Meine Töffsaison (II)

Warum im Kampf gegen Verkehrsidioten nur das Beheben der eigenen Mängel etwas hilft.

Die meisten Verkehrsteilnehmer halten ja alle andern Verkehrsteilnehmer für einigermassen unfähig. Der geniale Kolumnist Harald Martenstein hat es im Zeit-Magazin einmal so formuliert: «Das ist erkenntnistheoretisch doch unhaltbar, zu denken, alle anderen seien Idioten, nur man selber sei keiner.» Martenstein zitiert im Weiteren den Philosophen Odo Marquard und dessen Definition vom Menschen als «Mängelwesen». Das lässt sich sehr gut auf die eigenen Fähigkeiten hinter dem Steuer oder Lenker übertragen.

Alles sitzt

Einigen Velofahrern ohne Führerschein könnten ein paar Stunden Unterricht von Strassenverkehrsregeln zwischendurch nicht schaden, und nicht alle Autofahrer gehören automatisch zu den besten ihrer Art, nur weil sie beim gemütlichen Grillabend über all die Linksfahrer- und Nicht-blinken-beim-Abbiegen-Idioten schimpfen.

Nochmals anders ist es bei uns Töfffahrern. Da gibt es die routinierten, die bei Wind und Wetter unterwegs sind. Oder die Wiedereinsteiger, die es nochmals versuchen wollen. Oder es gibt die Neulenker wie mich, die im reiferen Alter entschieden haben, jetzt auch noch das Töfffahren anzugehen.

Auf meiner BMW R nineT fällt es mir zwar leicht, die schwere Maschine sicher von A nach B zu bewegen. Aber so locker bin ich dann auch wieder nicht, damit mir noch Zeit bliebe, mich über Verkehrsidioten aufzuregen. Es steht fest, dass es noch gewisse Aspekte des Töfffahrens gibt, die ich verbessern könnte. Ich habe mich deshalb für einen sogenannten Moto-Basiskurs beim TCS angemeldet. Auf der R nineT sitze ich zwar fast so gut wie der neue, ultraleichte Jet-Helm aus echtem Carbonfaser-Material von IXS (Grösse XL, Fr. 239.–) auf meinem Kopf, aber es gibt immer noch etwas zu verbessern.

Mit einem gutgelaunten, geduldigen In­struktor namens Mark und einer Gruppe anderer Motorradfahrer mit zwei bis dreissig Jahren Strassenerfahrung geht es einen Tag lang um Kurventechnik, Bremswege und Balance. Und so banal manche Übungen auf den ersten Blick scheinen mögen – Vollbremsung bei 60, 70 km/h, drei Runden links und dann rechts herum im Kreis fahren –, so effektiv sind sie im Hinblick auf das Ziel, beim Töfffahrer als «Mängelwesen» Verbesserungen herbeizuführen. Nützlich ist etwa die Information, dass die Haftung der Reifen bei einsetzendem Regen und zuvor trockenem Wetter noch 20 bis 30 Prozent beträgt, bei längerem Niederschlag aber auf 60 bis 70 Prozent ansteigt.

Am Ende des Tages bin ich überzeugt, der bessere Motorradfahrer zu sein als noch acht Stunden zuvor. Ein kleines gelbes Zertifikat bescheinigt mir, ich würde «in Zukunft mit Sicherheit besser fahren».


BMW R nineT ABS
Leistung: 222 PS/81 kW, Hubraum: 1170 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Preis: Fr. 16 250.–

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Kommentare

Marc Dancer

15.06.2017|05:44 Uhr

Nicht 222 PS! ich würde meinen ca. 110 PS.

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