Medien

«Breus Brei»

Ein enger Mitarbeiter des ETH-Präsidenten griff im ­Internet Journalisten an.

Von Alex Reichmuth

Letzten Dezember schoss Beat Gerber, laut ETH Zürich «Referent des Präsidenten für Öffentlichkeitsbelange», scharf gegen zwei Journalisten. Im «Klimablog» der ETH bezeichnete er den Wissenschafts­redaktor der Basler Zeitung (BaZ), Michael Breu, und den Autor dieser Zeilen als «­Totengräber der redlichen (Klima-)Wissenschaft». Beide hatten je in einem Beitrag die Kritik der kanadischen Journalistin Donna Laframboise am Weltklimarat thematisiert. Laframboise war in einem Buch zum Schluss gekommen, der Weltklimarat versammle keineswegs die besten Forscher, sondern sei von Aktivisten unterwandert, die grüne Propaganda ­betrieben.

Gerber schrieb im «Klimablog» nun, es tauchten immer häufiger Journalisten auf, «die sich vor den Karren dogmatischer oder parteigebundener Wissenschaftler, Buchautoren, Verlage oder Financiers spannen lassen». Ein für «derartige Kampagnen» geeignetes Thema sei der Klimawandel. Den Artikel des BaZ-Wissenschaftsredaktors bezeichnete Gerber als «Breus Brei von Verdächtigungen und Unterstellungen», weil dieser Lafram­boise «unkritisch» eine Plattform gegeben habe. Weiter etikettierte Gerber Breu als «schreibenden Vasallen im Dienste des hinter den Kulissen agierenden BaZ-Geldgebers, der bekanntlich Christoph Blocher heisst». So verlässlich «wie das Amen in der Kirche» habe auch die Weltwoche mit einem Artikel nachgedoppelt. «Alex Reichmuth, Breus Pendant bei der SVP-nahen Postille, versucht dabei, zwei ex­ponierte Schweizer Klimaforscher in die Pfanne zu hauen, das schafft vermeintlich Auflage.» Autoren wie Breu und Reichmuth «spedieren uns im Geist zurück ins Mittelalter», schloss Gerber.

Die Weltwoche wollte von der ETH wissen, ob Hochschulpräsident Ralph Eichler Gerbers Qualifikationen teilt. Die Antwort lautete: «Nein, der ETH-Präsident lehnt das Spielen auf die Person auch im Rahmen eines zugespitzten journalistischen Beitrags ab.» Darum habe Eichler den Beitrag aus dem «Klimablog» entfernen lassen. Tatsächlich verschwand Gerbers Text im Internet nach Eingang der Nachfrage der Weltwoche.

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