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Ein Beitrag zur SRG

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft hebt ihre Preise sanft und selten an. Auch ihre Kosten hat sie ziemlich gut im Griff. Für eine Gebührenerhöhung reicht das allerdings noch nicht.

Der Protest ging los, wie der Protest zu erwarten war. Er war nur unterschiedlich laut. Die CVP war irgendwie dagegen. Die FDP war ziemlich dagegen. Die SVP war total dagegen.

Die SP war dafür. Aber das hat nichts zu sagen, denn die SP träumt noch immer von einer verstaatlichten Medienindustrie.

Die geplante Gebührenerhöhung der SRG kam nicht gut an. Nicht nur die Politik, auch die unverstaatlichte Medienindustrie reagierte ungnädig auf die anvisierte Erhöhung der Radio- und TV-Zwangsabgaben. Zitieren wir dazu eine unbestrittene Instanz. «Bald kann ich mir das Einschlafen nicht mehr leisten», kommentierte der Blick-Käfer.

Die SRG will also mehr Geld. Auf den ersten Blick ist tatsächlich nicht einzusehen, warum eines der teuersten Radios und Fernsehen dieser Welt noch teurer werden soll. Wir könnten also fröhlich in den politisch-medialen Tenor einstimmen und die Gebührenerhöhung zum Teufel schreiben.

Als unabhängige Medienbeobachter sind wir aber der Objektivität verpflichtet. Schnelle Vorurteile gehören hinterfragt. Darum wollen wir erst untersuchen, ob die Forderung der SRG wirklich so masslos ist.

Wir betrachten dazu das weitere Wettbewerbsumfeld der SRG. Wir schauen, wie sich die Preise in der Medienbranche generell entwickelt haben. Am besten misst sich dies an den Kosten für ein Jahresabonnement ausgewählter Schweizer Zeitungen und Zeitschriften in den vergangenen zehn Jahren. Daneben stellen wir die Gebührenentwicklung der SRG im selben Zeitraum.




Wie wir sehen, haben die Verlagshäuser in den vergangenen zehn Jahren kräftig zugelangt. Sie haben die Preise für ihre Produkte massiv erhöht, im Schnitt um rund zwanzig Prozent. Der Staatsfunk war im Vergleich sehr bescheiden. In einer nüchternen Betrachtung wäre damit eine SRG-Gebührenerhöhung problemlos und fair.

Nun ist die Sache aber etwas komplexer, weil ein Zeitungsabonnent sein Blatt aufkündigen kann, wenn ihm das Angebot zu teuer scheint. Ein Radio- und TV-Nutzer kann das nicht. Wir müssen also im nichtprivaten Bereich eine andere Frage stellen: Ist die SRG effizient genug, oder geht sie mit den öffentlichen Geldern verschwenderisch um?

Die Frage ist zu beantworten, wenn wir die Kostenstrukturen der SRG analysieren. Betrachten wir, wie sich ihr Betriebsaufwand seit dem Jahr 2000 entwickelt hat.

2000: 1,498 Mrd.
2001: 1,514 Mrd.
2002: 1,506 Mrd.
2003: 1,486 Mrd.
2004: 1,531 Mrd.
2005: 1,538 Mrd.


Die Kostenentwicklung, so sehen wir, hat die SRG nicht schlecht im Griff. Das wollen wir gerne anerkennen. Allerdings genügt das nicht. In der Medienindustrie müssen die Unternehmen andauernd kosteneffizienter werden, also mit weniger Mitteln mehr Leistung erbringen.

Der Grund liegt darin, dass sie von der Werbung abhängen, einem externen Faktor, den sie selber nicht beeinflussen können. Werbung subventioniert sozusagen das Leistungsangebot der Medienhäuser. Genauso wie in der Landwirtschaft sind diese Subventionen nicht langfristig gesichert. Das muss durch eine stete Verbesserung der Effizienz via Sparrunden aufgefangen werden.

Auch SRG-Chef Armin Walpen hat nun ein Sparpaket in Höhe von achtzig Millionen Franken angekündigt. Das sind fünf Prozent der Gesamtkosten. Toll ist das nicht gerade, aber für eine öffentlich-rechtliche Firma schon mal ganz respektabel.

Noch ist das Sparpaket eine Ankündigung. Erst Ende 2007 kann man in den Zahlen sehen, ob diese Ankündigung Realität geworden ist. Ende 2007 ist darum für die SRG die Stunde der Wahrheit, wo sie beweisen kann, dass sie betriebswirtschaftlich Fortschritte gemacht hat. Vorher sind alles nur leere Versprechen. Vorher kann die SRG darum gar keine Forderungen stellen.

Wenn es der SRG tatsächlich gelingt, auf Ende 2007 ihre Kosten zu senken und damit ihre Struktur zu verschlanken, dann hat sie 2008 eine Gebührenerhöhung verdient. Wenn nicht, dann nicht.

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