Sturzbetroffen

Bundesrätin Sommaruga: Wenn Politiker die eigene Hochmoral zelebrieren, riecht es nach Betrug.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga findet die Bilder der in Como gestrandeten Afrikaner laut Zeitungsberichten «schwer erträglich». Es dürfe «in Europa» keine «solchen Zustände» mehr geben. Wie ist diese Aussage zu verstehen? Wäre es der SP-Frau genehmer, die illegalen Migranten aus Eritrea, Somalia oder Nigeria schlügen ihre Zelte ausserhalb Europas auf, in der Türkei oder in Russland etwa, wo der Wohlstandsdurchschnitt bescheidener ist, so dass das Gefälle weniger gut sichtbar ­wäre? Vielleicht wollte Bundesrätin Somma­ruga auch zum Ausdruck bringen, es wäre ­besser, wenn die jungen Männer aus Afrika zu Hause blieben, wo zwar die «Zustände» trotz jahrzehntelanger Milliardenhilfe aus der Schweiz mindestens so kärglich sind wie in Como, aber wenigstens ausser Sichtweite der sensiblen Migrationsministerin. Oder möchte sie die Afrikaner, wie sie vieldeutig ­offenliess, am liebsten in die Schweiz umlenken, wo sie bestimmt nicht unter freiem Himmel campieren müssten?

Ich weiss nicht, wie es andern geht, aber für mich sind politische, auf den medialen Effekt getrimmte Bekundungen der eigenen Betroffenheit schwerer erträglich als der Anblick dieser armen Teufel aus dem Süden, die sich nur deshalb auf den Weg nach Como gemacht haben, weil es Politikerinnen gibt wie Simonetta Sommaruga, die durch ihre gesetzeswidrige Willkommenskultur die Elendswanderungen überhaupt erst in Gang bringen. Wenn Frau Sommaruga «solche Zustände» nicht mehr ­sehen will, dann soll sie aufhören, bei bester Sendezeit die Nachricht zu verbreiten, dass die Schweiz niemanden zurückschicken werde, der aus einer Diktatur oder aus einem «Willkürstaat» hierhergekommen sei, was auf eine offizielle Einladung unserer obersten Asylpolitikerin an rund zwei Drittel der Menschheit hinausläuft, die nach unseren Massstäben gegenwärtig in «Willkürstaaten» leben.

Politiker, die ihre angebliche Gutmenschlichkeit an die grosse Glocke hängen, sind immer suspekt. Sie benutzen das Elend, das sie angeblich bewegt, um moralisch steil herauszukommen, was an sich verwerflich ist, denn kein Mensch sollte sich einbilden, er stehe moralisch über den andern. Wenn Politiker, sturzbetroffen, vor den Kameras die Schicksale von Bootsmigranten betrauern oder in Flüchtlingslagern Kinder tätscheln, riecht es nach Betrug, weil anständige Leute angesichts von Tod und Elend mit ihren Empfindungen nicht hausieren gehen. Egoismus bleibt Egoismus, auch wenn er sich als sein Gegenteil ausgibt. Bundesrätin Sommaruga gibt die schmerz­empfindliche Moralistin, nicht weil es ihr um die Moral oder um die Flüchtlinge ginge, sondern weil sie sich panzern, weil sie sich unangreifbar machen möchte. Wer die Moral vorschiebt, will nicht argumentieren. Wäre es anders, reagierte sie entspannter auf Kritik.

Will Bundesrätin Sommaruga wirklich, dass uns Zustände wie in Como erspart bleiben, dann soll sie die Schweizer Landesgrenzen gegen die illegale Migration abriegeln und ihre bürgerlichen Kollegen unterstützen, die es – wie übrigens auch viele Sozialdemokraten – verrückt finden, dass die Schweiz zu einem ­Eldorado für Afrikaner geworden ist, die selbst als abgelehnte Asylbewerber «vorläufig aufgenommen» werden, und zwar oft für immer, um beispielsweise in einer Zürcher Unterländer Gemeinde pro Person auf Anhieb steuerfreie Sozialhilfe und Wohnungszulagen in der Höhe von rund 2000 Franken monatlich zu erhalten, wobei ihnen alle Arztrechnungen und SBB-Billette auf Kosten der Steuerzahler zusätzlich vergütet werden.

Angesichts der hohen Sozialhilfequote unter den hier einlaufenden Scheinasylanten ­fallen die Sozialausgaben nicht nur während eines Jahres an, sondern während Jahrzehnten. Die Asylverschuldung der Gemeinden ist eine fiskalische Neutronenbombe an den Wurzeln unseres Staates. Dass ausgerechnet eine Sozialdemokratin, der die Bewahrung der sozialen Errungenschaften am Herzen liegen sollte, durch ihre Asylpolitik die Sozialwerke zertrümmert, ist eine Ironie, die niemand freut.

Solange es Frau Sommaruga erstrebenswert findet, dass ein falscher Asylant aus Afrika mehr Geld von der Schweiz bekommt als ein Schweizer AHV-Rentner ohne Ergänzungsleistungen, der seine Beiträge während vierzig Jahren brav einbezahlt hat, muss sie sich nicht wundern, wenn immer noch mehr Afrikaner nach Como streben wie einst europäische Auswanderer an die Goldadern des Klondike an der nordamerikanischen Westküste.

Wohlverstanden: Ich prangere nicht die jungen Eritreer und Nigerianer an, die ökonomisch vernünftig handeln, wenn sie die Angebote zu beanspruchen versuchen, die ­ihnen Simonetta Sommaruga hinstellt. Ich kritisiere die Bundesrätin, die diesen Missbrauch zulässt, ja geradezu fördert, diese ­Zweckentfremdung des Sozialen, die unsere Gemeinden ausbluten lässt und von Schweizern, die selber untendurch müssen, mit ­guten Gründen als Affront empfunden wird.

Simonetta Sommaruga redet gerne von ­«Solidarität» mit den «Flüchtlingen», aber es ist eine schweizblinde Solidarität, von der sie redet, denn Sommarugas Solidarität mit den Migranten ist praktizierte Nichtsolidarität mit den bereits hier lebenden Menschen, die Sommarugas Asylpolitik im Alltag erdulden und mit ihren Steuern bezahlen müssen.

Como ist nur ein Spiegel. Wenn die Bundesrätin den Medien mit bebender Stimme sagt, sie finde den Anblick der in Parks hausenden Migranten «schwer erträglich», dann sagt sie, dass sie die Konsequenzen ihrer Asylpolitik nicht mehr verkraftet. Es wäre ehrlich und ­folgerichtig, das Feld einer anderen Person zu überlassen, die das Flüchtlingselend nicht zum Anlass nimmt, eine gefühlsmässige Betroffenheit vorzuführen, deren uneingestandene Ursache die eigene falsche Politik ist.

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Kommentare

Alexander Scherrer

24.08.2016|06:27 Uhr

Antwort auf Kommentar von Herrn Mohr und Köppels Stufenbissigkeit:BR Somaruga ist keine Juristin und eine solche hätte dieses Departement DRINGEND nötig, bei diesen komplexen Themen! Es genügt nicht Mitgefühl zu zeigen, Mütterlichkeit zu demonstrieren und Betroffenheit zu zeigen. Nein, man muss selber auch beurteilen können, was einem die roten Juristen im Departement vorlegen und raten. Und leider pflegt die SP die Politik- in Ihren Gremien nur Parteisoldaten zu dulden. Aber leider haben diese Parteisoldaten noch nicht gemerkt, dass der Krug, den sie zum Brunnen tragen bereits Risse hat!

Felix Lambrigger

22.08.2016|19:29 Uhr

Wollte dies eigentlich schon in der letzten Ausgabe zum Thema "amerikanischer Wahlkampf" schreiben. Linke (und US-Demokraten) posaunen immer von Moral, bzw. Hochmoral. Betreffend der USA sollte es zum Allgemeinwissen gehören, dass die Demokraten aus der Tammany-Hall hervorgingen. Hauptquartier einer höchst kriminellen politischen Gruppierung, die auch beste Verbindungen zu den berüchtigsten Street-Gangs des 19. und 20. Jahrhunderts in N.Y.C. hatten.

George Lips

22.08.2016|16:27 Uhr

@Hegetschweiler. Sie lügen ganz einfach.Jetzt -sind es 3-4x mehr und dreimal mehr erhalten den Asylstatus.

Georg Schneider

22.08.2016|13:22 Uhr

Ich rechne es Herr Köppel hoch an, dass hier Kommentare veröffentlicht werden, auch Kritische.In den Mainstream-Medien kann man bei Asylthemen meist nicht mehr kommentieren (Bsp. Asylantenmord in Aarau), Kommentarfunktion deaktiviert. Sollte sie mal aktiviert sein, werden kritische Kommentare von der Redaktion zensuriert. Diese Erfahrung machte ich seit längerem, v.a. bei der Aargauer Zeitung (Oberzensurierer wie in der DDR), Blick und 20Min. Meine Konsequenz: Aufgehört zu kommentieren, Lügen-Zeitungen nicht mehr konsumieren, Online-Angebote meiden oder nur mit Adblocker, keine Inserate.

Elsbeth Beck

22.08.2016|06:30 Uhr

Was für mich noch viel unerträglicher war, dass am Tag vorher am TV gezeigt wurde, wieviele Schweizer Kinder ihre Mutter oder ihren Vater pflegen, ohne!! Hilfe zu erhalten. So wurde die Geschichte eines 10jährigen Mädchens gezeigt, das den Haushalt schmiss, die Wäsche i.O. hielt, einkaufen ging, alles neben der Schule. Als es gefragt wurde, ob ihm das Spielen mit den Freunden nicht fehle, sagte es: Das Einkaufen und Mutter sind wichtiger! Unerträglich wurde hier bewiesen, dass dem eigenen Volk nicht beigestanden wird und wie egal wir Sommaruga sind. Für Afrikaner würde sie uns noch in jene Wüste schicken!

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