Mörgeli

Speckmade in der ­Extrawurst

In der letzten Weltwoche hat uns Botschafter Tim Guldimann aus Berlin eine diplomatisch durchfrisierte Version seiner Rede vor den Zürcher SP-Genossen aufgetischt. Wir halten uns hingegen an seinen Urtext, wie ihn die linke Zeitung P.S. überliefert: Ein «führender Politiker» habe Guldimann erklärt, «seine Toleranz für den Parasitenstatus der Schweiz in Europa stosse zunehmend an ihre Grenzen». Entsprechend sei das Bild falsch, dass die Schweiz «der Stachel im Fleisch Europas» sei: «Es müsste eher heissen, die ‹Made im Speck›.» Und bei der Personenfreizügigkeit gebe es keine «Extrawurst für die Schweiz».

Fazit I: Guldimann und seine Gesprächspartner beurteilen die Schweiz als eine Speckmade in der Extrawurst des Sonderfalls. Fazit II: Guldimann zeigt keinerlei Anzeichen, auf Gehalt, Titel und Prachtresidenz zu verzichten – alles Privilegien, die ihm die Bürger unseres parasitären Extrawurstgebildes bezahlen.

Ebenfalls Wohnrecht im Berliner Botschaftspalast geniesst Guldimanns Ange­traute Christiane Hoffmann. Sie arbeitet als stellvertretende Ressortleiterin «Hauptstadtbüro» beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Dort schreibt die Journalistin Hoff- beziehungsweise Guldimann einfühlsame Politikerporträts, etwa über Rainer Brüderle: «Ich erinnere mich an den Griff an meinen Ellbogen, den Arm um die Schulter. Es gab keinen Grund, sich dort länger aufzuhalten.» Niemand weiss, inwiefern solche Artikel unserem Parasitenstaat diplomatisch nützen. Die einzige nicht existente Konfliktforschung im Schweizer Aussendepartement ist die Interessenkonfliktforschung.

In Zürich rief Botschafter Tim Guldimann seine Genossen zu einem «neuen Konsens in der Schweiz» auf. Es brauche jetzt «eine Links-Mitte-Allianz». Unser Undiplomat in Berlin ist auch ein politischer Grossarchitekt. Als Träger des Moses-Mendelssohn-Preises «für Toleranz gegenüber Andersdenkenden» kann ihm die andersdenkende Mehrheit vom 9. Februar egal sein. Guldimann ist am Friedensvertrag mit Tschetschenien gescheitert. Guldimann ist in Teheran an der Regierung Bush gescheitert. Guldimann ist als Kandidat für den Botschafterposten in Israel gescheitert. Doch ­Guldimann gilt als unser bester Diplomat. Vielleicht versuchen wir’s einmal mit dem schlechtesten. Denn es steht geschrieben: «Die Letzten werden die Ersten sein.»

Der Autor ist Historiker und SVP-Nationalrat.

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