Ankerplatz für die Seele

Veränderungen im Zürcher Milieu; Besitzerwechsel beim Who is Who, Neues aus der Gastro-Szene.

Die Konkurrenz ist gross im Sexgewerbe, und so fällt wieder ein KMU dem harten Wettbewerb zum Opfer. Der «King’s Club», ein Stripplokal im Zürcher Bankenviertel, jahrzehntelang Ankerplatz für die geprüfte Männerseele, schliesst. Jürg König, der Besitzer, und seine Frau Marina König-Häfliger haben genug. Die Konkurrenz wurde zu gross, das Überleben in der umkämpften Branche schwierig. Siebzig Jahre lang war der nur einen Steinwurf vom Hotel «Baur au Lac» entfernte Erotikklub im Besitz der Familie König (Jürg Königs Vater hat ihn als junger Mann gegründet), jetzt hat die Tradition ein Ende. ­Marina König, eine tatkräftige Luzernerin, spricht Klartext. «Neben dem Internet, das mit Sex-Websites unserer Branche schwer zusetzt, gibt es neue Klubs, die mit harten Ban­dagen kämpfen. Sie spendieren etwa die Drinks gratis. Früher beschäftigten wir über dreissig Girls, heute sind es nur noch ein Dutzend.»

Ein Lokal, das dem «King’s Club» den Todesstoss versetzte, ist das «Aphrodisia». Unter Bankern eine bekannte Adresse: Stockerstras­se 62. Ab elf Uhr vormittags sitzen hier die Mädchen in Agent-Provocateur-Unterwäsche an der Bar, Drinks gibt es gratis. Spass garantiert. Im «King’s Club» gibt es Drinks ab 15 Franken, was für einen Nachtklub schon fast Schleuderpreise sind. Früher war es ein Teil des Einkommens von Stripperinnen, dass sie für Champagnerkonsum bei den Gästen sorgten. Laut Marina König läuft das Geschäft mit dem Schaumwein immer noch (aber eben nicht mehr genug): ­«Eine Flasche Prosecco kostet 100 Franken, Champagner gibt es ab 180, und die Magnumflasche Champagner kostet 1450 – die verkaufen wir gut.» Trotzdem: Das ganze Business wurde ihr zu viel. Die Familie König besitzt ein paar Immobilien an guter Lage, Marina und Jürg König werden sich in Zukunft um diese kümmern.

Der Werber Eugen Baumgartner hat vor acht Jahren das Who is Who, WW Zürich gegründet. Er wäre wohl gern ein zweiter Jürg Marquard geworden – Verleger, unabhängig, reich, begehrt von schönen Frauen. Das ist ihm nicht gelungen, aber immerhin hat er es geschafft, das WW jetzt zu verkaufen und, wie er sagt, einen ordentlichen Gewinn zu erzielen. Das WW war nicht unumstritten; man wunderte sich über die Auswahl der «200 einflussreichsten Persönlichkeiten» der Limmatstadt. Da rutschte etwa eine Ex-Vize-Miss in die VIP-Fibel, nur weil sie hübsch und fotogen war, und Theaterintendanten, Museumsdirektoren und Mega-Unternehmer wurden vergessen. Trotzdem, es machte Spass, das WW durchzublättern – man nahm es einfach nicht sehr ernst. Für sein letztes WW hat Eugen Baumgartner die Jury aufgewertet – auch Weltwoche-Vize-Chefredaktor Philipp Gut ist dabei sowie der stellvertretende Chefredaktor der Handelszeitung, Marcel Speiser, und Peter Röthlisberger, Chefredaktor Blick am Abend. Das neue WW wird am 5. November im «Tao’s» präsentiert. Dann übernimmt Fabian Schwarzenbach, der neue Besitzer. Er kommt aus Basel, ist Betreiber von Internetplattformen und Herausgeber von Publikationen. Das WW Basel geht bereits in Edition 4 und wird im Dezember im Hotel «Les Trois Rois» präsentiert.

Oft fühlen sich Söhne und Töchter aus gutem Haus zur Gastronomie hingezogen: der Bankierssohn Mike Gut, der Unternehmerssohn Nico Maeder, der aus einer Bankiersfamilie stammende Künstler Dieter Meier. Auch Luca Tribò, der Sohn von Zahnarzt Marco Tribò, der vielen Goldküstenkindern Zahnspangen verpasst hat, ist in der Gastronomie. ­Gian-Luca Tribò war Bistro-Manager im «Clouds», jetzt hat er (mit Partnern) in Zürich-Wipkingen «The Artisan» eröffnet. Gas­tro-Guru Otto Gisiger (er hört das Gras wachsen und hat mit Erfolgsprognosen eine hohe Trefferquote) meint, dass es «der absolute Hit» wird. Auch die Tochter von Tribòs Frau Susi ist im Gastgewerbe. Dominique Marcus ist gelernte Damenschneiderin; jetzt wirtschaftet sie im Restaurant «Höschgasse 33». Recht erfolgreich. Nur die Nachbarn (die alten Seefeld-Eingesessenen sind manchmal seltsam) machen ihr das ­Leben schwer. Weil sie letztes Jahr wegen Lärmbelästigung (die Tische stehen draussen) ­klagten, verzichtet sie dieses Jahr auf ihre traditionelle Geburtstagsparty.

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Alex Baur, Redaktor

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