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Atomic Mr. Basie’s Kammermusik

Die Flut der Reeditionen, die auf dem serbelnden Markt den Eindruck verstärken, Jazz sei eine historische Musik geworden, ist auch ein grosser Segen. Nicht so sehr wegen ­singulärer Leuchttürme und Meilensteine. Die muss man allenfalls neuen Generationen immer wieder neu ans Herz legen, aber das gilt auch für Strawinsky oder Jimi Hendrix. Dankbar sind wir für Wiederausgaben, die nicht ­gerade die Welt bewegten, sondern einfach ein paar gute Stunden bescherten (und noch bescheren).

Die LP zum Beispiel, die Count Basie 1962, mit den Knallern seines «zweiten Testaments» («Atomic Mr. Basie» etc.) nach dem allgemeinen Schiffbruch der Swing-Big-Bands zurück an Land, mit einer kleinen Formation für Impulse einspielte. Sie hiess «Count Basie and the Kansas City 7» und war damit ein Rückgriff des sparsamsten aller Swing-Meister auf seine Frühzeiten, die Kleinformation zum Beispiel mit den Übergrössen Buck Clayton, Dicky Wells und Lester Young – neben der damals (1939) schon berühmten Big Band das handverlesene Kammerensemble, hauptsächlich zum unbeschränkten Vergnügen der Beteiligten.

War’s der Einfall des Produzenten Bob Thiele, wenn Basie nun mit Solisten aus seiner neuen Band eine Art Renaissance ­versuchte, zum Teil mit identischen Titeln (u. a. «Lady Be Good»)? Die fliegend swingende Rhythmusgruppe der Big Band war dabei, die Saxofonisten Frank Foster und Eric Dixon, Frank Wess an den Flöten und der Trompeter Thad Jones in königlicher Form. Stimmt, ein bisschen viel Flöterei vielleicht, und kompositorisch ist die Musik, wie oft bei Basie, von geringem Gewicht. Aber wie das swingt (ebenso infernalisch wie understated). ­Welche Eleganz in den einfachen Head-Arran­gements. Wie vergnüglich die ungewohnt ausführlichen pianistischen Ausflüge des Chefs. Wie einleuchtend und listig vertrackt die Soli von Frank Foster, Eric Dixon und namentlich von Thad Jones. Eine helle Freude.

(Als Bonus gibt’s hier eine Kuriosität: ein ganzes vergessenes Album von Basie mit Joe Williams – Basie an der Orgel, der blues shouter in der ungewohnten Rolle eines Standards-­Interpreten).

Count Basie: Kansas City 7 + ­Memories Ad Lib. Essential Jazz Classics EJC55590