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«Braves Mädel»: Melania Trump.
Bild: Chip Somodevilla (DPA, Keystone)

Melania

Jetzt mal etwas ganz anderes: interessantes Gespräch mit einer klugen Amerikanerin.

Letztes Wochenende trafen wir in Madrid bei einem Abendessen auf eine hochinteressante Gesellschaft. Es waren Menschen, die sich in gehobenen Kaufkraftklassen be­wegen. Die meisten reisten mit dem Privatjet an. ­Jeder Nichtmilliardär am Tisch bekämpfte, ohne sich etwas anmerken zu lassen, das drängend-nagende Gefühl persönlichen ­Ungenügens.

Das Thema des Abends war das Verhältnis von Donald Trump zu seiner Ehefrau Melania. Die Presse berichtet darüber im abfälligen, neiddurchtränkten Tonfall von Menschen, die sich weder den Lebensstil noch die Frauen Trumps jemals werden leisten können.

Das ist psychologisch verständlich, bewirkt allerdings oftmals eine Verzerrung der Tatsachen. So liefern die Medien das Bild einer heillos zerrütteten Ehe. Wer die Artikel liest, muss denken, dass Melania ihren seitenspringenden Präsidentengatten («Stormy Daniels») abgrundtief ablehnt, ihn meidet und baldestmöglich die Scheidung einreicht. Die beiden haben, geht es nach der Presse, eine repräsentative Nichtbeziehung.

Das sei ausgemachter Unsinn, versicherte uns eine Amerikanerin, die sowohl Trump wie Melania seit vielen Jahren kennt. Der Immobilienmilliardär, der zur eigenen Überraschung ins höchste Amt gewählt worden sei, spinne zwar ein bisschen, sei aber ein «netter Kerl», und auch sie, die Amerikanerin, habe ihn gewählt, weil aus ihrer Sicht – sie ist gebürtige Deutsche – der «Filz in Washington» unerträglich geworden sei.

Trump sei ein unkonventioneller Typ, ­Anti-Politiker, aber es habe eine «wandelnde Kettensäge» gebraucht, um das Polit-Dickicht in der Hauptstadt auszulichten. Nein, es ­werde kein «Impeachment» geben, war die bestens vernetzte Frau überzeugt. Trump werde wohl vor Ablauf seiner Amtszeit freiwillig an Vizepräsident Pence übergeben, sich selber rühmend als besten Präsidenten aller Zeiten.

Wie aber steht es nun um die Beziehung Trump-Melania? Ist es nicht offensichtlich, dass die First Lady an öffentlichen Anlässen nicht mehr lächelt, seit die Schlagzeilen über die Affäre ihres Mannes mit der Pornodarstellerin die Nachrichten beherrschen?

«Ach was», konterte die US-Deutsche, die Ostern in Trumps Nobelklub «Mar-a-Lago» in Palm Beach, Florida, verbracht hatte. Melania Trump sei «sehr freundlich und offen», ein «braves Mädel». Es sei völliger Quatsch, zu glauben, dass eine Frau wie sie ihren lebenstüchtigen, erfolgreichen Ehemann gleich fallenlasse, nur weil der mal mit einer anderen ins Bett gestiegen sei, und sei es eine Porno­darstellerin.

Die Frau stellte eine interessante, für uns Männer nicht immer leicht begreifliche ­Theorie der weiblichen Gefühlsgeometrie zur Diskussion: «Frauen schmeissen erfolgreiche Männer, die im Leben etwas geleistet haben, nicht einfach so weg», analysierte die in New York und Florida lebende Ex-­Münchnerin mit US-Pass. Warum nicht? «Weil die Frau ganz genau weiss: Er ist eben immer noch mein Mann. Er gehört mir

Kluge Frauen hätten Verständnis, fuhr sie fort. Sie wüssten, wie Männer funktionieren. «Wenn einer viel erreicht und gemacht hat und die Frau grundsätzlich anständig behandelt, dann bleibt man bei ihm», sagte sie. Männer könnten, wenn es um Frauen gehe, vor­übergehend den Verstand verlieren. Das wisse auch Melania: «Trump mag fremdgehen, aber verheiratet ist er mit mir. Er ist mein Mann.»

So erzählte und betonte es die Frau, die seit Jahrzehnten glücklich verheiratet ist. Mit einem Milliardär.

«Mein Mann.»

Warum schreiben wir an so prominenter Stelle im Blatt über diesen Vorgang? Ganz einfach deshalb, weil im Zeitalter von Political Correctness und #MeToo nicht mehr ehrlich über Frauen und Männer geredet wird. Zeitgeist-verseucht.

Und was lernen wir aus den Schilderungen der mit den Trumps befreundeten Amerikadeutschen?

Erstens: Geld, Ruhm und Leistung machen den Mann attraktiv. Reiche, erfolgreiche Männer können sich mehr leisten, in mehr­facher Hinsicht. Die Frauen lassen einem ­erfolgreichen, tüchtigen Mann auch mehr durchgehen. Die weniger erfolgreichen Männer, die an ihren Frauen hängen, müssen aufpassen. Die meisten wissen es und handeln entsprechend.

Zweitens: Romantik, Liebe und so weiter sind vielleicht für die Männer, eine leicht erregbare Spezies, sehr wichtig. Der Mann ist stärker triebgesteuert als die Frau. Es muss so sein, weil die Frauen schlussendlich die ­Kinder kriegen. Frauen sind vernünftiger, lebens­kluger. Sie haben die bessere, intelligentere, weil solidere Prioritätensetzung. Männer, die darunter leiden, verwenden den Begriff «strategisch». Er ist nicht als Kompliment gemeint, aber eigentlich ist es nur Selbstmitleid, getarnt als raffinierte Erkenntnis.

Männer, die sich über Frauen beschweren, von denen sie verlassen wurden, geben zu, dass sie mit sich selber hadern. Viele bleiben unfähig, sich ihr eigenes Versagen einzugestehen. Sie lenken die Enttäuschung darüber, dass die Frau gegangen ist, hasserfüllt auf die Frau ab, dabei sind sie selber schuld. Männer, die verlassen werden, haben sich einfach zuwenig Mühe gegeben. Deshalb gehen die Frauen. Es gibt kein grösseres Misstrauensvotum für den Mann als eine Frau, die nichts mehr mit ihm zu tun ­haben will. Das ist die bittere Wahrheit.

Umgekehrt gilt: Frauen lieben weniger den Mann als das Leben, das er ihnen garantiert. Natürlich geht es am Ende immer auch ums Geld. Das ist schwer zu ertragen, aber es ist so. Und gleich noch ein provokativer Gedanke, den wir aus dem Abendessen in Madrid ab­leiten: Für den Mann zählt die Frau, wie sie ist. Für die Frau zählt, was der Mann aus sich gemacht hat.

Drittens: Liebe ist immer auch eine Frage des Taschenrechners, des vernünftigen Kalküls. Es geht nicht nur um Gefühle. Zum Glück. Natürlich bleibt Melania bei Donald Trump. Trotz «Stormy Daniels». Was die Medien natürlich übersehen, weil sie politisch korrekt sein wollen. Journalisten sind anfällig für fabrizierte, gewollte Wirklichkeiten. Die Wirklichkeit ist interessanter.