Radikalisierung in Winterthur

Zwischen Wesam A. und der Winterthurer An-Nur-Moschee gibt es klare Verbindungen. Kontakte bestanden nicht nur zum Imam, sondern auch zum ehemaligen Präsidenten des Moscheevereins.

Als Wesam A. Ende 2004 mit seiner um ­sieben Jahre älteren kurdisch-türkischen Partnerin in die Schweiz gelangt, lässt sich das Asylantenpaar schon bald in Winter­thur nieder und lebt von der Sozialhilfe. 2006 kommt die gemeinsame Tochter zur Welt. Bald bricht die Partnerschaft auseinander. Eine Person, die das Paar damals gut kannte, erzählt, dass Wesam A. häufig in die Moschee gegangen sei und mit dem heutigen Imam der berüchtigten An-Nur-Moschee, dem Libyer Atia E., befreundet war.

Bestätigt wird das auch durch einen Artikel in der Sonntagszeitung. Demnach verkehrt Wesam A. zwischen 2006 und 2008 in der Arrahma-Moschee, der Vorgängerin der heutigen An-Nur-Moschee im Hegi-Quartier. Offenbar radikalisiert sich Wesam A. dort im Gebetsraum an der Bleichestrasse. Der Imam: Atia E. Dieser besucht Wesam A. auch zu Hause. Dabei sehen sich die Männer laut Sonntagszeitung Videos von Selbstmordanschlägen und Enthauptungen an. Bereits 2007 habe Wesam A. das ­Weltbild eines Dschihad-Sympathisanten, heisst es im Artikel. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Watson wird Imam E. später zugeben, dass er bis zirka 2011 Kontakt mit Wesam A. gehabt habe, doch sei das alles lange vor dessen Radikalisierung gewesen.

Als Wesam noch mit seiner Partnerin zusammenwohnt, hat Atia E. eine Dépendance im Quartier Tössfeld, keine zweihundert Meter von Wesam A.s Wohnung entfernt. Im Jahr 2010 ist er dann sogar für kurze Zeit an derselben Adresse gemeldet, an der Wesam A. nach dem Auszug aus der Bleibe seiner Ex-Partnerin unterkommt. Gleich um die Ecke befindet sich die Praxis von ­Wesam A.s nordafrikanischem Hausarzt. Der Mann ist bekannt dafür, dass er seinen muslimischen «Geschwistern» grosszügig Arztzeugnisse ausstellt. Zufälligerweise handelt es sich bei dieser Person auch um den Arzt von Imam Atia E. und dessen Familie. Und zufälligerweise betet der Arzt zum Teil auch heute noch in der An-Nur-Moschee. Dort munkelt man, dass er dem Gotteshaus gelegentlich Finanzspritzen verabreiche. Selbst als Wesam A. schon längst in Baden lebt, legt er häufig die 48 Kilometer nach Winterthur zurück, um seinen Hausarzt aufzusuchen.

Die Arrahma-Moschee, Vorgängerin der An-Nur-Moschee, wird 2008 geschlossen. Grund sind unbewilligte Aktivitäten wie ein Coiffeursalon oder ein Fitnessraum und eine Polizeirazzia, bei der die Kantonspolizei auf fünf Migranten stösst, die illegal in der Schweiz leben und sich im Gottes­haus versteckt halten. Bei ihnen wird auch gestohlener Schmuck gefunden. Die Verantwortlichen machen sich jetzt auf die ­Suche nach einem Ersatz für ihre Gebetsstätte und finden ein geeignetes Mietobjekt beim Bahnhof Hegi. Daraus wird die An-Nur-Moschee, die in letzter Zeit wegen dschihadistischer Aktivitäten arg ins Gerede gekommen ist. Wesam A. ist einer der Ersten, die das Projekt auch finanziell unterstützen: Am 19. Juli 2008 überweist er fünfzig Franken auf das Postkonto des Islamischen Vereins An-Nur. Es ist nicht ganz klar, ob es sich dabei um einen Mitgliederbeitrag oder um eine Spende handelt.

Ohne Bewilligung

Wesam A. ist auch mit dem Präsidenten des An-Nur-Moschee-Vereins bekannt. Der ­tunesischstämmige Atef Sahnoun tritt zwar 2015 von seinem Amt zurück, doch fällt er zuvor als aalglatter Verteidiger des ­Gotteshauses auf, unter anderem in der Fernsehsendung «Schawinski». Bevor sich Sahnoun selbständig macht und eine du­biose Firma gründet, die unter anderem ohne entsprechende Bewilligung – also ­illegal – Kreditgeschäfte vermittelt, ist der umtriebige Geschäftsmann bei der Winterthurer Generalagentur der Zurich-­Versicherung beschäftigt. Dort verkauft er Wesam A. Motorfahrzeugpolicen, wie aus Unternehmensakten hervorgeht. Ende 2012 legt Sahnoun dem Iraker nahe, dem Automobil-Club der Schweiz (ACS) beizutreten, weil er dann fünf Prozent Rabatt bei der Zurich-Versicherung erhalte.

Eine weitere Verbindung zwischen dem Umfeld der An-Nur-Moschee und der IS-Terrorzelle rund um Osamah M. und Wesam A. wurde durch den Tages-Anzeiger publik. Laut diesem hatte der inzwischen beim IS umgekommene ehemalige Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi, der in Winterthur ein muslimisches Kampfsportzentrum leitete, im März 2014 Kontakt mit dem Chef der IS-Zelle in Schaffhausen, Osamah M. Angeblich ging es dabei um einen Arabischkurs für Gashi.

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Kommentare

Rainer Selk

03.10.2016|21:13 Uhr

@Dancer. Wieso denn, 'Winterthur' hat es ja 'dicke', in jeder Ideologie- und Geldbeziehung. Gerade wurde der Stadtrat, dem das EW untersteht 'zurückgetreten', ein Grüner. Grund: Machenschaften des dortigen EW in mehreren Millionenhöhe, mit diversen Rechtsvergehen. Der Chef des EW wurde gefeuert! Rechtl. Schritte sind laut Reportage von Tele-Zürich gem. einem untersuchenden Anwalt zwar mehr als genug vorhanden, aber 'zu kompliziert' und verästelt. Es könnte ja sein, dass es am Schluss den ganzen Stadtrat 'lupft'. Bei einer solche Lage, ist eine Mosque vernachlässigbar. 'Buntes Treiben'!

Marc Dancer

02.10.2016|13:09 Uhr

Eine Gesellschaft die ihre Feinde einlädt und noch füttert ist am Ende am totalen Ende! 100%!!!

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