Verluste

Fr. 7000.– pro Kopf

Mit den Defiziten der ­Nationalbank liesse sich Sinnvolles ­finanzieren.

Von Pierre Heumann

Die Schweiz ist tief im Euro-Schlamassel. Weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) in den vergangenen zwei Jahren mit guten Schweizer Franken schlechte Euros gekauft hat, fährt die Notenbank Milliardendefizite ein. Mit jedem Rappen, den der Franken gegenüber dem Euro hinzugewinnt, steigt der Verlust um 1,2 Milliarden Franken.

SNB-Chef Philipp Hildebrand steckt all das mit einer Selbstverständlichkeit weg, als wäre es das Ergebnis eines Naturereignisses. Aber die milliardenschwere Last ist hausgemacht, weil die Nationalbank mit den Euro-Positionen ein Klumpenrisiko aufgebaut hat. Im vergangenen Jahr büsste das Institut durch die Wechselkursentwicklung 33 Milliarden Franken ein, und in den ersten Monaten dieses Jahres sind weitere 17 Milliarden Franken hinzu­gekommen. Das sind Grössenordnungen der Mega-Klasse. Die Verluste beliefen sich im vergangenen Jahr auf über 4250 Franken pro Kopf der Bevölkerung. Rechnet man noch die Fehlbeträge der ersten Jahreshälfte hinzu, nähert man sich einem Minus von 7000 Franken pro Einwohner.

Zum Vergleich: Die SNB-Verluste waren allein im vergangenen Jahr achtmal höher als der Verteidigungshaushalt der Schweiz, doppelt so hoch wie die Ausgaben für die soziale Wohlfahrt oder siebenmal höher als die Auslagen für Bildung und Forschung des Bundes. Mit den Verlusten der SNB liesse sich mehrere Male die Neat finanzieren oder rund 60 Prozent der Steuereinnahmen des Bundes bestreiten. Die 50 Milliarden Franken, die die SNB seit Januar 2010 verloren hat, sind fast doppelt so viel wie die AHV-Ausgaben, mehr als viermal so viel wie die Auslagen für die IV und mehr als doppelt so viel wie die Gesundheitskosten.

Der 50-Milliarden-Verlust kann mit dem Bau neuer AKW verglichen werden: Fünf neue Atommeiler wären für diese Summe zu bauen. Nicht einmal im Vergleich zum Riesenschaden, den der Tsunami in Japan angerichtet hat, wirkt der SNB-Verlust bescheiden. Die Bewältigung der Naturkatastrophe kostet Japan rund 175 Milliarden Franken; übertragen auf die Zentralbank wäre das in etwa ein Drittel der eingefahrenen Devisenverluste.

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