Der M. muss gehen

Die SVP-Basis hat Christoph Mörgeli ­abgewählt. Sonst niemand.

Für fast alle Linken ist Christoph Mörgeli ein Kotzbrocken. Für den Aufbau der SVP war er trotzdem oder gerade deshalb wichtig.

Mörgeli ist akademisch keine grosse Nummer. Sein Fachgebiet ist zudem etwas abwegig und arg irrelevant. Aber ein bienenfleissiger Kompilator war der Professor trotz alledem. Wäre Mörgeli ein freisinniger Nationalrat gewesen, niemand würde ihn vom staatlichen Hof und dessen Pfründen verjagt haben.

Die SVP-Milliardäre Christoph Blocher, Walter Frey und Peter Spuhler hätten dem faktisch mit einem Berufsverbot Belegten aus ­ihren ­Portokassen ein eigenes, feines medizinhistorisches Institut finanzieren können und müssen. Um ihn so persönlich zu stabilisieren. Um ihn in den Augen der eigenen Anhängerschaft zu rehabilitieren.

Justiz ist – vorab auch in verwaltungsrechtlichen Fragen – tendenziell immer die Justiz der jeweils Herrschenden und des von ihnen kon­trollierten Staatsapparates. Trotzdem verstrickte sich der Robespierre der oppositionellen SVP in hundertundein rechtliches Verfahren. Und derweil setzten Blocher und Frey mit Roger Köppel auf einen neuen, präsentableren Kronprinzen.

Die eigene Basis verstand das Signal. Sie und niemand sonst hat Christoph Mörgeli am 18. Oktober 2015 als Nationalrat abgewählt. Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen. Die ebenfalls justizgeschädigte Zuger Grossrätin Jolanda Spiess-Hegglin twitterte: «Ausgekochtes Luder grüsst abgewählten ­Nationalrat». Salz in die Wunden des von den Eigenen geächteten Nörgeli.

Gleich wie Mörgeli ging es Hans Fehr. Die Partei liess ihn nach seiner Putzfrauengeschichte fallen. Obwohl wenige mehr für den Parteiaufbau gemacht haben als der einstige Lehrer.

Die Wählerinnen und Wähler haben der von Roger Köppel gemeinsam mit der NZZ herbeigeschriebenen bürgerlichen Mehrheit im Na­tionalrat zum Durchbruch verholfen. Wer im Nationalrat die Mehrheit hat, stellt in der Schweiz die Weichen. Wir sind gespannt.

Wie viel Sozialabbau werden Köppel und Co. jenen Modernisierungsverlierern zumuten, die in Verkennung ihrer Interessen für die SVP gestimmt haben? Wie lange werden die Sieger die ältesten ­atomaren Schrottreaktoren der Welt – obwohl sich deren Betrieb nicht mehr rechnet – weiterlaufen lassen?

Was macht die neue Mehrheit gegen den zu harten Franken? Folgt sie wenigstens Peter Spuhler, der einen Staatsfonds fordert? Werden unsere Fremdenfeinde Schengen/Dublin kündigen? Und was machen sie mit den Bilateralen?

Wer die Mehrheit hat, muss regieren und nicht kritisieren. Ausreden gelten nicht. Schuld sind nicht mehr die anderen.

Der Autor ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.

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Alex Baur, Redaktor

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