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Range Rover Velar P300 SE

Schön entspannt

Der Range Rover Velar ist das SUV für Stilbewusste, ein Design-Wurf und ein Wagen für souveränes Vorankommen.

Im Bereich SUVs/Offroader/Geländewagen setzen die britischen Spezialisten von Land Rover mit schöner Regelmässigkeit Wegmarken. Das beginnt beim schier unverwüstlichen Defender, der kürzlich zum letzten Mal vom Band lief, um demnächst wohl mit besserem Fussgängerschutz und modernerer Technik wiedergeboren zu werden. Es geht weiter mit dem Range Rover, dem unerreichten Urtypus des SUV, einer Mischung aus britischer Eleganz und der Derbheit von Gummistiefeln, die man auch mal über die Anzughose zieht, wenn es schmutzig werden sollte auf dem Land draussen. Mit dem auffälligen SUV-Coupé-Cabrio Evoque und zuletzt mit dem Velar haben die Land-Rover-Strategen weitere Autos geschaffen, die so solide wie unkonventionell sind.

Ihr letzter Wurf ist «das MacBook unter den SUV» (Die Welt), die «britische Avantgarde» (Blick) – eben der Velar. Der Name geht zurück auf die sechziger Jahre, als der erste Range Rover in Arbeit war, den Land Rover vor der Konkurrenz verstecken wollte und ihn deshalb mit dem lateinischen Verb velare (verstecken) bezeichnete. Das ist nicht ohne Ironie, weil der heutige Velar ziemlich das Gegenteil davon ausdrückt: Er ist vielmehr ein Auto, in dem man sofort gesehen wird, das durch seine Grösse und gleichzeitige Eleganz auffällt – eine Schönheit in der Masse des vorwiegend funktionalen modernen Autodesigns, mit fliessenden Flächen, feinen Linien und schönen Details wie versenkbaren Türgriffen oder den schmalen, vom Heck in die Seiten fliessenden Leuchten.

Im Innern des Velar stösst man auf ein neuartiges Bedienkonzept mit zwei hochauflösenden, übereinander angebrachten Bildschirmen, über welche man die meisten Fahrzeugfunktionen steuert. Die Funktionen können teilweise von einer Anzeige in die andere verschoben werden, stimmungsvolle Grafiken verschönern die Atmosphäre zusätzlich. Teilweise leidet die Bedienung noch etwas an Überkomplexität, aber das Konzept ist ohne Zweifel ausbaufähig, auch im neuen Audi A8 gibt es beispielsweise ein ähnliches System.

Der gut 2 Tonnen schwere, 4,6 Meter lange und 2 Meter breite Velar mit dem Kombi-grossen Kofferraum fährt sich auf Strassen wie ein typischer Land Rover: souverän und fast mühelos. Der neue Vierzylinder-Turbobenziner mit 300 PS kommt mit dem doch ziemlich massiven Wagen problemlos zurecht und schiebt ihn kräftig voran. Wie jeder Range Rover hat auch der Velar ausgeprägte Fähigkeiten im Gelände – die Gummistiefel sind sozusagen auf Knopfdruck bereit –, aber das entspannte Dahingleiten auf der komfortablen Luftfederung (1780 Franken) scheint mir dann doch typengerechter.

Denn am Ende ist der Velar das SUV für Stilbewusste, ein Auto für Leute, die morgens am Kleiderschrank Hose, Socken und Gürtel nicht gedankenlos rausnehmen, sondern bewusst aufeinander abstimmen – schliesslich ist Gedankenlosigkeit keine ausgesprochene Tugend.

 

Range Rover Velar P300 SE
Leistung: 300 PS /221 kW; Hubraum: 1997 ccm;
Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h; max.
Drehmoment: 400 Nm (bei 1500 U/Min);
Beschleunigung 0–100 km/h: 6,0 sec;
Verbrauch (NEFZ-Norm): 8,3 l / 100 km;
Preis: Fr. 66 400.–, Testwagen Fr. 100 340.–