Aufruf zum Mord

Der Imam der Winterthurer An-Nur-Moschee ruft in einer Predigt dazu auf, Muslime zu töten, die nicht zum gemeinsamen Gebet im Gotteshaus erscheinen. Ausserdem sollen sündige Muslime denunziert werden.

Erst kürzlich veröffentlichte die berüchtigte Winterthurer An-Nur-Moschee die bisher erste Pressemitteilung auf ihrer Web­site. Darin beschwerte sich der Vorstand des Moscheevereins über «haltlose Behauptungen» in den Medien, die das Gotteshaus in die Nähe extremistischer Akti­vitäten rückten. Dabei habe man sich doch immer bemüht, die ­Integration zu fördern. Das sei jedoch nicht immer einfach, wenn der Hass gegen die Moschee geschürt werde.

Seit längerem weiss man, dass in der An-Nur-Moschee sämt­liche Winterthurer Dschihad-­Reisenden verkehrten, die der ­Öffentlichkeit bisher bekannt ­waren. Hinzu kommt noch die mutmassliche Möchtegern-­Dschihadistin Franziska S., ­Tochter eines ehemaligen CVP-­Politikers, die das Gotteshaus nun ebenfalls ­regelmässig besucht. Die 30-jährige ehemalige Betriebssekretärin der SBB lebte mit ihrem Ehemann in Ägypten, als sie auf die Idee kam, den gemeinsamen Sohn via Griechenland und die Türkei nach Syrien zu entführen, um sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschliessen. In Griechenland wurde sie jedoch gestoppt und in die Schweiz abgeschoben, wo die Bundes­anwaltschaft ein Verfahren gegen sie eröffnete.

Besucher- und Spendenschwund

Kürzlich entliess die An-Nur-Moschee ihren bisherigen ägyptischen Prediger – angeblich aus finanziellen Gründen. Sein Nachfolger ist Afrikaner, Anfang zwanzig, angeblich aus ­Somalia. Im Gotteshaus nennt man ihn ehrfürchtig «Scheich Abdurrahman», und es wird erzählt, dass er den Koran auswendig kenne. Anders als es der Moscheeverein suggeriert, wirken seine arabischen Predigten aber kaum integrationsfördernd. So behauptete Scheich Abdurrahman vor einem grösseren Publikum, dass nur jene Gebete gültig seien, die in der Gemeinschaft der Muslime – in der Regel also in der Moschee – gesprochen würden. Wer nur zu Hause und alleine bete, begehe einen schweren Fehler. Solche Sünder sollten gewarnt werden, damit sie in den Schoss der Gemeinschaft («Dschamaa» auf Arabisch) zurückkommen. «Jene aber, die nicht in die Gemeinschaft zurückkehren und nicht dort beten, sollten ge­tötet werden.»

Das ist starker Tobak und klingt nach Aufruf zum Mord. Es entspringt der Geisteshaltung des IS oder der afghanischen Taliban. In Gebieten unter dem Joch dieser Terrororganisationen werden alle Männer unter Strafandrohung zum Gebet in der Moschee gezwungen. Doch Scheich Abdurrahman wollte es damit nicht ­bewenden lassen. Er zitierte Umar ibn al-Chattab, den zweiten Kalifen nach dem Tod des Propheten Mohammed. Dieser habe ausgeführt, wie die Menschen, die nicht in der Gemeinde beteten, im Diesseits und im Jenseits bestraft würden. Dann rief der Imam die Geistlichen und prominenten Muslime auf, all jene zu denunzieren, die nicht am Gemeinschaftsgebet teilnähmen oder andere Sünden begingen. Es ist nicht klar, ob diese Drohungen mit dem ­Besucher- und Spendenschwund der An-Nur-­Moschee in Zusammenhang stehen. Die grosse Mehrheit der Betenden hat mit solch radikalen Ideen nämlich nichts am Hut. Manche Muslime weichen deshalb in gemässigtere Moscheen der ­Region aus.

Eintritt ins Paradies

Es ist schon seltsam, dass sich die Indizien für staatsgefährdende und extremistische Aktivitäten wie die Dschihad-Rekrutierung im Umfeld der An-Nur-Moschee häufen, aber es weder der Stadt Winterthur noch dem Kanton Zürich eingefallen ist, das Gotteshaus endlich zu schliessen. Diese Aufgabe hat inzwischen der private Vermieter übernommen, der den Mietvertrag des Moscheevereins nicht mehr erneuerte, wie der Tages-Anzeiger berichtete. Damit könnten radikale Elemente zwar untertauchen oder ihre Wühlarbeit in anderen ­Moscheen fortsetzen. Zugleich aber wird den Extremisten die Möglichkeit genommen, das Gotteshaus künftig weiter als Rekrutierungszentrum zu missbrauchen.

So haben auch in letzter Zeit ­Seelenfänger der An-Nur-Moschee versucht, junge Menschen zu radikalisieren und sie auf den «rechten Weg» zu bringen. Damit wird eine Gehirnwäsche bezweckt. Den Opfern wird eingeredet, dass ihr Leben im Diesseits keine Bedeutung habe und sie sich nur noch auf den Eintritt ins Paradies vorbereiten sollten. Wer diese Botschaft einmal verinnerlicht hat, für den ist es nicht mehr weit bis zur Bereitschaft, in den Dschihad zu ziehen. Ein Staat, der die Menschen vor Drogen, ­Alkohol und ungeschütztem Sex warnt, sollte eigentlich auch solchen Missbräuchen einen Riegel schieben. Eine ­Moscheeschliessung wäre zudem ein Signal an andere Gotteshäuser, in ­ihren eigenen Reihen entschiedener gegen ­extremistische Rattenfänger vorzugehen.

Ein Fall, der bisher nicht bekannt war, ist jener des Serben Samir S. Er fand in der Schweiz eine Frau und zeugte mit ihr eine Tochter, bevor er sich für den angeblich heiligen Krieg entschied. So wurde Samir S. der mutmasslich erste IS-Dschihadist von Winterthur. Vor seiner ­Abreise nach Syrien war er 2013 zuletzt an der Adresse der An-Nur-Moschee gemeldet.


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Kommentare

Jürg Brechbühl

02.11.2016|18:19 Uhr

Augenscheinlich ist die Zürcher Polizei doch noch aufgewacht, wenn man heute Blick liest. Kann nur hoffen, dass diese Leute samt und sonders aus dem Land geschafft werden. Die Bundesverfassung erlaubt das in Fällen, wo das internationale Ansehen und die Sicherheit der Schweiz gefährdet sind. Da braucht es keinen langen Prozess. Auf solche Leute haben wir nicht gewartet.

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