Leben auf der Ladefläche

Der Toyota Hilux ist der Geländewagen für besondere Ansprüche und für Leute mit Sinn für die Geschichte.

Es braucht einiges, bis Autos zu Legenden werden. Zunächst müssen sie über längere Zeit produziert werden, und dann sollten sie natürlich besondere Leistungen erbracht haben. Meist geschieht dies in den Kategorien «Abenteuer» oder «Sport», gemeint sind ­deshalb Fahrzeugmodelle wie die Corvette von Chevrolet, der 911er von Porsche, der ­Defender von Land Rover oder der Hilux von Toyota.

Der Hilux von Toyota wird seit 1968 als Pick-up, als Geländewagen mit Ladebrücke, produziert, unseren roten Testwagen mit grossformatigem «4x4»-Schriftzug und Doppelkabine könnte man auch als etwas überdimensioniertes Familienauto oder als Zugfahrzeug für einen Wohnwagen im Zivilleben einsetzen, und dieser repräsentiert bereits die achte Generation. Bei Wikipedia steht, er werde vorwiegend als «Nutzfahrzeug für Bauern, Handwerker, Forstarbeiter oder auf Baustellen» eingesetzt. Aber der Hilux (von high luxury) hat eben auch die Aura der Legende.

«Top Gear» sei Dank

Zu verdanken hat er das unter anderem «Top Gear», der vormals besten Autosendung der Welt. 2007 fuhren die Moderatoren James May und Jeremy Clarkson als erste Menschen überhaupt mit zwei Hilux zum nördlichen Magnetpol. Natürlich mit einem ganzen Team und stark modifizierten Fahrzeugen, aber es ist heute noch ein überzeugender Werbespot für ein Auto, das nicht zuletzt dank einfacher Technik wie Blattfedern zu den robustesten seiner Art gehört. Unter dem Titel «Killing a Toyota» versuchte Clarkson in einer späteren Sendung, einen Hilux zu zerstören. Er fuhr ­eine Treppe hinunter, seitlich gegen eine Mauer, frontal gegen einen Baum, und er parkierte den Wagen am Meer und wartete auf die Flut. Weder fünf Stunden im Salzwasser noch das Fallenlassen eines Wohnwagens aus einigen Metern Höhe auf den Hilux konnten diesen «töten» – und auch nicht eine Abrissbirne oder Feuer. Mit diesen Bildern im Kopf steigen wir in den Toyota, dessen Innenleben so rustikal aussieht, wie das Äussere wirkt, auch wenn mittlerweile ein feiner Touchscreen in der Mittelkonsole hängt. Aber der Drehschalter für den Allradantrieb und das Untersetzungsgetriebe ist so grobschlächtig, dass man grösstmögliches Vertrauen zur Technik fasst.

Der Hilux enttäuscht dieses Vertrauen nicht. Selbst als Langstreckenfahrzeug gibt er sich gemütlich, die 150 PS und 400 Nm aus dem 4-Zylinder-Reihendiesel sind nicht üppig, sondern auf viel Kraft bei tiefen Drehzahlen ausgelegt. Und falls man nicht halbe Bäume transportieren will, dient die riesige Ladefläche mit der schweren Klappe als Spielplatz für Kinder, die der Hilux durch seine unverwüstliche Erscheinung gleichermassen fasziniert wie ihre Eltern, die «Top Gear» gesehen haben.


Toyota Hilux Sol Premium
Hubraum: 2393 ccm
Leistung: 150 PS/110 kW,
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Preis: Fr. 42 000.–, Testauto: Fr. 48 870.–

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