Mörgeli

Schrecklicher Richter

Die Genossen haben’s genossen. Regine Aeppli, Markus Notter, Corine Mauch und Adolf Muschg waren hingerissen vom deutschen Theaterrevolutionär Peter Stein. Und fanden es köstlich, wie Stein über die «fränklifixierte Stadt» höhnte. Nachdem er den Zürcher Festspielpreis von 50 000 Steuerfranken abkassiert hatte. Auch Steins Inszenierung des Kleist-Klassikers «Der zerbrochene Krug» gefiel. Vor allem die tragikomische Figur des Dorfrichters Adam. Zum Glück spielt das Stück vor zweihundert Jahren in den Niederlanden. Sonst hätte die SP-Schickeria noch über die graue Gegenwart und hiesige rote Richter nachdenken müssen.

Der Richter Adam unserer Tage ist Sozialdemokrat und heisst Dr. Ernst Roduner: Ankläger und Angeklagter, Verfolger und Verfolgter, gerissen und doch erbärmlich. Eines von vielen Beispielen aus dem Sündenregister dieses Untersuchungsrichters: Roduner wurde verurteilt, weil er sich selber ein Drohfax schickte, um elegant aus dem Justizskandal um Bankier Oskar Holenweger auszusteigen. Das war kein Notschrei eines überforderten Ermittlers. Das war die wohlüberlegte, bösartige Kriminalisierung eines Mitbürgers durch einen Justizbeamten.

Roduner denke in Gut und Böse, Schwarz und Weiss – schreibt das Magazin. Darum landete der entfesselte Sozi seinen grössten Coup: Er raste nach Stuttgart in der Hoffnung, die dort konfiszierten Notizen Holenwegers bewiesen ein Komplott des SVP-Justizministers zur Absetzung des Bundesanwalts. Die böse Rechte stünde am Schandpfahl, die gute Linke auf der Siegessäule. Roduner reichte die Dokumente unverzüglich an die Bundesanwaltschaft weiter. Und legte damit die Zündschnur zu jener Detonation, die Christoph Blocher aus dem Amt sprengte.

Bundesanwalt Beyeler und das Untersuchungsrichteramt wollten die Fax-Affäre vertuschen und Roduner aus «gesundheitlichen Gründen» pensionieren. Noch immer behauptet der schreckliche Richter, er sei öfter via Telefonbeantworter aufgefordert worden, die Ermittlungen gegen Holenweger aus Rücksicht auf seine Familie einzustellen. Die Telefonstory ist so unglaubwürdig wie die Faxstory. Es geht um Irreführung der Rechtspflege und falsche Anschuldigungen. Die zuständige Staatsanwältin findet das «unerheblich». Sie ist wie Roduner SP-Mitglied. Aber auch das ist selbstverständlich unerheblich.

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