Bern vertreibt die SVP

Die Gewaltattacke auf das Wahlfest der SVP war nicht allein das Werk von Chaoten. Sie ist das logische Produkt der aggressiven linksroten Politik der Stadt Bern.

Gemäss Dictionnaire heisst «abattre» auf Deutsch: «erschiessen, niederhauen, töten, abhacken, abholzen, abschiessen, abschlachten, erledigen, erlegen, fällen, niederschiessen, niederschlagen, niederstechen, schlachten, abschlachten». Das erste Plakat, das ich bei der Anti-SVP-Demo auf dem Berner Münsterplatz lese, lautet: «Kristoff est un mouton dangereux pour la Suisse! Ne faudrait-il pas l’abattre (doppelt unterstrichen)? Si, Si!» Die linksgrüne Kundgebung wurde offiziell zwar nicht bewilligt, aber von der linksgrünen Stadtregierung mehr als gebilligt. Die Organisatoren haben – unter ausdrücklicher Duldung der Behörden – für die illegale Veranstaltung bereits an den Vortagen mit der Errichtung einer grossen Bühne samt professioneller Lautsprecheranlage für die angesagten Bands begonnen und auch einen Verpflegungsstand aufgestellt.

Das Einheitsmenü ist Bier, ein guter Entscheid der Alternativen: Das Getränk wird so eifrig nachgefragt wie beim Münchner Oktoberfest. Die geübten Manifs sind mit eigenen Bierkisten angerückt. Einige torkeln. Es ist schön und herbstlich warm in Bern. Alkoholpegel und Fieber steigen auf dem kleinen Platz in der Altstadt. Die Aktion «Das schwarze Schaf» will den Umzug der Schweizerischen Volkspartei (SVP) auf den Bundesplatz verhindern: «Ihre Schweiz, unser GRAUS!» Die Gruppe «Antirep» verteilt auf Deutsch und Französisch ihren roten «Antirepressions-Ratgeber» mit vielen nützlichen Tipps für gewalttätige Demonstranten bei Polizeikontakten: «Verweigere immer deine Aussage» – «Unterschreibe nichts» – «Wehre dich gegen alle erkennungsdienstlichen Massnahmen» oder «Melde dich sofort bei 077 445 23 29». Über diese Nummer und am Infostand auf dem Platz werden «behördliche Übergriffe» gesammelt und angeprangert.

«Wir haben die Schnauze voll»

Seit Mittag treiben die vereinigten Hassrapper aus allen Landesteilen auf der Bühne die rund tausend Menschen an. Das Bier fliesst, macht Mut. Die Einpeitscher der offiziellen Organisatoren – es sind dies der Gewerkschaftsbund Bern, die Unia, die Jungsozialisten, die PdA, das Grüne Bündnis, die SP der Stadt Bern («nur ideell»), die Grüne Alternative und so fort – ergreifen zwischen den Auftritten der Bands das Mikrofon, hetzen – «wir haben die Schnauze voll, ja voll!» – gegen die «faschistische» SVP und flöten zwischendurch etwas von «gewaltfrei». Ein Drucker stellt vor Ort Plakate her, «welche die Innenstadt schmücken» sollen, um «optisch klarzumachen, dass die SVP in Bern nicht willkommen ist». In der Mitte des Platzes stehen in stiller Vorfreude die beiden Einfädler und Rädelsführer: Anwalt Daniele Jenni, Stadtrat, ganz schwarz gewandeter (inklusive Rucksack) Leithammel, und Luzius Theiler, der Scheinheilige, der diabolisch lächelnd seine grünen Wahlzettel verteilt: «Jetzt Widerstand leisten! Die Grün-Alternative Liste GRAL, libertär, Liste 11.» Spitzenkandidaten sind altbekannte Stadtpolitiker: Daniele Jenni und Luzius Theiler. Sie haben ihre Liste mit zwei der Grünen und zwei der Sozialdemokraten verbunden.

Ausbruch der linken Frontkämpfer

An prominenter Lage, leicht erhöht, lärmt ein bärtiger, halb verkleideter, fünfzig bis sechzig Jahre alter Demo-Veteran mit Megafon: «Mäh! Mäh! Määäh!» Er verteilt Hunderte von schwarzen Schafsmasken und schwarze Einheitstenues, die in grossen Kartonkisten hinter ihm lagern. Er gibt den Jungen Tipps, wie sie die SVP-Veranstaltung attackieren können. Eine Vorhut Vermummter kommt von der ersten Erkundungstour zurück. Die Vorbereitungen auf den grossen Angriff der schwarzen Schafe auf die weissen laufen vor den Augen aller gezielt und routiniert ab. Bevor der SVP-Zug den ersten Schritt getan hat, ist hier klar, dass die Partei nicht auf dem Bundesplatz ankommen kann: Kein Meter Bern für die SVP. Hier regieren die Linken, Grünen und Linksextremen. Abattre Blocher? Si, si!

Genau um 13.25 Uhr wird auf dem Münsterplatz die erste Petarde gezündet, kurz darauf eine zweite, dann die dritte, Rauch und Feuer. Innert Minuten rückt die Polizei vor, riegelt die Gassen ab, greift nicht ein. Die agilen Schafe sind längst entwischt, durch Nebeneingänge, Geschäfte und Restaurants. Die Polizei steht still, lässt einen ersten Hagel von Flaschen und Steinen über sich ergehen, der mitten aus dem «friedlichen Fest» kommt, lockert dann die sinnlose Blockade. Um die fünfhundert linke Frontkämpfer sind ausgebrochen.

In der gespenstisch ruhigen Gerechtigkeitsgasse, eine Häuserzeile weiter, steht Walter Eberle, Generalsekretär des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Er ist nicht Mitglied der SVP und marschiert nicht, wartet aber seit Minuten sichtlich nervös auf seinen Chef, Bundesrat Christoph Blocher, und ahnt Schlimmes: «Es wäre jammerschade, wenn dieses Fest auf dem Bundesplatz nicht stattfinden könnte.» Kurz darauf, zehn vor zwei Uhr: Tränengas-Einsatz der Polizei in der unteren Altstadt. Hunderte von Demonstranten hatten den Zug der SVP nach mehreren Metern stoppen können. In Rudel zu mehreren Dutzend stürmen die Vermummten durch die Gaswolken die Gasse hinauf und errichten drei grosse Sperren: Abfallsäcke, Tische, Stühle, Pflanzen, Velos, Container, Absperrgitter, Bänke werden zu Barrieren geschichtet und angezündet. Ein Anwohner kann in der letzten Sekunde seinen Töff vor der Verschrottung retten.

Polizei ist nicht präsent. Wohlwollend bis zunickend verfolgen viele Passanten aus den Lauben die Zerstörung des Mobiliars. Ein braungebrannter Bonvivant, um die fünfzig und aus der Westschweiz, strahlt, applaudiert und meint, im Kampf gegen den Faschismus sei eben jedes Mittel recht, nur die starke Linke garantiere eine freie Schweiz. Der überzeugte SP-Wähler zitiert wörtlich FDP-Bundesrat Pascal Couchepin: «Blocher ist ein Duce, der neue Hitler. Blocher muss weg, weg weg!» Abattre Blocher!

Eigentliche Mordwaffen

Auf die Frage, ob nicht ihr Terror undemokratisch und faschistisch sei, wo es doch freie Wahlen gebe im Land, bellen drei vermummte Ostschweizer, die sich von ihren Gewaltakten erholen: «Es gibt keinen linken Faschismus! Per definitionem! Stalin, das war etwas ganz anderes! Was verstehst du schon?» Kein Zweifel, die Gruppe ist politisch geschult. Der Vierte, ein Zwei-Meter-Mann aus der Ostschweiz: «Soll ich dir einen blasen? Was willst du, du verdammte Fascho-Sau!» Der Marsch der SVP ist blockiert, die Polizei kann die Sicherheit der Tausende nicht garantieren; sie wenden und kehren zum Ausgangspunkt neben dem Bärengraben zurück.

Ich radle Richtung Bundesplatz, wo die Berner SVP nach den letzten Festvorbereitungen nun mit dem Abbau der Infrastruktur beginnen will. Eine vierzigjährige Frau eilt mir schreiend durch die Amtshausgasse entgegen und ruft allen zu: «Gehen Sie ja nicht auf den Bundesplatz! Sie schlagen alles zusammen, alles, auch die Leute. Blut! Grausig. Es ist wie im Krieg! Und das in Bern!»

Auf dem Bundesplatz haben 100 bis 150 schwarze Schafe damit begonnen, alle Einrichtungen, Stände, Stühle, Lautsprecheranlagen kurz und klein zu schlagen. Kein einziger Polizist ist vor Ort. SVP-Nationalrat Hermann Weyeneth wird mit einer Sitzbank traktiert. Die international renommierte «Brass Band Berner Oberland» mit einem schottischen Dirigenten muss innert Sekunden von der Bühne flüchten, ohne Instrumente, sonst könnten sie ihre Haut nicht retten. Es werden Dutzende von 220 Gramm schweren und 22 Zentimeter langen Heringsschrauben geschleudert, eigentliche Mordwaffen. Abschrankungen und Steine fliegen aufs Podium. Trommeln und Kesselpauken gehen in Brüche, viele Instrumente sind beschädigt. Eine Kesselpauke koste gegen 100000 Franken, klagt ein Musiker: Die Rechnung schicke er der Stadt Bern.

In einer zweiten Welle greifen die Linken mit Metallrohren an, die sie aus den demolierten Zelten gebrochen haben. Sie treffen und verletzen Menschen. Einige, die bluten, werden unter Triumphgeheul und Klatschen der Linksgrünen zu einem Samariterwagen geführt. Die Polizei lässt sich noch immer nicht blicken.

Drei Frauen, die aus einer sechs Meter hohen Kanne Milch ausschenken, verbarrikadieren sich in ihrer engen Behausung; die Kanne wird ohne Rücksicht umgestossen. Die Frauen schreien verstört, als es endlich gelingt, sie zu befreien. Der Catering-Wagen der Firma Bell geht neben Gasflaschen für den Grill in meterhohen Flammen auf. Schwarze Triumphtänze. Die Gasflaschen explodieren nicht. Ein Bell-Mitarbeiter muss ins Spital transportiert werden. Zwei Maskierte hämmern auf die Scheibe eines Lastwagens der Firma Top Events ein, bis sie in Brüche geht. Ein älterer Mann schreit: «Wo ist die Polizei?» Wer nicht flieht, wird mit Fusstritten traktiert. Ich habe schon Dutzende von Demonstrationen mit Steinen, Gummischrot und Tränengas beobachtet. Zum ersten Mal habe ich Angst. SVP-Bundesrat Samuel Schmid, der mit seinen Parteifreunden hatte marschieren wollen, hat sich in sein Verteidigungsdepartement verkrochen.

Nach zwölf Minuten treffen einige Ordnungshüter ein. Die Schläger verschwinden innert Sekunden in alle Himmelsrichtungen. Auf die Frage, warum er so dreingeschlagen habe, wo doch freie Wahlen herrschten im Lande, schreit mich ein rund 25-jähriger St. Galler an: «Der Wahlzettel nützt nichts! Alles Faschisten! Alles Faschisten!» Schleudert noch eine Signaltafel, ohne zu treffen, und rennt auf und davon. Abattre Blocher!

Ich nehme eine schwere Metallschraube mit, als Beweisstück. Auf dem Münsterplatz, wo die Hassrapper auch nach dem Fanal auf dem Bundesplatz weiter einheizen, freuen sich Jenni und Theiler sichtlich. Auf die Frage, ob diese Aktion nicht undemokratisch und faschistisch gewesen sei, antwortet der ununterbrochen diabolisch lächelnde Theiler: «Linken Faschismus gibt es gar nicht!» Die Kundgebung sei «eine grosse Leistung von uns Organisatoren». Zwei Petarden auf dem Münsterplatz, die das Signal zum Angriff auf die SVP waren, das sei «im Rahmen gewesen», lässt Theiler sich zitieren. Der Rest gehe ihn nichts an, grinst er blöd. Auf der Bühne betätigt ein Rapper (es ist wohl der Berner Greis) sich als Kriegsberichterstatter: Der Zug der SVP sei endgültig zurückgeschlagen worden. Geheul und Johlen und Applaus wie nach einer gewonnenen Schlacht.

Eine Gruppe von jungen Frauen verschmiert, bevor sie abzotteln, eine Sandsteinwand mit einem Hakenkreuz und der gewalttätigen linken Parole gegen die SVP: «Halte deine Umwelt sauber!» Auf die Frage, wer von ihnen die Reinigung bezahle: «Fascho! Fascho!» Das Plakat «Abattre Blocher? Si, Si!» steht noch immer im Fenster der Finanzdirektion. Ich nehme es mit, als Andenken. Auf der Marktgasse kommt mir Noch-FDP-Generalsekretär Guido Schommer entgegen. Aha, Ausschreitungen habe es gegeben, sagt er: «Das Wahlfest der SVP war auch eine Provokation. Auf Wiedersehen.»

Säuselnder Sozialarbeiter

Um 19 Uhr nehmen in der Polizeikaserne der Berner Polizeidirektor Stephan Hügli (FDP) und der Polizeikommandant Jörg Gabi Stellung. Sie geben nach dem Desaster nicht ihren Rücktritt bekannt, sondern klopfen sich auf die Schultern. Der überforderte Hügli zeigt sich erleichtert, «dass beide Veranstaltungen einigermassen geordnet über die Bühne gegangen» seien; das Dispositiv der Polizei sei richtig gewesen. Polizeikommandant Gabi spricht so sanft und so verständnisvoll, dass mir die Wölfli-Leiterinnen aus den späten fünfziger Jahren im Nachhinein wie Drachen vorkommen. Wie ein säuselnder Sozialarbeiter, der von seinen Klienten getäuscht wurde, ihnen aber nicht böse sein kann, bekennt er, dass die Polizei die Gegen-Demo auf dem Münsterplatz bewusst habe «laufen lassen», auch als die massiveren Teile der Einrichtung angeschleppt wurden: «Wir wollten eine sehr grosse Geste machen. Wir sind positiv denkende Menschen.» Im politischen Klartext heisst dies, dass die überwiegende Mehrheit der linksgrünen Stadtbehörde die Anti-SVP-Veranstaltung, von der alle Gewalt ausging, nicht nur nolens volens geduldet, sondern aktiv unterstützt hat. Abattre Blocher!

Der Mann des Tages-Anzeigers will die Medienkonferenz hartnäckig in Richtung einer (Mit-)Schuld der SVP lenken. Journalisten wollen irgendwo auch Rechtsextreme gesehen haben. Die Frage nach Verantwortung und Schuld beantwortet FDP-Mann Hügli, eine Geisel der rot-grünen Mehrheit, gelassen. Es werde schwierig sein, die strafrechtlich Verantwortlichen zu eruieren. Im Übrigen bezahlten die Versicherungen ja alles: «Das gilt auch für die Personenschäden.»

Der Krawall kam nicht aus dem Nichts. Seit Wochen werden in der Stadt Bern die Wahlplakate aller Parteien rechts der Mitte systematisch entfernt, verschmiert, zerrissen, ohne jede Reaktion der linksgrünen Behörden. Die Schweizer Demokraten haben in dieser Sache eine Anzeige gegen Stadtrat Daniele Jenni (58) erstattet – aussichtslos; er agitiert mit der Rückendeckung des herrschenden politischen Milieus der Stadt. Unter dem Patronat von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) sang Rapper Stress auf dem Bundesplatz sein «Fuck Blocher!».

Die FDP legitimiert Gewalttäter

Am welschen Radio dreht am Sonntag FDP-Bundesrat Pascal Couchepin die allgemeine Empörung gegen die linken Chaoten in eine Kritik an der SVP. Es sei «nicht sinnvoll» gewesen, dass die Partei ihr Recht auf freie Meinungsäusserung habe wahrnehmen wollen. Der Magistrat, ein bekennender Gegner der direkten Demokratie, macht den gescholtenen Gewalttätern gegen die SVP wieder neuen Mut. Auf «Telebärn» rechtfertigt Chaotenführer Jenni die Gewalt als verständliche Reaktion auf den aggressiven Wahlkampf der SVP. Eine Optik, der sich am Abend in der «Tagesschau» auch FDP-Präsident Fulvio Pelli anschliesst: Die geplante Kundgebung der SVP sei «nicht sinnvoll» gewesen. Dank FDP sind die linksgrünen Gewalttäter voll legitimiert.

Also gestärkt geben Jenni und seine Jünger auf ihrer Internetseite www.das-schwarze-schaf.ch darum bereits bekannt, dass die SVP «auch in Zukunft mit massivem Widerstand rechnen» müsse.


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Kommentare

John Doe

08.06.2018|11:56 Uhr

Der SVP habe ich direkt die Zerstörung meiner Existenz zu verdanken. Sie vertritt ausschliesslich Casino-Kapitalisten. ABER: sie ist die einzige, die sich für die schon länger hier lebenden einsetzt. Der Rest, kämpft nur gegen uns. Dass das links-grüne Bern (ich bin Berner) natürlich lieber ihre weltfremden AntifaSA gestützten Wahnideen leben will, auf unsere Kosten ist klar.

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