Intern

Ein 17-jähriger muslimischer Schüler aus Schaffhausen verbreitet wochenlang Furcht und Schrecken bei Lehrern und Kameraden. Er droht sogar wiederholt, seine Klassenlehrer «aufzuschlitzen». Mädchen spuckt er ins Gesicht. Ein Elterngespräch findet unter Polizeischutz statt. Doch die zuständige Schulbehörde, angeführt von ­einer SP-Politikerin, spielt die Vorkommnisse ­herunter. Philipp Gut hat recherchiert und sich die einschlägigen Protokolle beschafft. Sie erlauben es erstmals, den «Fall Bachschulhaus» detailliert nachzuzeichnen. Der Schulvorstand hat dem radikalisierten Jugendlichen jahrelang erlaubt, in seinem Büro zu beten. Seite 26


Anfang Mai erhielt Rico Bandle ein Mail von der Genfer Historikerin Ruth Fivaz-Silbermann. Sie sei fertig mit ihrer Dissertation, Ende Monat werde sie ihre Arbeit in einer öffentlichen Anhörung verteidigen. Seit zwanzig Jahren forscht Fivaz über die Schweiz als Fluchtort jüdischer Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg, nun präsentiert sie ihre Resultate. Der tausend Seiten umfassende Bericht zeigt die Schweizer Flüchtlingspolitik in ­einem neuen Licht. Die Schweiz hat viel weniger jüdische Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen als bislang angenommen. Bandle war bei der Präsentation in Genf und hat mit Fivaz, deren Eltern in die Schweiz geflüchtet waren, über ihre Arbeit gesprochen. Seite 22


Mit der spektakulären Verhaftung des ehemaligen guatemaltekischen Polizeichefs Erwin Sperisen wollte der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa 2012 der Welt zeigen, wie man Justiz macht. In Spanien, Österreich und Guatemala ist der internationale Fall inzwischen erledigt: Alle angeblichen Täter wurden freigesprochen. In der Schweiz dagegen schmort Sperisen nach fünf Jahren immer noch ohne rechtskräftiges Urteil in Untersuchungshaft, seit zwei Jahren liegt der Fall unerledigt am Bundesgericht. In einer mehrteiligen Serie deckte die Weltwoche im Fall Sperisen eine Reihe von zum Teil haarsträubenden Ungereimtheiten auf. Nun melden sich die Strafrechtsprofessoren Daniel Jositsch (Zürich) und Christian-Nils Robert (Genf) zu Wort. Seite 33


Im hinteren Teil dieser Ausgabe findet sich die alljährliche Beilage zu den Klassik-Festivals des Sommers. Ein besonderes Augenmerk gilt den Bayreuther Festspielen. Der Lieblingsanlass der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mehr als bloss ein nobler Kulturanlass: Er ist sowohl deutsches Kulturgut als auch ein Ort der Intrigen und Affären. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Lucerne Festival: Unter Intendant ­Michael Haefliger ist das grösste Klassikfestival der Schweiz zum globalen Unternehmen mit ­Ablegern auf drei Kontinenten gewachsen. Nun kommt eine Residenz in China hinzu. Der Direktor gibt Auskunft über seine Expansionsstrategie. Seite 58–74


In eigener Sache: Mit dieser Ausgabe verabschieden wir unseren Bundeshauskorrespondenten Markus Schär. Der hochpräzise Analytiker, historisch wie ökonomisch bewandert und ein leidenschaftlicher Jazzfreund, sezierte in den vergangenen vier Jahren das Berner Geschehen und insbesondere die Energie-, Gesundheits- und Parteipolitik mit feinem Besteck und unbestechlichem Blick. Bereits von 2004 bis 2006 hatte Schär für die Weltwoche gearbeitet. Wir danken dem geschätzten Kollegen von Herzen für seine brillanten Beiträge und hoffen – sicher auch im Namen der Leser –, in Zukunft in etwas lockererem Rhythmus weiterhin Artikel von ihm publizieren zu dürfen.


Ihre Weltwoche

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