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VW Arteon R-Line 4Motion

Schönling fürs Volk

Wer findet, einem VW Passat fehle Coolness, der könnte im Arteon sein Glück finden. Und das erst noch auf familienfreundliche Art.

Ein Volkswagen muss immer auch ein Auto für alle sein, die Designphilosophie folgt deshalb einem Prinzip der Zurückhaltung. Dieses Prinzip haben sie bei VW zur Meisterschaft geführt: Ein Tiguan oder ein Touran sind Autos, die sofort als VW erkennbar sind, auch wenn sie eher der Kunst des Durchschnitts entsprechen als dem Wunsch nach formaler Ausdruckskraft.

Ein Modell aber ist die Ausnahme von dieser Regel: Der neue Arteon ist so etwas wie der Schönling fürs Volk im grossen Angebots­programm des Konzerns. «Wir wollen das Thema Sinnlichkeit neu definieren», hatte Klaus Bischoff, Leiter Design der Marke Volkswagen, den Kollegen von Auto Motor und Sport dazu erklärt. Das Geniale am Arteon – und am Volks­wagen-Design überhaupt – ist, dass die Sinnlichkeit nicht mit üppigen Formen gesucht wird, sondern mit präzisen Linien und kleinen Eingriffen – «eine puristische Gestaltung», wie es Bischoff ausdrückt.

«Der sieht gut aus», ist mein erster Gedanke, als ich den Testwagen in «Oryxwhite Perlmutt­effekt» bei der Abholung in einem Fahrzeug­unterstand entdecke. Der elegante Schwung des Dachs, die klaren Linien, die grossen 20-­Zoll-­Räder und das bei VW typische funktionelle, bedienerfreundliche Interieur sind eine anziehende Kombination aus Sachlichkeit und Sinnlichkeit.

Koreanischer Herausforderer

Mein Arteon ist mit dem kräftigen Vierzylinder-Turbobenziner ausgestattet und kommt in der sportlichen R-Line daher. Das macht 280 PS für ein zügiges, sportliches Vorankommen mit guter Bodenhaftung und Traktion dank All­radantrieb. Einer der direkten Konkurrenten des VW Arteon ist der Kia Stinger, der kürzlich hier vorgestellt wurde (Weltwoche Nr. 14/18), der ebenfalls mit einer eleganten, coupéhaften Silhouette und einer charakteristischen Mischung aus sportlichem Gran Turismo und Allrad-­Familienlimousine daherkommt. Nur ist der Preis des Kia deutlich volksnäher – und das erst noch bei deutlich mehr nomineller Kraft: knapp 60 000 Franken mit 370 PS, einer Garantie von sieben Jahren oder 150 000 Kilometern und allen Extras, die sich bei meinem Arteon-­Testwagen (Grundpreis: 61 900 Franken) auf über 75 000 Franken summieren. Die Garantie­leistung bei VW beträgt vier Jahre oder 100 000 Kilometer, inbegriffen sind alle Wartungsarbeiten und Verschleissteile.

Die Entscheidung für ein Fahrzeug geht aber natürlich nicht alleine über den Preis, man entscheidet sich auch zwischen einem bewährten deutschen Qualitätsprodukt und einem koreanischen Herausforderer, der in Dauertests allerdings auch gut abschneidet. Mein Vorteil als Tester ist natürlich, dass ich mich gar nicht entscheiden muss. Solange der Arteon in der Ga­rage stand, bin ich ihn sehr gern gefahren. Das Auto ist nicht nur hübsch, sondern auch bequem, dynamisch, wenn man es braucht, und dank der verschiedenen elektronischen Helferlein entspannend, wenn man lange fährt.

«Passat plus Coolness», nannten Kollegen vom Blick den Arteon. Das Gute am schönen VW ist die gelungene Mischung aus massentauglicher Eleganz und einer Portion Individualität, die am Ende aber unkompliziert und familientauglich erscheint.

 

VW Arteon R-Line 4Motion
Leistung: 280 PS / 206 kW;
Hubraum: 1984 ccm
Max. Drehmoment: 350 Nm.
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h;
Beschleunigung 0–100 km/h: 5,6 sec;
Verbrauch (EU-Norm): 7,3 l/100 km.
Preis: Fr. 61 900.–, Testauto: Fr. 75 467.–