«Die Klimafrage wird sich klären»

Der Manager und Chemie-Professor Fritz Vahrenholt, ein Urgestein der deutschen Umweltbewegung, schreibt in seinem neuen Buch, dass «die Klimakatastrophe» nicht stattfinde. Sonnenzyklen steuerten das Klima, sagt der Autor. Er prophezeit sogar eine Abkühlung.

Von Hanspeter Born

«Die Hohepriester der Klimaängste haben nicht alles erzählt!»: Fritz Vahrenholt, Chemie-Professor und Buchautor. Bild: Axel Martens

Sie bringen uns eine gute Nachricht, Herr Vahrenholt: Die Klimakatastrophe findet nicht statt! Erklären Sie uns doch bitte, wieso wir uns freuen dürfen.

Der Weltklimarat (IPCC) hat ja in seinen Berechnungen ermittelt, dass im Laufe ­dieses Jahrhunderts die globale Tempe­ratur 2 bis 4,5 Grad steigen ­werde. Das wäre in der Tat eine katastrophale Zuspitzung. Nun stellen wir fest, dass der Klimarat zwei ganz wichtige ­Dinge übersehen hat. Zum Ersten sind dies die bedeutende Klimawirkung von Sonnenaktivitätsschwankungen und die Tatsache, dass die Aktivität der Sonne von 1960 bis 2000 eine seit fast tausend Jahren einzigartige Grösse erreicht hat. Und zweitens hat er übersehen, dass es eine ozeanische 60-Jahre-Strömung gibt, die die globalen Durchschnittstempera­turen je nach Verlauf um einige Zehntelgrad erhöht oder senkt.

Wenn Sie nun aber die gesamte Erwärmung der letzten dreissig Jahre fälschlicherweise allein dem CO2 zuschreiben, dann kommen Sie in der Temperaturprognose auf falsche Zahlen. Wenn man jedoch alle klimatisch wirk­samen Faktoren in realistischer Weise berücksichtigt, also sowohl die menschengemachten als auch die natürlichen, dann ergibt sich bis 2100 lediglich eine Erwärmung von maximal 1 Grad Celsius, und das ist keine Katastrophe.

Schreiben Sie dieses eine Grad dem CO2 zu?

Ein klares Ja. Das CO2 hat eine erwär­mende Wirkung – keine Frage – aber in den Berechnungen des Weltklimarats wird es deswegen so unrealistisch dramatisch, weil das CO2 durch den Wasserdampf nochmals verstärkt wird. Durch Rückkoppelung, sagt der Klimarat, wird das CO2 in seiner Wirkung quasi verdreifacht. In der politischen Szene weiss kaum jemand, dass dies hochumstritten ist. Die Erde weiss sich natürlich auch zu schützen und hat es immer wieder getan: Mehr Wasserdampf in der Atmosphäre führt auch zu mehr Wolkenbildung, denn wenn das nicht so wäre, dann wäre uns schon in ­vielen Fällen in unserer Erdgeschichte das Klima weggelaufen. Eine Erwärmung bringt natürlich immer Wasserdampf, egal, ob aufgrund von CO2 oder der Sonne. Wenn wir nicht auch solche Dämpfungs­effekte hätten, wären wir schon klimatisch auf der unbewohnbaren Venus. Deshalb halte ich die vom Weltklimarat verwendete hohe Klimawirksamkeit des CO2 für übertrieben. Da kommen wir schon zum Kern des ­Ganzen, nämlich dass der Weltklimarat die wissenschaftlichen Unterlagen sehr ein­seitig sortiert.

Sie klagen jetzt den Weltklimarat an, aber die Theorie von einer zu erwartenden gefährlichen Erhöhung der Erdtemperatur von 2 bis 4,5° Grad kommt ja nicht bloss vom Weltklimarat. Sie wird gestützt von allen nationalen Wissenschaftsakademien der G-8-Staaten, von zahllosen wissenschaftlichen Gesellschaften, von allen führenden Universitäten, die sich auf Klimaforschung spezialisiert haben, nicht zuletzt auch von der ETH Zürich und der Universität Bern. Ist es nicht etwas vermessen von Ihnen, der Sie selber Chemiker sind und nicht Atmosphärenphysiker, sich in Gegensatz zu all ­diesen Autoritäten zu stellen?

In der Tat ist es nicht nur der Klimarat, sondern es sind auch zahlreiche wissenschaft­liche Institutionen. Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile etwa tausend Wissenschaftler, die sich zu einem non-governmental Rat (im Gegensatz zum intergovernmental ­IPCC) zusammengeschlossen haben und die für abweichende Meinungen Platz schaffen. Wissenschaft ist ja kein Mehrheitsgeschäft. Wissenschaftliche Erkenntnisse kann man nicht durch Abstimmungen erreichen, sondern am Ende nur durch überzeugende Argumente und den Abgleich der Modelle mit der Klimageschichte. Das beste Beispiel für die Diskrepanz der IPCC-Klimamodelle mit der Wirklichkeit ist für mich die Entwicklung der letzten dreizehn Jahre. Denn wir haben seit dreizehn Jahren keine Erwärmung der globalen Temperatur mehr, aber CO2 wird ­weiter ausgestossen. Darauf muss doch die herkömmliche Wissenschaft eine Antwort haben.

Nun ist eine Erklärung die, dass die Erwärmung ins Meer gegangen ist.

Können Sie uns erzählen, wie Sie überhaupt dazu kamen, sich mit dem Thema Klima ernsthaft zu befassen. Auch Sie haben ­sicher – wie wir alle – an die menschengemachte Klimaerwärmung geglaubt.

Ja, natürlich. Bis vor zwei, drei Jahren war ich einer der grossen Unterstützer der Klimahypothese, weil es ja so einleuchtend war, so beeindruckend.

Die Temperaturen sind ja auch lange scheinbar unaufhaltsam gestiegen.

Stimmt, von 1977 bis 2000 gab es eine sehr schöne Korrelation zwischen Erwärmung und Kohlendioxid-Anstieg. Alle haben gesagt: Es ist so. 95 Prozent der Erwärmung ist der Mensch, nur fünf Prozent die Natur. Was ich damals nicht wusste, ist, dass auch die Sonnenaktivität und ein wichtiger klimatischer Ozeanzyklus, die sogenannte Pazifische Dekaden-Oszillation, gleichzeitig angestiegen sind. Mich machte vielmehr stutzig, dass seit einigen Jahren im Winter der Wind ausblieb. RWE Innogy ist ja mit 1,2 Milliarden Euro einer der grössten Inves­toren in Windenergie in Europa. Meine Vorgesetzten begannen zu fragen: Wann kommt der erwartete Ertrag? Deshalb begann ich mich mit der Sache zu beschäftigen. Zunächst einmal dachte ich: Das ist sicher die Klimaveränderung, dass der Wind drei Jahre, vier Jahre wegbleibt.

Wusste man, bevor man in der Nordsee investierte, wie stark der Wind wehte?

Man hat ja Statistiken. Wir dachten, es sei ein relativ stochastisches System, stellten aber fest, es ist nicht stochastisch, also sozusagen nicht wahllos schwankend, sondern auch hier gibt es deutliche Zyklen. Wir ­stellten fest, dass der Wind in Nordeuropa ausblieb, aber in Südeuropa zugenommen hatte. Es gibt hier eine ganz klare Korrelation, was übrigens für unser Unternehmen sehr schön war, weil wir auch in Südeuropa investiert haben. Da war also zunächst mal der IPCC-Bericht, der sagte, die Winde bei uns sollten doch eigentlich zunehmen. Das brachte uns offensichtlich nicht weiter, und so musste ich mich selber auf die Socken machen und beschäftigte mich mit der Fachliteratur. Ich fand dann bei ­Lockwood und anderen einen Zusammenhang zwischen der nordatlantischen Oszillation, den ­Windereignissen und der Sonnenaktivität. Ich stellte fest: Es gibt eine nordatlantische Oszillation, die das Klima in Europa regiert, also der Druckunterschied zwischen Island und den Azoren. Wenn der klein ist, dann gibt es eine Blockade, so dass die für unsere Windkraft so wichtigen Westwinde blockiert und nach Süden abgedrängt werden. In Kontinentaleuropa können dann im Winter die Westwinde ausbleiben. Wir haben dann keinen guten Wind, aber Kälte aus dem ­Osten.

Die wir jetzt eben gehabt haben.

Ja, die wir jetzt drei Jahre gehabt haben und auch die nächsten drei Jahre weiter haben werden. Dies ist ein 60-Jahre-­Zyklus

Und der ist erwiesen?

Der ist weitgehend unumstritten. Dann habe ich mich gefragt: Haben denn die ­IPCC-Forscher dies in ihren Modellen berücksichtigt? Und da habe ich festgestellt: Die Modelle versagen. Da gibt es eine ­schöne Abbildung im IPCC-Bericht, wo versucht wird, die nordatlantische Oszillation in einer Modellrechnung nachzubilden – und das ist ein Strich. Es ist aber gar kein Strich. Es ist ein Zyklus wie eine ­Sinuskurve. Diese Sinuskurve ist etwa 2005 abgeknickt und geht jetzt runter. Wir werden zehn, fünfzehn Jahre lang eine ­negative nordatlantische Oszillation sehen. Bemerkenswert. Sie können sagen: Das ist Eu­ropa, das ist kein Weltklima. Aber es gibt nicht nur eine nordatlantische Oszillation, es gibt auch eine pazifische und eine weitere atlantische Oszillation, die PDO und die AMO. Interessanterweise schwingen auch diese beiden in einem 60-Jahre-Zyklus und befinden sich beide auf einem absteigenden Ast. Dies wird in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren auf jeden Fall einen negativen Einfluss auf die Temperatur ­haben. Das können Sie übrigens sehr schön auf Jahre rückwärts verfolgen. Immer wenn wir einen Temperaturanstieg hatten, ging auch der PDO-Ozeanzyklus nach oben. Die Erwärmungsphasen 1977 bis 2000, 1910 bis 1940 und 1860 bis 1880 ­hatten statistisch alle die gleiche Erwärmungsrate. Dies hat Phil Jones, einer der IPCC-Autoren, kürzlich bestätigt. Die kürzliche Erwärmung ist also keinesfalls «noch niemals dagewesen», wie der Kieler Klimaforscher Mojib Latif kürzlich in einem Artikel der Financial Times Deutschland behauptete. Diesen ­Anstieg haben wir alle 60 Jahre schon gehabt. Zusätzlich haben wir natürlich eine Erwärmungswirkung durch CO2 und den Anstieg der Sonnenaktivität in den letzten 150 Jahren. Diese Langzeittrends muss man natürlich abziehen, dann sieht man den 60-Jahre-Zyklus sehr schön. Ja, diesen Anstieg der letzten dreissig Jahre hat es schon mehrfach gegeben. Das ist doch interessant, das weiss aber keiner draussen. Und da musste ich ein Buch schreiben, damit das einmal bekannt wird.

Man hat Ihnen vorgeworfen, dass Sie – statt mit einem Buch vorzuprellen – nicht zuerst in einer dieser wissenschaftlichen Zeit­schriften einen Artikel untergebracht haben.

Dies ist nicht meine Aufgabe. Ich bin kein Klimawissenschaftler. Ich habe nichts anderes getan als der IPCC. Der IPCC ist ja ein wissenschaftspolitisches Gremium und hat nie die Aufgabe gehabt, selber zu forschen. Der IPCC soll aus der Literatur zusammensuchen. Er hat aus 18 000 Publikationen dann sein Bild gemacht. Interessanterweise ist in der Langfassung all das, was wir auch zitieren, enthalten. Da finden Sie den Svensmark, da finden Sie den Shaviv (Wissenschaftler, die den Einfluss der Sonne für entscheidend halten, Anm. d. Red.), da finden Sie die Solarverstärkung und den Einfluss der Ozeanzyklen. Sie finden das alles wieder, aber in der Zusammenfassung und in den Klimamodell-Szenarien ist es weg. Insofern habe ich nichts anders gemacht als der IPCC, habe dann natürlich in unserem Buch diejenigen zu Wort kommen lassen, die der IPCC in seiner Zusammenfassung nicht zu Wort kommen lässt. Man hätte schon mal die politischen Führer in Kopenhagen fragen können: Wie hättet ihr entschieden, wenn ihr gewusst hättet, dass die Sonne ihr solares Maximum im Jahr 2000 hatte und sich ihr Magnetfeld als Mass für die Sonnenaktivität in den letzten 100 Jahren glatt verdoppelt hat? Wie hättet ihr entschieden, wenn ihr gewusst hättet, dass es seit zwölf Jahren nicht mehr wärmer wird? Wie hättet ihr ent­schieden, wenn ihr gewusst hättet, dass es eine Multidekaden-Oszillation gibt, die man in den Vorhersagen korrekt berücksichtigen muss, die aber nicht berücksichtigt worden ist? Vielleicht wäre dann manche Debatte anders gelaufen. Ich füge nur das zusammen, was in der Literatur vorhanden ist, und interpretiere das anders als der Weltklimarat.

Wieso werden in der Klimawissenschaft die von Ihnen erwähnten zyklischen Ereignisse ausgeklammert, und wieso herrscht unter den führenden Klimawissenschaftlern – denjenigen, die sich seit zwanzig, dreissig Jahren mit dem Klimawandel beschäftigen – ein derartig starker Konsens?

Wer wird an eine Institution wie das Potsdamer Institut oder die Universität East Anglia oder die ETH berufen? Stellen Sie sich vor, da würde ein kritisch hinterfragender Nicola Scafetta berufen oder ein querdenkender Svensmark – unmöglich. Was wir dringend brauchen, ist alternative Forschung. Ich appelliere an die Wissenschaftsminister in Europa und in Deutschland, wenigstens ­einige Lehrstühle, einigen Forschungsraum zu schaffen für die, die anderer Auffassung sind und zu anderen Ergebnissen kommen. Im WGBU, dem Umweltbeirat der deutschen Bundesregierung, sind nur noch Leute, die der IPCC-These anhängen. Sie sagen: Der Mensch ist schuld, und deshalb müssen wir der Bundeskanzlerin raten, dass eine grosse Transformation der Gesellschaft erforderlich ist, eine Veränderung der Lebensstile, des Konsums, unserer Industriestruktur.

Haben diese Leute nicht recht, wenn sie ­sagen, für den Fall der Fälle sei Vorsorge zu treffen? Man schliesst im Leben ja auch ­Versicherungen ab.

Das ist natürlich nicht richtig, weil wir im Augenblick Fehlallokationen machen, die nur der Angst vor der Klimakatastrophe geschuldet sind. Sonst würden in Deutschland doch nie fünzig Prozent der Weltkapazität der Fotovoltaik stehen. In einem sonnenarmen Land mit einem Sonneneinstand wie Alaska. Das ist nur angsterzeugte Energiepolitik, genauso wie die Beimischung von zehn Prozent Bioethanol aus Weizen. Wir sind ja zum Weizenimportland geworden. Wir nehmen andern Ländern den Weizen weg, weil wir deren Weizen zu Sprit machen. Das ist dem gleichen Denken geschuldet: Wir müssen doch um Gottes willen etwas gegen das CO2 tun. In Wirklichkeit wissen wir sogar, dass dieses Bioethanol kaum ­eine CO2-mindernde Wirkung hat, wenn man die Gesamtkette anschaut.

Der Atomausstieg, der auf Fukushima folgte, ist nicht Klimapolitik, aber auch hier ist die Angst massgebend.

Da gehen die Nationen unterschiedlich mit um. Die Schweizer sind damit klug umgegangen, die Deutschen weniger – um nicht zu sagen auf Kosten der Nachbarländer, damit wir die Stabilität der deutschen Stromversorgung sicherstellen können. Die Konsequenzen sind natürlich schon massiv. Es geht nicht nur um Milliardentransfers, sondern es geht auch um einen neuen Begründungszusammenhang für Erneuerbare. Ich bin ja seit Jahrzehnten ein Mann der Erneuerbaren. Ich habe eine Windfirma gegründet, die eine der grössten der Welt wurde, ich habe die ersten Windparks hier bei Hamburg aufgestellt, ich war bei der Shell für den Solar-Bereich zuständig. Mich hat aber hinterher erschreckt, wie sich das verselbständigte. Dass man sagte: «Wir bauen die Erneuerbaren aus, koste es, was es wolle.» Das war natürlich angstgetrieben. Ich glaube, wir müssen in Europa für die Energiepolitik wieder entdecken, dass die Fossilen endlich sind und zumeist importiert werden müssen. Wir werden Öl auch in Zukunft noch gebrauchen, für andere Zwecke – es ist doch viel zu schade zum Verbrennen –, oder Gas. Keiner redet in Europa oder Deutschland über die Kernfusion. Es gibt viele Dinge, die wir im Augenblick ausblenden, weil wir glauben, ganz schnell agieren zu müssen. Die Fusion wird noch zwanzig, dreissig Jahre brauchen, aber sie ist eine ganz grosse Zukunftschance für die Menschheit.

Sie sagen, die fossilen Brennstoffe gehen aus. Nun hat man aber in den letzten fünf Jahren in den USA neue Abbaumethoden – Horizontalbohrungen, «Fracking» – gefunden, welche dazu führen werden, dass die Menschheit noch viel länger Öl und Gas haben wird, als man glaubte.

Natürlich. Noch vor fünf Jahren haben wir geglaubt, das Gas gehe uns als Erstes aus. Jetzt haben wir durch neue Techniken festgestellt, dass es wahrscheinlich noch für 100 bis 150 Jahre ausreichen wird. Wir haben in Deutschland eines der grössten Gasfelder Europas, aber das wird nicht genutzt, weil es eine starke Widerstandsbewegung gibt. Polen macht es, China wird es machen, die Amerikaner machen es. Gas spielt sich sehr stark als entscheidende Energiequelle in den Vordergrund, Öl hat nach wie vor eine sehr begrenzte Reichweite, Kohle hat es noch für Hunderte von Jahren – trotz allem: Die fossilen Brennstoffe sind endlich, und es wäre vernünftig, damit sorgfältig umzugehen. Wir müssen aber keine Torschlusspanik ­haben, weil die fossile Energie als Brückenenergie vorhanden ist. Das Einzige, was ­gegen die Fossilen spricht, sind die CO2-Emissionen. Wenn es denn so wäre, wie der IPCC prognostiziert, dann dürfte man natürlich die CO2-Emissionen nicht weiter ­ansteigen lassen.

Um noch einmal auf Ihr Buch zurückzukommen: Man hat Sie auch als Irrläufer beschimpft, und der Spiegel nennt Sie einen Ketzer. Da sind starke Emotionen im Spiel.

Al Gores Film hat da eine grosse Rolle gespielt.

Natürlich, und er erhielt den Nobelpreis dafür. Sie wissen, dass er in britischen Schulen nicht mehr unkommentiert gezeigt werden darf, weil es einfach zu viele Fehler hat. Aber diese Fehler setzen sich natürlich in den ­Köpfen der Kinder fest. Es steckt mittlerweile tief in den Menschen drin: Wir haben Schuld auf uns geladen. Wir tun etwas, was unseren Kindern die Lebensmöglichkeiten erschwert, und dies ist natürlich ein gewichtiges Argument. Es braucht nicht eine Pseudo­debatte, sondern eine rationale Debatte. Aber vor allem müssen wir denjenigen Forschern, die mit guten Argumenten abweichende Positionen vertreten, die Möglichkeit geben zu forschen. Der erste Teil des Cern-Experiments ist gelungen: Können kosmische Strahlen, in einer Blasenkammer nachgebildet, Aerosolkeime erzeugen? ­Jawohl. Jetzt kommt die nächste Frage: Können diese Aerosolkeime wachsen und entsprechend so gross werden, dass sie Wolken bilden? Wenn diese Kette geschlossen ist, dann haben Sie die Erklärung für eine Schwankung. Nun sagt der Direktor des Cern, dies dürfe aber nicht benutzt werden, um das CO2 in Frage zu stellen. Wenn man beweisen könnte, dass es diese Kette gibt, würden die Bemühungen, das CO2 zu bekämpfen nachlassen – und dies wollen viele nicht.

Sind Sie zuversichtlich, dass Ihre These ­dereinst die offizielle von der menschengemachten Klimaerwärmung ablösen wird?

Ja, klar. Aber ich will auch mit aller Demut sagen: Natürlich kann ich die Sonne nicht vorhersehen, niemand kann das. Die Sonne kann auch ganz anderen Sinnes werden und einen starken Zyklus erzeugen. Die Empirie spricht nicht dafür, aber vielleicht haben wir etwas übersehen. Wir werden aber, glaube ich, schon in den nächsten acht Jahren wissen, ob wir Fehler gemacht haben. Wir stehen vor einer ganz spannenden Entwicklung und vor spannenden Jahren. Die Klimafrage wird sich klären. Ich glaube schon, dass bei den Menschen das Gefühl wächst, dass die Hohepriester der Klimaängste nicht alles erzählt haben. Es war ja schon überraschend, als die TAZ [Tageszeitung aus Berlin, Anm. d. Red.], gerade die linke TAZ, titelte: «Darf man Klimaskeptikern zuhören?» Dann kamen in dem Artikel einige Nein, und dann gab’s trotzdem, wenn man in den Blogs liest, eine Entrüstung der TAZ-Leser, die eine Rede- und Denkfreiheit einforderten auch für diejenigen, die eine abweichende Meinung haben. In einem Artikel der Zeit hat man mich als Bannerträger der Ökoreaktion bezeichnet. Dazu gab es 500 Kommentare, ich habe nach dem fünfzigsten aufgehört zu lesen. Ich will mal sagen: Achtzig, neunzig Prozent meinten, so könne man mit Andersdenkenden nicht umgehen, der Artikel sei eine Schande.

Ja, viele Emotionen. Es ist ja der Politik gelungen, die Leute zu überzeugen, dass CO2 ­etwas Schreckliches sei. Warum jetzt auf einmal? Dann sagt man auch: Die chinesischen Aerosole haben’s gemacht. Da melde ich starke Zweifel an. Die chinesischen Aerosole waren bis 2005 gut genug abzukühlen, haben es aber nicht ­vermocht. Seit 2005 haben die chinesischen Kohlekraftwerke Entschwefelungsanlagen. Das passt alles nicht wirklich zusammen. Man versucht verzweifelt, an der Natur vorbei zu diskutieren. Es wäre doch logisch, sich einmal die natürlichen Einflüsse anzuschauen. Und das ist für mich etwas recht Überraschendes, dass man dies nicht unvoreingenommen tut. Ich bin ja zu dieser ­Diskussion erst seit zwei Jahren gekommen.

Das Buch

Fritz Vahrenholt, Sebastian Lüning: Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet. Hoffmann und Campe. 416 S., Fr. 44.90

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