Watt im Tank

Innert fünfzehn Jahren könnte das Energieproblem dank innovativer Technik plus neuer Politik gelöst sein.

Die deutsche Wirtschaftswoche steht weit rechts. In ihrer Rubrik «Technik und Wissen» berichtet Matthias Hohensee jeweils direkt aus dem Silicon Valley über die neuesten technischen Entwicklungen. Seine frohe Botschaft in der letzten Nummer: Drei ehemalige IBM- und Xerox-Ingenieure haben eine sensationelle Keramikbatterie für Autos entwickelt. In Kürze werde die Firma EEStor den Schleier lüften.

Die Investmentfirma Kleiner Perkins sei bereits mit drei Millionen Dollar in das Projekt eingestiegen. Und diese Investmentbanker hätten schon immer eine gute Nase gehabt, etwa, als sie frühzeitig bei Google einstiegen. Der Durchbruch des Elektroautos stehe deshalb vor der Haustür.

Die neue Batterie soll nur 130 Kilo wiegen und trotzdem 54 Kilowattstunden speichern können. Mit so viel Power kann ein Auto – wie der elektrisch betriebene Sportwagen Tesla belegt – ohne weiteres 500 Kilometer weit fahren. Nur könnte ein Tesla dank EEStor an jeder Autobahntankstelle innert fünf Minuten die Batterie nachladen.

Business Week online wusste bereits vor einem Monat zu berichten, die EEStor-Batterien würden – wenn sie in Serie gehen – nur 2600 Franken kosten. Nicht mehr als ein gutes GPS.

Sind die USA das Reich des Bösen oder des Guten? Beim Verbrennen von Öl jedenfalls bewegt sich die Grossmacht jenseits von Gut und Böse. Mehr als 60 Prozent des zu hohen amerikanischen Energieverbrauches beansprucht dabei der Verkehr. Und weil die laufende Klimaerwärmung keine Grenzen kennt, entscheidet sich das Tempo des helvetischen Gletschersterbens letztlich auf den Highways Amerikas.

Der ehemalige österreichische Bodybuilder Arnold Schwarzenegger ist heute Gouverneur von Kalifornien. Er tritt neu gegen die Multis des fossilen Kapitalismus an. Kalifornien zerrt Autoriesen wie Ford und General Motors demonstrativ vor Gericht. Ausgerechnet Schwarzenegger bricht damit ein Tabu: Bisher waren – aus welch unerfindlichen Gründen auch immer – die Linken für Umweltschutz und die Rechten gegen die rationelle Verwendung der natürlichen Ressourcen. Dabei kann der Kapitalismus den Treibstoff Geld sowohl mit der Zerstörung der Natur als auch über deren Erhalt akkumulieren. Alles hängt nur von den staatlichen Rahmenbedingungen ab.

Die Erfahrung lehrt: Revolutionen jeder Art brauchen ihre Zeit. Viele Erwartungen werden geweckt und dann enttäuscht. Aber langsam ist es an der Zeit, dass sich etwas bewegt.

Denken wir einmal positiv: Die Heuschrecken der Investmentfirma Kleiner Perkins irren sich nicht. Und Schwarzenegger meint es mit seinem Kampf gegen die Klimaerwärmung ernst. Dann wäre das Energieproblem dank innovativer Technik plus neuer Politik innert 15 Jahren gelöst.Denn ein neues Windkraftwerk mittlerer Grösse produziert pro Jahr 6 Millionen Kilowattstunden Strom. Mit dieser Energie könnten mit EEStor-Batterien 4000 Autos 15 000 Kilometer weit fahren. Und dies zu einem Spottpreis von 300 Franken pro Auto und Jahr. Ein Tipp für Heuschrecken: Die besten Elektroantriebe weltweit werden in Sennwald von der Firma Brusa produziert.


Der Autor ist Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz.

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