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Brillanter Journalist und Motivator: René Zeller.
Bild: zVg

Intern: Zum Tod von Dr. René Zeller (1962–2018)

Wir haben die schmerzliche Pflicht, unsere ­Leserschaft über den Tod von Dr. René Zeller zu informieren. Zeller wirkte von Oktober 2016 an als Leiter Bundespolitik und Mitglied der Chefredaktion dieser Zeitung. Er gehörte zu den führenden Journalisten des Landes, war dar­über hinaus aber auch ein wunderbarer Kollege und liberaler Freigeist, der sich nirgends einbinden liess. René Zeller starb vergangenen Donnerstag im Kreis seiner Familie an den Folgen einer kurzen, aber schweren Krebserkrankung.

René Zeller wurde 1962 – als zweites von vier Kindern – als Sohn des Dr. Willy Zeller, Ökonom und nachmaliger NZZ-Wirtschaftschef, in Brüssel geboren und ist in Stäfa aufgewachsen. Sein älterer Bruder verstarb tragischerweise bereits als gut Dreissigjähriger ebenfalls an Krebs. Zeller war ein aufgeweckter Schüler und besuchte die Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon. Daneben war er begeisterter, mitreissender Pfadiführer und begabter Fussballspieler. Seine Mutter Maya stammte aus Basel, und ihr Sohn war zeitlebens hundertprozentiger FCB- (und ZSC-)Fan. Schon in der Pfadizeitung entfaltete er sein journalistisches Talent. Er studierte in Zürich Allgemeine Geschichte und promovierte über den militärischen Ordnungsdienst. Ihm gelang der Nachweis, dass der berühmt-berüchtigte «Scheurer-Erlass» zum inneren Einsatz der Armee von Divisionär Emil Sonderegger stammte. Diesem Appenzeller Generalstabs­chef, Haudegen und späteren Frontisten galt auch eine vielbeachtete Biografie.

Während der Studienzeit wurde René Mitglied der Zürcher Singstudenten; auch hier entfaltete er sein reiches musikalisches, rednerisches und schriftstellerisches Talent. Seine Gedichte hatten Kultstatus, und er war bei allen Anlässen rasch «Reisser» und Mittelpunkt der Geselligkeit und Ausgelassenheit. 1988 trat er in die Lokalredaktion der NZZ ein, wo er sich rasch einen Namen machte. Er galt als Spezialist für die Problematik der damals grassierenden Drogenszene und war ein überzeugter Verfechter der «Vier-Säulen-Strategie». 1994 wechselte er in die Inlandredaktion, später als Inlandchef zur NZZ am Sonntag, dann zum Schweizer Fernsehen.

Als Leiter der Bundeshausredaktion wurde er in einem ideologisch stark links gefärbten Biotop nicht glücklich, nicht zuletzt auch deshalb, weil ausschliesslich in der Zentrale im Leutschenbach entschieden wurde, was wichtig und was unwichtig war. Nach kurzem Zwischenspiel in der PR-Branche bei der Agentur Farner kehrte er wieder zur NZZ zurück. 2008 wurde René Zeller Nachrichtenchef, im Jahr darauf Leiter des Inlandressorts und Anfang 2010 stellvertretender Chefredaktor. Rund drei Monate lang leitete er Anfang 2015 die Chefredaktion mit zwei Kollegen. René Zeller war ein brillanter Journalist mit eleganter, bilderreicher Sprache. Dazu galt er in der NZZ als liberaler, bürgerlich denkender, aber unabhängiger Kopf, dem die parteipolitischen Vereinnahmungsversuche durch FDP-Politiker zunehmend missfielen.

Im Herbst 2016 wechselte er als Leiter der Bundespolitik und Mitglied der Chefredaktion zur Weltwoche. Bereits im Herbst desselben Jahres traf ihn die niederschmetternde Diagnose ­seiner schweren Krebserkrankung. Zwar gab es anfänglich Lichtblicke, und im Sommer 2017 schien das Allerschlimmste fürs Erste abgewendet, doch die heimtückische Krankheit kehrte alsbald zurück. Unglaublich tapfer, mit der für ihn typisch heiter-optimistischen Haltung stürzte er sich trotzdem, so gut es ging, in die Arbeit.

In Hedingen, Toffen und dann wieder in ­Hedingen pflegte René Zeller ein schönes Familienleben mit Ehefrau Corinne und den drei Kindern Roman, Céline und Rico. Viel Freizeit verbrachten die Zellers in ihrer Ferienwohnung in den Bündner Bergen. Zeller war ein begabter Koch und Motivator. Er sprühte vor Ideen. ­Seinen Militärdienst absolvierte er bei der Artillerie, wo er es bis zum Major brachte. Dazu war er ein enthusiastischer Hottinger Zünfter und Anführer der frühmorgendlichen, legendären Saubannerzüge am Sechseläuten. Kein Wunder, hatte er ­seine Frau Corinne an einem Sechse­läuten als Musikerin des Rüden-Spiels kennengelernt.

Redaktion und Verlag trauern um einen grossartigen Kollegen, der viel zu früh gegangen ist. Der Familie und den Hinterbliebenen sprechen wir unser tiefempfundenes Beileid aus. Wir wünschen ihnen alle Kraft, um über diesen schweren, so traurigen Verlust hinwegzukommen.

Roger Köppel