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Ein Hauch von Drama

Mit dem mächtigen Wraith kommt ein Rolls-Royce mit Sinn für den theatralischen Moment auf die Strasse.

In Wien stellte Rolls-Royce kürzlich den ­Medien den Wraith vor, das mächtige Coupé auf Basis des Ghost. Wraith spricht man «Reyth» aus, das Wort aus dem Schottischen bezeichnet einen sichtbaren Geist, und er fügt sich neben dem erwähnten Ghost und dem Phantom nahtlos ins Programm der britischen Luxusmarke ein. Richard Carter, der distinguierte Kommunikationschef von Rolls-Royce, charakterisierte das neue Modell als «with a hint of the noir», mit einem Hauch von Drama.

Wer dann vor dem Wagen steht, ahnt, was der Mann meint. Es ist ein sehr grosses Auto, wie der Schild eines Ritters ragt der verchromte Kühlergrill vor einem auf, elegant verläuft die Dachlinie des Coupés, und ­theatralisch öffnen sich die beiden Portaltüren in der Länge eines ganzen Smart nach hinten und ­ermöglichen den Herrschaften einen standesgemässen Auftritt, wo immer sie gerade vorfahren mögen.

Mit einem fernen, heiseren Husten startet der Motor. Der Zwölfzylinder wird mit zwei Turboladern aufgerüstet und leistet der­gestalt 632 PS und – entscheidender – 800 Nm Drehmoment, das schon ab 1500 Umdrehungen zur Verfügung steht. Das ist die Leistungscharakteristik eines grossen Dieselmotors, und sie ­ermöglicht das typische Rolls-Royce-Gefühl: Nicht enden wollende Kraft soll «mühelos» abgerufen werden können. Auf keinen Fall darf dieses Auto angestrengt wirken.

Bitte nicht rasen

Der Fahrer wird nicht mit Informationen oder technischen Details belästigt, er soll bloss ­fahren. Das Achtganggetriebe schaltet ultradiskret und federweich. Es analysiert sogar GPS-Daten und das Verhalten des Fahrers, so dass der Wraith «weiss», was als Nächstes auf ihn zukommt (zum Beispiel ein paar schöne Kurven auf einer Bergstrecke in der Steiermark). Entsprechend schaltet die Automatik rechtzeitig hoch oder runter.

So weich wie das freizügig verarbeitete ­Leder, das in Verbindung mit grossflächigen Holzintarsien den Innenraum des Wagens auskleidet, fühlt sich der Rolls-Royce auf der Strasse an. Die Luftfederung bringt selbst gröbste Unreinheiten im Bodenbelag zum Verschwinden, ermöglicht einem aber gleichzeitig erstaunlich zügige Kurven. Man sollte es allerdings mit Verstand und Haltung angehen. Das ist kein Sportwagen, sondern der Wraith, grosses Theater auf vier Rädern. ­Damit rast man nicht, das Dramatische an dem Auto ist seine Erscheinung und ja nicht der Fahrstil seines Besitzers.

Rolls-Royce Wraith
Leistung: 632 PS, Hubraum: 6592 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Preis: ab Fr. 352 000.–