Geschichte

«Verrat ist eine Frage des ­Datums»

Der französische Meisterdiplomat Talleyrand, Souffleur für fünf ­Regime, war ein kaltblütiger ­Stratege und wandelbarer ­Visionär. Seine stärkste Waffe: der Charme.

Von Oliver vom Hove

Er war ein Genie der Macht. Nie erlangte er sie absolut, sondern stets nur von Amts wegen. Nicht nur das macht ihn zum Prototyp des modernen Politikers. Mit Zähigkeit und Nachgiebigkeit erzielte er Kompromisse. Er änderte seine Meinung, wechselte die Strate­gien, setzte auch Handlungen fort, an die er nicht glaubte. Und dennoch folgte er konstant ­seinem inneren Kompass, hielt an einem ­gezielt verfolgten Kurs fest.

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Kommentare

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  • Nannos Fischer
  • 10.07.12 | 19:21 Uhr

Napoleon war auf Talleyrand wegen seiner hohen Intelligenz und Schlauheit ebenso angewiesen wie auf Fouché, die er beide genau wegen der für ihn unerlässlichen Qualitäten verachtete, wobei er Talleyrands Loyalität zu Frankreich nie erkannte, da sie ihm völlig unbegreiflich sein musste. Dafür hasste er Talleyrands Stil und Erziehung, die ihm ewig unerreichbar bleiben mussten und die er auch nie zu erreichen versuchte. Sein Urteil über Talleyrand: un tas de merde dans un bas de soie. Was Napoleon störte, war der bas de soie.

  • Nannos Fischer
  • 10.07.12 | 19:09 Uhr

Talleyrand hatte EINE Loyalität, der alle seine Handlungen dienten und die er nie verrriet: Frankreich. Napoleons Loyalität, die er immer im Auge hatte: zu sich selber, seiner Macht und Glorie. Dass Tall. reich wurde, war damals normal. Ministerposten waren dazu da. Einer der letzten Könige, ich glaube, es war Louis XV., bemerkte, als sein Finanzminister auf der Suche nach seiner Schnupfabakdose seine Taschen leerte: «Das ist wirklich etwas Niedagewesenes, dass ein Finanzminister seine Taschen leert, statt sie sich zu füllen». Die Familie Bonaparte hat sich ja noch viel enormer bereichert.

 
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