Es begann an einem Waldfest

Die Call-Center-Angestellte Gabi Lehmann, 32, und der Disponent Simon Lappert, 37, heiraten im Juni.

Gabi: Vor zehn Jahren besuchte ich mit meiner Mutter und meinem Stiefvater ein öffentliches Waldfest. Ein Gast benahm sich ziemlich lustig. Meinem Stiefvater schüttete er aus Versehen den Whisky über das Jackett, und als meine Mutter sagte, sie friere, zog er ihr die Schuhe aus und wärmte ihre Füsse mit den Händen.
Simon: Ich wusste am nächsten Tag nicht mehr so genau, was ich alles gemacht oder gesagt hatte. Es ging mir nicht so gut. Ich musste die Trennung von meiner damaligen Frau verarbeiten. Ich lebte in einer Einzimmerwohnung mit einem Campingstuhl als Bett. Am nächsten Tag läutete mein Handy. Eine Gabi war am Apparat. Ich dachte, es sei jene Gabi, die mir seit Wochen nachstellte, und schnauzte sie schlechtgelaunt an.
Gabi: Ich dachte, der ist definitiv ein wenig eigenartig.
Simon: Als das Missverständnis geklärt war, erinnerte ich mich plötzlich ziemlich klar an den Engel vom Vorabend und bat um ein Treffen. Dass sie mir eine zweite Chance gab, fand ich erstaunlich und tolerant.
Gabi: Wir merkten schnell, dass wir wie eineiige Zwillinge funktionieren. Wir sind beide geduldig und ruhig. Ich kann mich hundertprozentig auf Simon verlassen. Das ist ein gutes Gefühl.
Simon: Umgekehrt ist es genauso. Am Anfang arbeitete ich als Lastwagenchauffeur. Ich war wochenlang im Ausland unterwegs, das ist gefährlich für eine Beziehung. Mit Gabi wollte ich es anders machen. Auch darum sattelte ich auf Disponent um. In den vergangenen sechs Jahren waren wir – bis auf eine Woche – noch keine Nacht getrennt.
Gabi: Gemeinsame Hobbys haben wir – bis auf die Hunde – eigentlich nicht. Irgendwie brauchen wir das auch nicht. Zum Glück haben wir einander.
Simon: Ich wollte eigentlich nicht mehr heiraten. Es war perfekt, so wie es war. Aber für Gabi gehört es dazu, wie sie mir einmal sagte. Dann sassen wir vor einem Jahr auf der Terrasse unseres Hauses, das wir gemeinsam gebaut hatten, tranken ein Glas Rotwein und beschlossen – einfach so – den Termin zu fixieren. In meiner Freizeit bin ich Stretchlimousinenfahrer. In dieser Funktion erlebte ich bereits Dutzende von tollen Hochzeiten. Das Schrägste war allerdings, als sich einige Gäste in die Haare gerieten und es zu einer Schlägerei kam. Der häufigste Fehler, den Paare – meiner Meinung nach – bei der Organisation des glücklichsten Tages machen: Sie verplanen alles bis auf die letzte Minute. Das führt zu Stress. Man hat keine Zeit mehr füreinander. Das wollten wir nicht.
Gabi: Wir wählten zwei Schlösser aus. Das eine dient zur Trauung und zum Apéro. Das andere zum abendlichen Essen und zum Fest. Dazwischen sind Simon und ich für uns, machen mit einem Fotografen Bilder und geniessen den Tag. Ich werde die Haare hochgesteckt tragen, und ein Diadem muss auch sein. Das Kleid ist trägerlos und hat eine lange Schleppe.
Simon: Wir wollten nicht in die Kirche, aber ein Ritual war uns wichtig. So wählten wir eine freischaffende Theologin für die Zeremonie aus. Sie hält keine Predigt wie ein Pfarrer, sondern geht auf unsere Wünsche ein. Wir möchten, dass unsere Liebesgeschichte Thema ist und wir am Schluss einfach «Ja» sagen können. Mein Sohn Sven er ist heute vierzehn – wird uns die Ringe auf einem Kissen überreichen. Dazu wird Musik der Gruppe Silbermond laufen. Ihre Texte bringen unsere Gefühle füreinander am besten zum Ausdruck: «Ich habe einen Schatz gefunden, und er trägt deinen Namen. So wunderschön und wertvoll, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.»

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