«Das Buch birgt noch immer einen Mythos»

Verlegerin Anne Rüffer über ihren Bestseller von der Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Monika Hauser, ihre Leidenschaft für Biografien und möglichst blutige Krimis.

Welches ist der Kernbereich von Rüffer & Rub?

Wir machen Sachbücher zu Fragen, die eine Antwort verdienen.

Dirk Bolls Buch «Kunst ist käuflich» behandelt die Entwicklung des Kunstmarkts. Wie fanden Sie und der Autor zusammen?

Wir haben uns bei Freunden kennengelernt und stellten fest, dass unser Blick auf die Welt sehr deckungsgleich ist. Er ist einer der eloquentesten und interessantesten Gesprächspartner, die mir in letzter Zeit begegnet sind.

Nächstes Jahr haben Sie das Zehn-Jahr-Jubiläum. Haben Sie Grund zum Feiern?

Ruedi Bettschart von Diogenes hat nach fünf Jahren gesagt: «Die gibt es ja immer noch, und sie machen noch immer schöne Bücher.» Ich hoffe, dass er seine Aussage nach dem Zehnjährigen bekräftigt.

Hatten Sie einen Bestseller?

Inzwischen zwei. Den ersten mit unserem ersten Buch von Rolf Lyssy, «Swiss Paradise», und dann Monika Hausers «Nicht aufhören anzufangen – Eine Ärztin im Einsatz für kriegstraumatisierte Frauen». Monika Hauser wurde 2008 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Für mich sind eigentlich alle Bücher Bestseller, wenn sie in die richtigen Hände gelangen und etwas bewirken können. Natürlich freue ich mich aber auch, wenn unsere Bücher auf einer Verkaufshitliste erscheinen.

Und einen Ladenhüter?

Ein Wagnis, das leider nicht aufgegangen ist, war eine wunderbare Reihe mit dem Zürcher Kammerorchester, die jeweils das Werk eines Komponisten ins Zentrum gestellt hat, ein Hör-Gang in jedes Œuvre, phänomenal gut, aber der Markt hat es nicht akzeptiert. Was ebenfalls nicht geht bei uns, sind journalistische Texte, zum Beispiel Kolumnen. Andere können das besser, etwa Kein & Aber.

Wie ist Ihre Medienpräsenz?

Erstaunlich hoch. Über unser Buch über brandverletzte Kinder, das gerade erst einen deutschen Wissenschaftspreis gewonnen hat, hat die Sonntagsausgabe der FAZ beispielsweise eine Doppelseite gebracht, nur zu diesem Buch. Bloss schlägt sich das deshalb noch lange nicht in den Verkaufszahlen nieder.

Was ist die Manuskript-Oase?

Sie ist entstanden aus einer alten Lieblingsidee von mir. Wie vielen Kollegen flattern auch mir immer wieder Manuskripte ins Haus. Offenbar birgt das Medium Buch noch immer einen gewissen Mythos in sich. Die wenigsten wissen aber etwas von einer Zeitachse oder davon, wie man Atmosphäre schafft.

So etwas wie ein Lehrgang für kreatives Schreiben?

Nein, ich gebe keine Kurse, aber ich begleite die Schreibenden von der Idee bis zum fertigen Buch. Das kann bis zu eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen.

Dann verlegen Sie auch noch Biografien?

Ja, seit kurzem. Biografien sind meine ganz persönliche Leidenschaft. Ich finde, dass jedes Leben erzählenswert ist. Mein Wunschtraum wäre es, mit maximal fünf guten Leuten eine etwa sechshundert Einwohner zählende Gemeinde – am liebsten einen schönen Ort in den Bergen – zu finden und jedes Leben aufzuschreiben. Ich glaube, da stecken so viele Erlebnisse und Geschichten drin.

Wer ist Ihr persönlicher Lieblingsautor?

Grossartig finde ich Oliver Sacks. Mit ihm würde ich extrem gern ein Buch machen. Das wäre ein weiterer Traum. Ich hoffe auf eine schicksalhafte Fügung, die uns in einem geschlossenen Raum zusammenbringt. Joan Didion und sein «Jahr magischen Denkens». Das würde ich am liebsten abschreiben und meinen Namen daruntersetzen.

Lesen Sie auch Gedichte?

Nein. Ich lese privat nur Krimis. Am liebsten Hardcore, je blutiger, desto besser. Michael Connelly beispielsweise, und vom Norweger Jo Nesbø habe ich alles verschlungen.

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