisierung zweitrangig geworden. Valentin Vogt gibt Gegensteuer. Der Verwaltungsratspräsident der einstigen Winterthurer Sulzer-Tochter Burckhardt Compression steht mitten im Getümmel. Als Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands leitet er das Gremium, das die Abstimmungskampagne gegen die ­Rentenreform 2020 steuert. René Zeller hat Vogt in dessen Büro im ehemaligen Swissair-­Hauptsitz Balsberg getroffen. Seite 12

Obwohl Alfred Heer seit zehn Jahren im Nationalrat politisiert, hat man ihn auf nationaler Ebene lange kaum wahrgenommen. In Zürich, wo er die kantonale SVP zwischen 2009 und 2016 präsidierte, ist Heer bekannt als Hardliner, der mit seinen staubtrockenen und bissigen Voten gegen Asyl- und Sozialmissbrauch, aber auch etwa im Skandal um die kantonale Pensionskasse (BVK) nicht nur linke Seelen in Wallung bringt. Lange ging auch Heers Engagement beim Europarat, dem er seit 2011 angehört, unter dem ­Radar durch. Mit der Selbstbestimmungsinitiative tritt der SVP-Politiker als Europakritiker mit Insiderkenntnissen national ins Rampenlicht. Wer ist dieser Mann? Kollege Alex Baur hat sich auf Spurensuche gemacht in Heers Heimat: dem Zürcher Langstrassenviertel. Seite 28


Zum zweiten Mal innert einer Woche stattet Donald Trump Europa einen Besuch ab. In ­Paris wird er mit First Lady Melania als Ehrengast an der Parade des 14. Juli erwartet. Den ­Medien bietet die Visite Anlass, sich abermals über den US-Präsidenten auszulassen. Die Weltwoche hält derweil eisern an ihrer Linie fest, das Phänomen Trump von stets neuer Seite zu untersuchen. Nach Umfragechefs, Wahlkampfhelfern, Biografen und Weggefährten kommt in dieser Ausgabe eine Legende der US-Politik zu Wort: Newt Gingrich, Urgestein der Konservativen und Rädelsführer der republikanischen Revolution in den 1990er Jahren. Trumps ­Taktik gleiche jener von Kampffliegern, sagt Gingrich im Gespräch mit Urs Gehriger in ­Arlington, Virginia. Seite 38

Leser der Kriminalromane von Jo Nesbø kennen den Osloer Stadtteil Grünerløkka: Das frühere Arbeiterviertel ist heute ein Szenequartier mit Klubs, Cafés und Restaurants. Nesbøs Held Harry Hole treibt sich hier gerne herum; für ­einen ehemaligen sowjetischen U-Boot-­Offizier ist es ein eher ungewöhnlicher Aufenthaltsort. Aber Alexander Nikitin ist auch kein gewöhn­licher Mensch: In den neunziger Jahren zerrte ihn der russische Geheimdienst vor Gericht, weil er mitgeteilt hatte, wie gemeingefährlich Moskau seine Atom-U-Boote versenkte. Seine heutige Aufgabe ist grösser: Im Auftrag der Umweltstiftung Bellona, die in Grünerløkka ihr Büro hat, soll er Russlands gesamten Atommüll entsorgen – 500 Millionen Kubikmeter. Seite 46

Sommerzeit ist Lesezeit. Welche Bücher soll man in den Koffer packen? Auf den Literatur-­Extraseiten präsentiert Rolf Hürzeler achtzehn Werke, die sich als Ferienlektüre eignen. Seite 54–65

Schwarz und weiss: Die Cover-Illustration dieser Ausgabe ist eine Hommage an ein berühmtes Bild des grossartigen amerikanischen Künstlers Art Spiegelman aus dem New Yorker.

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Kommentare

Markus Spycher

14.07.2017|07:34 Uhr

Zum Cover: Nichts gegen eine (verdiente) Hommage an Art Spiegelmann. Aber der Schriftzug "Afrikaner in der Schweiz" passt nicht zum schönen Bild. Oder das Bild nicht zum Text. Der stilisierte, braunhäutige Mann mit europäischen Gesichtszügen in weissem T-Shirt,wie es die Spieler an den All England Tennis Championsships in Wimbledon zu tragen gehalten sind, gehört zweifellos einer Upper Class an. Die repräsentat. Afrikaner in der Schweiz sind bestenfalls Vertreter der Lower Middle Class. Die typische Schweizerin hat braune, nicht blonde Haare. Realität und künstl. Anspruch klaffen weit auseinander.

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