Mörgelis Mörgeli

Erst ein Jahr ist es her, da lancierte das Schweizer Fernsehen eine idée suisse mit Folgen: In der achten Sendung der Talkshow «Giacobbo/Müller» trat zum ersten Mal ein seitengescheiteltes Bubengesicht live vor die Kamera. Gähnen machte sich breit im Saal, und zu Hause griff man bereits zur nächsten Packung Salzstangen. Bis dieses Gesicht den Mund öffnete und zur Euro 08 im Tonfall von Köbi Kuhn sagte: «Die Schweizäh hat die Chanceäh, einmaläh auch gegen einen ganz grossen Gegner zu . . . ähverlieren.» Die Stimme näselte weiter als Franz Beckenbauer und sang dann zur Ukulele als Christoph-«Gäled Si»-Mörgeli. Der Saal tobte, die Fernsehzuschauer zu Hause weinten salzige Lachtränen, ein Star war geboren: Fabian Unteregger.

Inzwischen ist der Zürcher Stimmenimitator und Comedian Stammgast bei Radio Top und Radio 24, wo er erst kürzlich als Elmar Ledergerber heimtückisch in den Wahlkampf um das Zürcher Stadtpräsidium eingriff und in einer Live-Sendung Kathrin Martelli und Corine Mauch irritierte. Und er gehört, Giacobbo fördert Talente, auch zum Stammpersonal von «Giacobbo/Müller»; dort hat Unteregger Roger Federers entschleunigte Geistesblitze und verbale Netzbälle genauso im Repertoire wie Moritz Leuenbergers reptilienhafte Kopfhaltung und wechselwarme Parolen. Er kann alle Tics und die Stimmlage von Ottmar Hitzfeld, Mario Corti, Alex Frei und Christian Gross. Und er könnte, wenn er nur wollte, ohne Schminke und Perücke Angela Merkel parodieren oder wenigstens Unteregger ist ein schmaler Wurf ihr eindrückliches Décolleté, mit dem die Kanzlerin letztes Jahr in Oslo doppelt punktete. Am hinreissendsten aber ist der Imitator noch immer, wenn er den Politiker Mörgeli gibt: Hier ist die Kopie sogar besser als das Original.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Mann ein eigenes Soloprogramm besitzt. Nun ist es so weit, und die Schweizer Unterhaltungsbranche wartet mit Spannung, ob ein Unteregger auch abendfüllend funktioniert. Sein Opus eins heisst «Showbiss», wird vom erfahrenen Regisseur Oliver Hepp inszeniert und hat, wen wunderts, in Giacobbos Casinotheater in Winterthur Premiere. Unteregger ist ein Komiker, der Ernst macht.

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