Mediterraner Schlendrian

Die Romands sind die Griechen der Schweiz: Ob Arbeitslosigkeit, Verschuldung oder Zinsbelastung – in jeder Negativ-Statistik liegen die Welschen vorn. Während sie über Stress und Benachteiligung klagen, halten die Deutschschweizer den helvetischen Motor am Laufen.

Von Andreas Kunz

Während Europa auseinanderdriftet, gilt die Schweiz als leuchtendes Beispiel für Demo­kratie, Föderalismus und das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen. Tatsächlich hat die Alpenrepublik schon rein geografisch das Zeug zum Vorbild: Der Nord-Süd-Graben Europas verläuft mitten durchs Land. Verzweifeln die Deutschen zunehmend an ihren südländischen EU-Partnern, haben sich in der Schweiz die italienische, die französische und die deutsche Kultur schon vor über 150 Jahren zu einem Bundesstaat vereint. Oder um es in der Sprache der gegenwärtigen Euro-Debatte auszudrücken: Hier leben die fleissigen Nordländer längst mit den faulen Südländern zusammen.

Nirgends sonst in Europa lassen sich die kulturellen Unterschiede zwischen den Völkern so gut erforschen wie in der Schweiz. Der Röstigraben und der Polentaberg verlaufen kreuz und quer durchs Land: 73 Prozent der Einwohner sprechen Deutsch, 21 Prozent Französisch, rund 5 Prozent Italienisch. Kein anderes Land hat diesen multikulturellen Erfahrungs­- schatz – und vor allem: Das Land ist besessen von Zahlen, Tabellen, Statistiken und aufwendigen Studien, die bis ins letzte Detail die ­eigene Gesellschaft sezieren.

Solidarität wird hochgehalten

Doch vor einer eindeutigen Wertung scheuen sich die Schweizer – sei es aus Anstand, politischer Korrektheit oder aufgrund des alles umfassenden Gedankens der «idée suisse». Die Solidarität wird hochgehalten, man erfreut sich gerne an den Eigentümlichkeiten der benachbarten Kulturen. Bei genauerer Betrachtung zeigen jedoch sämtliche Kennzahlen deutlich: Die Romands sind eine Art Griechen der Schweiz. Ob Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Zinsbelastung oder Sozialquote – in ­allen Negativ-Ranglisten liegen die welschen Kantone vorn.

Am besten erforscht ist die Arbeitslosigkeit. Seit die Quoten erhoben werden, liegen sie in der lateinischen Schweiz durchgängig höher. Im Januar 2012 führen die Kantone Waadt und Genf mit je 5,5 Prozent die Rangliste an, noch vor dem Wallis und dem Tessin mit je 5,3 Prozent und vor Neuenburg mit 5 Prozent. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 2,8 Prozent (siehe Abbildung 1). Aufgrund der hohen Arbeitslosenzahl erlaubte der Bundesrat den Kantonen Neuenburg und Jura sogar, die ­maximale Anzahl Taggelder von 400 auf 520 Tage zu erhöhen.

In wirtschaftlich guten Jahren, wenn es schweizweit nur wenige Arbeitslose gibt, liegen die Quoten in der Romandie oft doppelt so hoch wie in der Deutschschweiz. Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, spannten 2009 die Universitäten Zürich und Lausanne zusammen. Ihre Untersuchung starteten sie mit der ebenso einfachen wie aufschlussreichen Frage: «Würden Sie auch arbeiten, wenn Sie das Geld nicht benötigten?» 78 Prozent der Deutschschweizer antworteten mit Ja. Bei den Romands waren es 50 Prozent.

Die Überraschung der Forscher hielt sich ­danach wohl in Grenzen, als sie herausfanden, dass die arbeitslosen Welschen im Durchschnitt 39 Wochen ohne Job sind, die Deutschschweizer hingegen nur 29 Wochen. Sie be­legten zudem, dass Deutschschweizer viel häufiger selbst, nach eigener Suche, einen ­neuen Job finden, während den Romands vom Arbeitsamt oder von einer Jobvermittlung ­geholfen werden muss. Andere akademische Studien belegen ausserdem, dass es im Welschland normaler ist, die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld auszureizen, und dass die Hemmschwelle, sich arbeitslos zu melden, ­geringer ist.

Aber sind dafür wirklich Sprache und Kultur verantwortlich? Die Teams der Universitäten Zürich und Lausanne wollten es genau wissen und untersuchten den Arbeitsmarkt direkt an der Sprachgrenze, dem Röstigraben, wo innerhalb von fünf Kilometern der Anteil Deutschsprachiger von 90 Prozent auf 5 Prozent fällt (und umgekehrt). Sie wiesen nach, dass die ­Arbeitsmarktchancen auf beiden Seiten der Grenze genau gleich waren – die Franzö­sisch­sprachigen aber trotzdem viel häufiger arbeitslos waren. Dafür waren weder Kantonsgrenzen, Konfessionen, Gesetze noch in­sti­tutionelle Unterschiede verantwortlich – sondern allein die Sprache und die dazugehörende Kultur. In der Untersuchung, erschienen auf Englisch («Does Culture Affect Unemployment? Evidence from the Röstigraben»), beschreiben die Forscher eine Deutschschweizer «workaholic culture», im Welschland hingegen sei eine «leisure culture», eine Freizeitkultur, auszumachen.

Gestresst im Büro

Die Abstimmungsergebnisse der letzten Jahrzehnte stützen den Befund: Ging es an den ­Urnen um eine Verkürzung der Arbeitszeit, stimmten die Welschen stets deutlicher zu als die Deutschschweizer. Sechs nationale Referenden über solche Limiten (mehr Ferien, ­tieferes Pensionsalter, weniger Arbeitszeit etc.) wurden seit 1985 abgehalten – und jedes Mal lag die Zustimmung in der Romandie zwischen 13 und 23 Prozent höher als in der Deutschschweiz.

Die Welschen wollen nicht nur weniger arbeiten – sie fühlen sich im Büro auch viel häufiger gestresst als die Deutschschweizer. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) belegte 2010 in einer grossangelegten «Stress-Studie», dass 50 Prozent aller Erwerbstätigen in der Romandie «häufig oder sehr häufig» ­gestresst sind (gesamtschweizerisch sind es 34 Prozent). Welsche Arbeiter gaben mit 31 Prozent auch deutlich häufiger als der Durchschnitt (21 Prozent) an, ihre Tätigkeit wegen Stresses «sehr häufig» unterbrechen zu ­müssen.

Doch damit nicht genug: Die offensichtlich leichter überforderten Romands greifen auch gern auf Substanzen zurück, um dem Jobdruck standhalten zu können. Erstaunliche 40 Prozent nehmen «regelmässig» Schlaf- oder Beruhigungsmittel ein, um sich von der Arbeit zu erholen, oder aufputschende Substanzen, um den Anforderungen gerecht zu werden. In der Deutschschweiz sind es lediglich 17 Prozent. Bei den Romands kennen 22 Prozent ­einen oder mehrere Bekannte im Arbeitsumfeld, der während der Arbeit Alkohol trinkt. Der Anteil der Bevölkerung, der sogar «chronisch risikoreich» Alkohol konsumiert, liegt in der Romandie bei 11 Prozent – in der Deutschschweiz sind es 6,9 Prozent. Unangefochten an der Spitze liegen hier die Tessiner mit stolzen 16,2 Prozent.

Dem Alkohol frönen in der lateinischen Schweiz sogar die Politiker – mitsamt den Folgen. Am Montag musste der Genfer Regierungsrat Mark Muller (FDP) seinen Rücktritt bekanntgeben, nachdem er sich in der Silvesternacht betrunken in eine Schlägerei hatte verwickeln lassen. Die Neuenburger Stadträtin Valérie Garbani (SP) gab ihren Posten 2009 auf; sie hatte mehrfach im Ausgang betrunken randaliert und als Polizeivorsteherin die angerückten Polizisten angegriffen. Und der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi (CVP) ist seit Jahren für seine Führerausweisentzüge wegen Blau-Fahrens berüchtigt.

In der EU bestimmen die Maastricht-Kriterien, welches Land in der Union bleiben darf (mindestens war es so vorgesehen). Da die Schweiz teilweise mit anderen Kennzahlen rechnet und das Seco beispielsweise das Brutto­inlandprodukt der Kantone erst dieses Jahr im Herbst zum ersten Mal veröffentlichen will, können die Maastricht-Vorgaben nicht auf die welschen Kantone angewandt werden. Ein Überblick der Kantonsfinanzen zeigt jedoch, dass die Romands überdurchschnittlich hoch verschuldet sind. Der Kanton Genf liegt unangefochten an der Spitze der Rangliste mit 13,5 Milliarden Franken Schulden. Der Betrag entspricht 162 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen von 8,3 Milliarden des Kantons. Auch die Kantone Neuenburg (1,5 Milliarden / 81 Prozent) und Waadt (6,1 Milliarden /  72 Prozent) sind überdurchschnittlich hoch verschuldet. In Genf, wo es erst diese Woche im Parlament sogar zu einer Rangelei gekommen ist, scheuen die Politiker auch nicht davor zurück, bei der Finanzrechnung griechische Tricks anzuwenden: Als die Regierung 2007 einen Bilanzfehlbetrag von 6 Milliarden Franken erwirtschaftete, stellte sie kurzerhand die Rechnungslegung um, und – schwups – es resultierte plötzlich ein Überschuss von 2,7 Milliarden Franken.

Leere Pensionskassen

Eines der grössten Probleme der Griechen ist, dass ein beträchtlicher Teil des Geldes, das sie von der EU erhalten, direkt für die Schuldzinsen draufgeht. Die Höhe der sogenannten Nettozinsbelastung ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich ein Staat im Niedergang befindet und sich nicht mehr selber retten kann. Der Quotient zeigt den Anteil der direkten Steuereinnahmen, der für die Zahlung der Schuldzinsen aufgewendet werden muss. Je höher die Belastung, desto grösser die Verschuldung und desto schlechter die Zukunftsaussichten. Das Institut des hautes études en administration publique (IDHEAP) in Lausanne berechnet alljährlich die Nettozinsbelastung der Kantone (siehe Abbildung 3). Der Schweizer Mittelwert liegt bei 2,2 Prozent. Einmal mehr schlagen die Romands weit obenaus. Neuenburg (6,14 %), Genf (5,5 %), Waadt (5,35 %) Wallis (4,54 %) und Jura (4,49 %) liegen in der Rangliste deutlich an der Spitze. In Neuenburg werden also 6,14 Prozent der gesamten Steuereinnahmen direkt für Zins­zahlungen aufgewendet. Bloss der Kanton Uri, durch ­seine Topografie wirtschaftlich und strukturell benachteiligt, kann die alleinige Dominanz der Romands mit 4,64 Prozent durchbrechen.

Verantwortung für die kommenden Generationen zu übernehmen, liegt den welschen Finanzdirektoren nicht besonders. In der Romandie sind die Pensionskassen der Kantone notorisch unterdeckt. Genf hat einen Deckungsgrad von 59,4 Prozent; in Neuenburg liegt er bei 60,9 Prozent. Nur unwesentlich rosiger sind die Aussichten für künftige Pensionäre in der Waadt (66,1 Prozent) und in Freiburg (81,1 Prozent). Zum Vergleich: Der Aargau hat einen Deckungsgrad von 99,8 Prozent, in Luzern liegt er bei 96,8 Prozent, in Zürich bei 87,4 Prozent.

Man kann noch so lange suchen und sich durch Zahlen, Statistiken und Tabellen wühlen – eine Studie, bei der die Romands besser abschneiden als die Deutschschweizer, existiert nicht. Manchmal muss man sich sogar fast ein bisschen wundern über unsere welschen Freunde. Als das Meinungsforschungsinstitut Ipso im Auftrag einer Versicherung ­eine repräsentative Umfrage durchführte, sagten 73 Prozent der Deutschschweizer, ein Versicherungsbetrug sei «nicht vertretbar». In der Westschweiz waren es lediglich 38 Prozent. Und 2010 befragte das Institut Demoscope im Auftrag von Reader’s Digest tausend Schweizer, was sie tun würden, wenn sie ein Portemonnaie mit tausend Franken Inhalt fänden. Die Umfrage wurde weltweit durchgeführt, und tatsächlich landete die Schweiz (zusammen mit Australien) auf dem ersten Platz der «Ehrlichkeitsskala»: 91 Prozent der Eidgenossen würden das Portemonnaie dem Besitzer zurückbringen. Bei genauerer Betrachtung der Untersuchung zeigte sich jedoch, dass die Deutschschweizer mit 93 Prozent ehrlichen Findern weltweit allein an der Spitze lägen. Bloss betrug der Wert in der Romandie nur 83 Prozent. Damit liegen die Welschen auf der weltweiten Ehrlichkeitsskala noch hinter den Philippinen (86 Prozent).

Tatsächlich gibt es kein Klischee, das durch eine repräsentative Umfrage nicht belegt werden könnte. Gemäss einer Studie des Marktforschungsunternehmens ACNielsen gaben Westschweizer 2005 pro Jahr und Haushalt 6258 Franken für Lebensmittel und Toilettenartikel aus. Die Deutschschweizer waren mit 5894 Franken rund 360 Franken sparsamer. Laut Bundesamt für Statistik (BfS) gönnen sich elf Prozent der Welschen sechs Wochen und mehr Ferien pro Jahr. In Zürich, der Ost- und Zentralschweiz sind es nur sieben Prozent. Und während in der Ost- und Zentralschweiz 49 Prozent der Arbeitnehmer sogar vier Wochen und weniger Ferien pro Jahr haben, sind es in der Romandie nur 32 Prozent.

In Genf bezieht jeder Achte Sozialhilfe

Eine andere Umfrage legt sogar den Verdacht nahe, dass die Welschen ihre Kinder zum Faulenzen geradezu erziehen. Vor vier Jahren stellte das Bundesamt für Sport nach einer Befragung von 1500 Buben und Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren fest, dass 80 Prozent der Deutschschweizer drei und mehr Stunden Sport pro Woche treiben. In der Romande waren es nur 54 Prozent, die sich regelmässig freiwillig bewegten.

Es könnte endlos so weitergehen mit Beispielen für den welschen Schlendrian. Laut BfS ist in der Westschweiz die «Wahrscheinlichkeit, IV-Rentner zu werden» grösser als in der Deutschschweiz. Ebenso ist der Anteil der «Empfänger von Sozialhilfe im weiteren Sinne an der ständigen Wohnbevölkerung» grös­ser. In der Waadt beziehen 6,7 Prozent der Einwohner staatliche Leistungen, in Neuenburg sind es 8 Prozent. Der gesamtschweizerische Durchschnitt liegt bei 5 Prozent. Einsam an der Spitze in der Rangliste der Sozialhilfeempfänger liegt Genf mit 13,8 Prozent. Jeder achte Einwohner des Kantons bezieht Fürsorge, Ergänzungsleistungen oder andere Beihilfen.

Allzu viel Kritik einstecken für ihre magere Wirtschaftsleistung mussten die Welschen nie. Im Gegensatz zur EU gibt es in der Schweiz keine Ratingagenturen, die den Zustand der Kantone mit einem A, AA oder Triple A bewerten. Vergleichbar mit den Wertungen der internationalen Agenturen ist jedoch die Bonitätsprüfung der Zürcher Kantonalbank. Seit 2004 unterzieht sie alle 26 Kantone einer eingehenden Durchleuchtung. Das ZKB-Modell beruht auf zehn Faktoren, unter anderem werden die Gesamtschulden, Zinsbelastung, Selbstfinanzierungsgrad oder Gesamteinnahmen verglichen. Alle Deutschschweizer Kantone – und sogar das Tessin – kommen dabei mindestens auf ein AA– (die meisten Kantone schaffen mühelos ein Triple A, siehe Abbildung 2). Sämtliche welschen Kantone erreichen jedoch bloss ein A+. Allein die Waadt hat es im letzten Jahr von einem A+ auf ein AA+ geschafft, da der Kanton zum ersten Mal seit 1991 ein Eigenkapital aufweisen konnte. Die Schweiz ist eine Willensnation – doch um das Land und die verschiedenen Kulturen zusammenzuhalten, braucht es vor allem Geld. ­Parallel zur Gründung des Bundesstaats 1848 startete die Umverteilungsmaschinerie. Anfangs verteilte der Bund den Kantonen lediglich die Zolleinnahmen. Bald aber flossen die Subventionen reichlich, und als 1959 erstmals ein Finanzausgleichssystem in der Verfassung verankert wurde, hatte sich der Ausgleich von den Starken zu den Schwachen als selbstverständlich ­etabliert.

Das alte System verlangte von den schwachen Kantonen noch keine Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Finanzen. Erst der Nationale Finanzausgleich (NFA) von 2004 hat die reine Umverteilung mit einem Anreizsystem gekoppelt. Der Kanton Genf kann mit seinen 13,5 Milliarden Franken Schulden heute nicht einfach beim Bund anklopfen und die hohle Hand machen – im Gegenteil: Wegen des einträglichen Finanzplatzes zahlt Genf 2012 sogar 246 Millionen Franken in den NFA-Topf ein. Auch der Kanton Waadt, in dem sich in den letzten Jahren viele internationale Firmen niedergelassen haben, zahlt 29 Millionen Franken. Die restlichen welschen Kantone hängen jedoch durchgehend am Tropf. Neuenburg, der Jura, das Wallis und der Kanton Freiburg erhalten 2012 insgesamt rund 1,3 Milliarden Franken aus dem NFA.

Während die Griechen 2008 pro Kopf (nach heutigem Kurs) rund 690 Franken aus der EU-Kasse erhielten, dürfen sich die Jurassier in diesem Jahr über je 2117 Franken aus dem NFA-Topf erfreuen. Die Freiburger erhalten 1775 Franken pro Kopf, die Walliser 1763 Franken. Abgesehen von den Bergkantonen Uri und Glarus, die 2485 Franken respektive 1946 Franken pro Einwohner erhalten, liegen auch hier die Westschweizer Kantone vorn.

Verbundenheit mit Frankreich

«Je travaille, donc je suis» – das calvinistische Lebensmotto zählt in der Romandie nicht wirklich. Während sich die Welschen mit ihrer Anspruchshaltung an den Staat stets ihrem grossen Nachbarn, dem etatistischen Frankreich, verbunden fühlten, halten die Deutschschweizer ihren Ruf als einigermassen harte Arbeiter hoch, die den helvetischen Motor am Laufen halten. Eigenverantwortung und ­Unabhängigkeit werden in der Romandie kleingeschrieben. Gemäss Umfragen wäre die Schweiz längst der EU beigetreten, ginge es nach den Welschen.

Im 15. Jahrhundert fochten die Eidgenossen manche Schlacht gegen die Burgunder, um ihr Reich in den französischsprachigen Westen auszudehnen. Die Bataillen von Grandson und Murten 1476 werden bis heute als grosse Siege der Eidgenossen gefeiert. Waren sie das wirklich? Seit ihrer Eroberung fühlen sich die ­Romands stets benachteiligt und von den Deutschschweizern dominiert. Für Miss­stände machen sie gern die Mehrheit ennet des Röstigrabens verantwortlich, statt sich über die Solidarität zu freuen und sich ein Beispiel zu nehmen.

Immer sind die andern schuld: Auch beim Jammern offenbaren die Romands erstaun­liche Ähnlichkeiten mit den Griechen.

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