Bella Italia

Einen Ferrari in Italien zu fahren, ist eine berührende Erfahrung: mit dem 488 Spider durch die Emilia-Romagna.

Die Schweiz ist ein Ferrari-Land. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden laut Statistik von Auto Schweiz 279 der italienischen Schönheiten hierzulande verkauft, darunter auch ein Dutzend Supersportwagen LaFerrari, Stückpreis etwa zwei Millionen Franken. Das meistverkaufte Modell war übrigens der 458 Italia, der dieser Tage vom 488 abgelöst wird (Weltwoche Nr. 23/2015). Und der nächste folgt sogleich: die offene Version des 488, um die es hier geht.

Die Käufer von Coupé und Spider seien völlig unterschiedliche Charaktere, sagen die Marketingverantwortlichen von Ferrari. Obwohl die Autos weitgehend identisch sind – mit Ausnahme des sich öffnenden Stahldaches selbstverständlich –, sitzt der Coupé-Fahrer meist allein im Auto und fährt damit gerne auf den Rundkurs, während der Cabrio-Lenker jemanden mitnimmt und mit seiner Begleitung lieber genussvolle Ausfahrten unternimmt.

Ferrari, Papst, Gott

Wir verhalten uns also so wie der durchschnittliche Ferrari-488-Spider-Fahrer und besuchen den Osten der Emilia-Romagna, «eine historische Landschaft Norditaliens» (Wikipedia). Nach rund zwei Stunden am Steuer dieses wunderbaren offenen Sportwagens ist nur schwer vorstellbar, dass es einen besser geeigneten Ort gibt, um dieses Auto durch die Gegend zu treiben. Wenn der offene Italiener vorbeirauscht, lassen die Bauern in den Sangiovese-Rebbergen kurz die Arbeit ruhen. Kinder rufen, Ältestenräte mit dem Espresso in der Hand unterbrechen die angeregte Unterhaltung und auf der Autobahn wird die linke Spur freigeräumt.

Nach Ferrari, so scheint es, kommen nur noch der Papst und der liebe Gott. Wir machen Halt in dem pittoresken Ort San Leo (città d’arte, Bistum Rimini), wo eindrucksvolle Sakralbauten aus dem neunten und zwölften Jahrhundert zu besichtigen sind. Es gibt Brot und Olivenöl, ­Käse, Salami und Trauben. Dann taucht Bürgermeister Dario Giorgini auf, geschmückt mit dem rot-weiss-grünen Band des Gemeindevorstehers, und drückt den Journalisten einen Bildband des Städtchens in die Hand. Die Szene hat etwas Skurriles, aber für die Italiener gleichzeitig wohl Selbstverständliches. Wenn Ferrari kommt, herrscht Ausnahmezustand. Man stelle sich die Szene in einer Schweizer Kleinstadt vor – sie wäre höchstens in einem Satirebeitrag für «Giacobbo/Müller» denkbar.

Der Ferrari 488 Spider sorgt aber nicht nur für Aufsehen, er lässt sich vor allem selbst auf schlechten Strassen präzis und schnell durch enge Kurven ziehen. Die harten Fakten: 670 PS leistet der 3,9-Liter-Doppelturbo-­Motor, bei 3000 Umdrehungen stehen 760 Newtonmeter an, und Tempo 100 ist nach 3,0 Sekunden erreicht. 14 Sekunden dauert es, bis das Dach offen ist, und es öffnet auch im Fahren (max. 45 km/h). Schliesslich: Das ­gefürchtete Turboloch haben die Ingenieure ­irgendwie weggezaubert, und sogar der Klang des 488 ist bella Italia.

Leistung: 670 PS / 492 kW
Hubraum: 3902 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 325 km/h
Preis: Fr. 277 600.–

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Alex Baur, Redaktor

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