Migration: Mein Rezept

Welche Zuwanderung wollen wir für die Schweiz?

Wer die Grenzen einfach öffnet und die Zuwanderung nicht mehr selber kontrolliert, erntet Fremdenhass und nationalen Sozialismus. Unter nationalem Sozialismus verstehe ich hier nicht Hitlerismus, Judenmord und Weltkrieg, sondern eine verheerende Politik nationaler Abschottung und anti­liberaler Einsperrung der Wirtschaft, ein Rezept für den Untergang.

Wir beobachten es in der Schweiz bereits: Seit der Einführung der unseligen Personenfreizügigkeit vor zehn Jahren hat die ständige Wohnbevölkerung um rund 750 000 Personen netto zugenommen, das sind fast zehn Prozent aller Einwohner. Die Invasion drückt die Immobilienpreise nach oben, überlastet die Infrastruktur, setzt den Arbeitsmarkt für ­Inländer unter Stress und laugt die Sozial­werke aus.

Der Überdruck von aussen erzeugt Unbehagen und Überregulierung im Innern. Klar: Wer seine Wohnung mit vollem Kühlschrank allen öffnet, erntet Dichtestress und eine überfüllte Küche. Wer nicht mehr an der Türe kontrolliert, muss im Innern mit Vorschriften und Verboten Ordnung schaffen.

Man kann nicht beides haben: offene Grenzen und freie Arbeitsmärkte; offene Grenzen und einen ausgebauten Sozialstaat. Die Einsicht stammt von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. Friedman allerdings war für die Grenzöffnung, weil er sich von ihr die Abschaffung des Sozialstaats erhoffte. Das ist weltfremd. Der Sozialstaat ist eine Errungenschaft, die wir nicht leichtfertig preisgeben sollten.

Die Debatte wird unehrlich geführt. Migrationsfantasten drohen mit der Moralismuskeule. Sie schimpfen alle, die Ordnung an den Grenzen wollen, Fremdenhasser und Rassisten. Dabei sind sie es, die mit ihrer Masslosigkeit den Unmut produzieren. Überdies verschweigen sie, dass es ihnen nicht um Moral, sondern um handfeste politische oder wirtschaftliche Interessen geht.

Die Linken fordern fiebrig immer noch mehr Zuwanderung, weil ihnen die Wunderdroge dabei hilft, ihr sozialistisches Ziel der totalen Wirtschaftsregulierung durchzudrücken. Die Migrationsbegeisterten zur Rechten schielen ebenso eigennützig auf billige Arbeitskräfte im fast unerschöpflichen europäischen Reservoir. Beide sind bereit, die Interessen der Schweiz ihren eigenen Interessen zu opfern.

Tatsache bleibt: Masslose Zuwanderung schadet der Schweiz. Die wirtschaftlichen und sozialstaatlichen Folgen wurden angesprochen. Hinzu kommen die unabsehbaren Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Staaten funktionieren, weil sich die Staatsangehörigen als loyale Gruppe verstehen. Deshalb sind sie bereit, eine gewisse Umverteilung zwischen den Einkommensklassen, den Generationen und den Kantonen hinzunehmen. Zu viele Ausländer, zumal aus fremden Kulturen, gefährden das empfindliche Gewebe der nationalen Solidarität.

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns der Frage stellen: Welche Zuwanderung wollen wir? Die Schweiz ist von Natur aus arm. Sie kann sich keine Abschottung leisten. Aber auch keine Exklusivausrichtung auf die Kontinentalscholle Europa. Wir sind zur Weltoffenheit verdammt, übrigens seit Jahrhunderten. Es braucht Zuwanderung, aber dosiert und die richtige. Welche?

Die Personenfreizügigkeit war ein Versuch. Sie wurde mit Versprechen eingeflogen, die nicht zu halten waren. Statt netto 8000 kamen jährlich 80 000 bis 100 000 Neuausländer in die Schweiz. Selbst in schwächeren Jahren sind es über 60 000. Ein kleines Land wird abgefüllt. Es ist kein Verbrechen, den Fehlentscheid zu korrigieren.

Die Politik macht aus der Personenfreizügigkeit eine Glaubensfrage, eine Religion. ­Dabei ist sie nur ein Instrument, das sich nicht bewährt hat. Wir brauchen ein besseres Instrument. Vor Jahrhunderten haben Zahnärzte noch mit Klemmzangen, Sägen und Hämmern operiert. Ist heute jemand dagegen, dass bessere, präzisere Werkzeuge erfunden wurden?

Die Personenfreizügigkeit muss weg. In der EU glaubt niemand mehr daran. Die letzten Gläubigen sitzen in Bundesbern. Ich bin dafür, dass wir auch bei der Zuwanderung nicht mehr hämmern und holzen, sondern mass­geschneiderte Präzisionsinstrumente anwenden. Kann es darüber noch im Ernst Meinungsverschiedenheiten geben?

Ein amerikanischer Think-Tank formulierte kürzlich folgenden Vorschlag:

Man sollte sich bei der Einwanderung auf drei Personengruppen beschränken: auf Ehefrauen, Ehemänner und kleine Kinder von Staatsangehörigen; auf hochqualifizierte Talente, die in ihrem Fach zu den Besten gehören; auf die wenigen echten, an Leib und Leben bedrohten Flüchtlinge, denen vor Ort nicht geholfen werden kann. Nur sie sollen dauerhaft im Land bleiben und gegebenenfalls die Staatsbürgerschaft erlangen können.

Das ist vernünftig. Für diese Ziele liesse sich in der Schweiz beim Volk sogar eine Mehrheit finden, obschon es in der Politik nicht darauf ankommt, Mehrheiten zu finden, sondern das Richtige zu tun.

Merken es die Linken? Oder wollen sie es gar nicht merken? Mit ihrer moralisierenden Gutmenschenpolitik an den Grenzen zerstören sie am Ende ihre eigene grösste Errungenschaft: den Sozialstaat, den sie sichern sollten.

Ich bin für eine ehrliche Diskussion: Welche Zuwanderung wollen wir für die Schweiz? Kein Problem, wenn jemand meinen Vorschlag falsch findet, aber beenden wir die Scheindebatten. Legt die Karten auf den Tisch. Bessere Ideen sind willkommen.

Kommentare

George Lips

05.04.2017|05:19 Uhr

Meine neueste Rechnung, was den Steuerzahler, die "vorläufig Aufgenommenen" und die "anerkannten Flüchtlinge", die schon hier sind und mit denselben Zuwachsraten wie 2015 zu 2016 kosten werden mit einer Lebenserwartung hier(müssen nichts arbeiten, können den ganzen Tag Manicure machen) von 70 Jahren (die meisten sind ja jugendlich) betrifft: ES SIND 500 MILLIARDEN BIS ZUM JAHR 2095.Ohne Familiennachzug, ohne übliche Geburtenrate und ohne die Vielweiberei zu berücksichtigen. Ganz leicht nachzurechnen. Basis: Asylstatistik des SEM 31.12.2016. Sie glauben es nicht. Aber Sie werden es bezahlen müssen

George Lips

04.04.2017|06:34 Uhr

Ich bin für ein Moratorium mit NULL Zuwanderung. Gewisse Organisationen wie Hochschulen müssen abspecken durch 50% Reduktion des ausl. Perosnaals inkl.Studenten. Jeder Posten hier der von einem Ausländer besetzt werden soll ist via Internet dem Meistbietenden zu vegeben. Nur noch Spitzenindustrien werden so gefördert. Den "Blechbiegern" ist eine Frist einzuräumen, bis gesamtschweizerisch EINE MILLION Ausländer abgebaut sind.Asylstopp sofort und AUSSCHAFFUNG ALLER NICHTKOMPATIBLE KULTUREN, STÜCK FUER STÜCK. KONZENTRATIION DER AUSBILDUNG NUR AUF ALTSCHWEIZER. ALLE MULTIS MIT CH CEO.

Frank v. Frei

03.04.2017|12:16 Uhr

Zuwanderung? Offen für jeden? Nein! Wir brauchen in unserer christlichen Zivilasition nur Aufgeklärte/Reformierte. Die aktuellen Zuwanderer auf Basis eines ungebildeten, krebsgeschwürlichen, mittelaltertlichen Primitiv-Glaubens brauchen wir nicht. Nicht nur fahren wir hier in Autos, sondern wir entwickeln und bauen sie auch; ganz im Gegensatz zu den Primitiven, die das Kinderbuch Koran auswendig lernen und sich freuen, dass wir Aufgeklärte krankenversichert sind. In jedem deutschen Krankenhaus lauern freche Araber, die zu Hause getötet würden und hier unsere Ärzte bedrohen und beleidigen.

Andrea Dolansky

03.04.2017|09:58 Uhr

Ich wünschte, Deutschland hätte solche Politiker wie Roger Köppel. Klug, mutig, sympathisch. Es ist für mich immer ein Genuss, Herrn Köppel zuzuhören:-)

Christine Joos

03.04.2017|08:19 Uhr

R. Köppels Vorschläge sind gut. Sie sind normal, vernünftig, realistisch und gut. In seinem Video klingt leise Verzweiflung an, die ich genau so fühle, wenn ich merke (z.B. in Talks), dass vernünftige Vorschläge bei den Guten an Betonköpfen abprallen. Ich verstehe diese Köpfe nicht. Ich verstehe sie einfach nicht.

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