VW Golf im Keller

Mit 20 000 VW-Motoren könnte sich die Schweiz zwei neue Atomkraftwerke ersparen.

VW schluckt Porsche. Die halbstaatlichen Wolfsburger wollen Toyota als weltgrössten Autobauer überholen. Die Chancen stehen nicht schlecht.

Lichtblick ist der grösste Anbieter von Öko-Strom in Deutschland. Das Unternehmen beliefert 500 000 Kunden mit Gas und Strom.
Am Mittwoch dieser Woche unterschreiben beide Unternehmen einen Vertrag: VW wird im Werk Salzgitter exklusiv für Lichtblick 10 000 erdgasbetriebene Wärmekraftkopplungsanlagen im Jahr bauen. Dies auf der Basis der effizienten VW-Golf-Motoren.
Diese Maschinen werden ab 2010 in den Kellern von Mehrfamilienhäusern gleichzeitig Strom und Wärme mit einem Wirkungsgrad von 94 Prozent produzieren. Und mit 20 000 Euro nur einen Drittel der bisherigen Wärmekraftkopplungsanlagen kosten.
Bestehende Gasheizungen werden für lächerliche 5000 Euro von Lichtblick ersetzt. Für die Benutzung des Kellers bezahlt der Stromverteiler den Eigentümern der Häuser sogar Miete. Diese müssen Lichtblick nur die effektiv benötigte Wärme bezahlen.
Die Revolution kommt für einmal aus den Kellern und lässt sich ideal mit der Produktion von alternativen Energien kombinieren. Wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint, surrt der VW Golf im trauten Heim.
Die Schweiz kann – dank der Wasserkraft – heute Spitzenenergie für zwanzig Millionen Menschen liefern. Deshalb verdienen sich die Schweizer Stromkonzerne mit dem Stromhandel und seinen Derivaten eine goldene Nase. Dies, ohne mit ihren Kontrakten und Derivaten vergleichbare Risiken wie die Banken einzugehen.
Wenn die Schweiz bestehende Gas- und Ölheizungen durch VW-Motoren ersetzt, produziert das Land dezentral noch mehr Spitzenenergie, vorab im Winter. Mit dem bestehenden Netz könnten die Stromkonzerne noch besser Geschäfte machen und erst noch Wind- und Solarstrom problemlos einbinden. So können wir uns mit lächerlichen 20 000 VW-Motörli umweltfreundlich zwei grosse, neue Atomkraftwerke ersparen.
Die Gegner der Atomkraft haben es in der Hand. Sie können dank Volkswagen mittels einer Volksinitiative die Freunde der Atomkraft in die Defensive drängen. Der mögliche Inhalt: Erstens müssen neue Öl- und Gasheizungen gleichzeitig Strom produzieren. Zweitens sind alle bestehenden Öl- und Gasheizungen mit mehr als 50 kW Heizleistung innert zehn Jahren durch effiziente Wärmepumpen oder Wärmekraftkopplungsanlagen zu ersetzen. Drittens ist der so erzeugte Strom durch die lokalen Stromverteiler zum Preis von 150 Prozent der Treibstoffkosten abzunehmen.

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