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06.07.2010

Aktuell

Gericht schützt denkfaule Beamte

Der Bund vergab einen 42-Millionen-Auftrag ohne offenen Wettbewerb an Microsoft. Das Bundesverwaltungsgericht findet das in Ordnung. Auf eine Beschwerde von Open-Source-KMU sind die Richter gar nicht erst eingetreten. Das hat System.

Von Daniel Glaus

Alternativen nie ernsthaft geprüft: Logos von Open Source Programmen. Bild: grok_code (Flickr.com, Creative Commons)

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Vor über einem Jahr erteilte das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) Microsoft einen 42-Millionen-Franken-Auftrag. Lizenzen, Programme, Wartung und Unterstützung für die knapp 40000 Computerarbeitsplätze der Bundesverwaltung. Die Vergabe erfolgte «freihändig». Keine andere Firma hatte die Gelegenheit, ein Angebot zu machen.

Die Konkurrenz fühlte sich übergangen und reichte Beschwerde ein. Die Mehrheit von ihnen sind Schweizer KMU. Sie bieten Open-Source-Lösungen an, also Software, bei der die Quellcodes, die Baupläne der Programme, offen zugänglich sind. Microsoft, aber auch Apple oder SAP arbeiten mit geheimem Quellcode (Closed Source).

Recherchen der Weltwoche hatten gezeigt, dass eine Alternative nie ernsthaft geprüft wurde. Die Beamten wussten sehr wohl, dass sie rechtlich alles andere als auf festem Boden standen. Erst im Nachhinein suchten sie eine Legitimation (Weltwoche, Nr. 17/2010).

Am Dienstag hat das Bundesverwaltungsgericht trotzdem entschieden, nicht auf die Beschwerde der Open-Source-Anbieter einzutreten. Sie seien gar nicht legitimiert, gegen die Vergabe eine Einsprache zu erheben.

Mehrere Beispiele zeigen, dass die Verwaltung immer wieder grosse Aufträge vergibt, ohne Alternativen zu prüfen. Das grenzt an Denkfaulheit und Arbeitsverweigerung. Leidtragende sind meistens KMU, die vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Denn darum geht es letztlich: Faire Verfahren, in denen der Beste gewinnen möge. Ob das dann im Falle von IT-Aufträge Closed- oder Open-Source-Lösungen sind, spielt keine Rolle.

Mehr dazu in Weltwoche 27/2010.

Erschienen auf Weltwoche online, 06.07.2010


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Kommentare

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hans-rudolf schneider     12.07.10 09:30    

@Florian Richter:

Auch in der Bundesverwaltung werden Open Source Produkte eingesetzt, ca. 40% der Serversysteme laufen unter Unix-Derivaten. Ein Umstieg auf OS Client finde ich jedoch sinnlos. Folgende Fragen müssten aus meiner Sicht beantwortet werden:
Welchen Mehrwert hat man beim Umstieg auf OS Client ?
Welche Einsparungen - und da meine ich nicht nur die immer wieder in den Vordergrund geholten Lizenzkosten - sondern die Gesamtkosten müssten beziffert werden?
In diesem Deal geht es letztentlich um die Frage ob die OS Gemeinde geschädigt wurde oder nicht. Da sie gar nich in der Lage

Peter Schlegel     12.07.10 09:28    

Und wer schützt uns vor denkfaulen Journalisten?

Unser Verstand!

Und der sagt in diesem Fall klar: Da wurde nicht sauber recherchiert! Da haben Journalisten ihrem Kopf nicht benutzt!

Peter Schlegel     10.07.10 18:28    

@Hanspeter Bühler:

Man muss schon sehr naiv sein, um zu glauben, dass die genannten KMUs in der Lage gewesen wären diese Leitungen inkl. Support zu erbringen.

Die SBB hat den Auftrag völlig richtigerweise nicht an Stadler Rail vergeben. Patriotismus und Vetternwirtschaft, die du hier propagierst, haben hier nichts zu suchen! Einzig und alleine sachliche Kriterien sollen berücksichtigt werden!!!

Peter Schlegel     10.07.10 18:16    

Ich stelle fest, dass Alex Baur und einige Kommentatoren hier wenig Ahnung von Informatik haben und dass Alex Baur offenbar einmal mehr nicht seriös recherchiert hat.

Ein Wechsel auf die Produkte der "Konkurrenz" (gibt es in diesem Bereich nicht wirklich!) hätte für die Bundesverwaltung Kosten verursacht, die diese 42 Millionnen bei weitem übersteigen.

Es gibt in der Bundesverwaltung hunderte von Informatiksystemen, die voneinander abhängig sind! Alleine die Kosten für Schnittstellen wären enorm gewesen!

Florian Richter     10.07.10 01:26    

Ich bin natürlich fest davon überzeugt, dass in der Schweiz die Beamten beinhart die beste Leistung zum günstigsten Preis aushandelten. In anderen Ländern und bei anderen Firmen wäre ich mir da nicht so sicher und könnte mir vorstellen, dass der einzige Anbieter auf allen Ebenen viel dafür investiert, auch der einzige Anbieter zu bleiben. Bei diesbezüglich erfolgreichen Investitionen sind diese Spesen nicht umsonst gewesen und können im Preis mit einkalkuliert werden.
Wie gesagt, in anderen Ländern und bei anderen Firmen. Die obenerwähnten Vertragspartner sind über jeden Verdacht erhaben.

Florian Richter     10.07.10 01:09    

Bereits seit 1989 wird Open-Source-Software (OSS) in Wien mit großem Erfolg eingesetzt, wobei seit 1994 FreeBSD und seit 2000 Linux als Serverbetriebssystem genutzt werden. Derzeit werden im Wirkungsbereich der MA 14 zirka 400 OSS-Server betrieben.
1 Großanlage
1.100 Serversysteme im Magistrat
21.000 PCs im Magistrat
11.000 Drucker im Magistrat
13.200 PCs und 4.200 Drucker in den Wiener Schulen
So ganz glaube ich nicht, dass Microsoft das einzige für die Schweiz verwendbare System hat, auch wenn es sich hier um 40 000 Computerarbeitsplätze handelt.

hans-rudolf schneider     09.07.10 13:07    

Guten Tag

anscheinend haben die Journalisten der Welchwoche geschlafen oder sind sie etwa "Denkfaul". Wenn die Journalisten richtig nachgeforscht hätten und sich besser informiert hätten, würde sie nie eine solche Aussage machen.
Tatsache ist, dass keiner der KMU in der Lage gewesen wäre diesen Support und diese Leistungen zu erbringen.

Als bitte etwas mehr Objektivität.

Hanspeter Bühler     07.07.10 09:59    

Sergio Frei und Walter Staub
Das ist doch nichts Neues, schon der unvergessene Weise Cyrill Northcote Parkinson hat das vor XX-Jahren festgehalten und zu erklären versucht - nur ändert sich nichts, weil über die diesbezüglichen Selbstzwecke die absolut unnötig wären eben genau denjenigen Schreibtischtäter entscheiden die niemand wirklich braucht. Ein Teufelskreis, der nur von starken und unbestechlichen Politikern mit Durchblick behoben werden könnte. Aber der Begriff "starke und unbestechliche Politiker" grenzt ja schon an Zynismus. Was bleibt ist die Resignation.

Hanspeter Bühler     07.07.10 09:47    

Das ist wiederum typisch die Schweiz mit ihren "heimatmüden Schreibtischtätern" die leichtfertig Aufträge topedieren - hier sind es KMU's die betroffen und leer ausgegangen sind.

Schon der Grossaufttrag der SBB, bei dem Stadler Rail das Nachsehen hatte, ist der wenig patriotisch anmutenden, gleichgültigen Mentalität der Schreibtischtäter zuzuschreiben, die selber noch nie einen Franken selber erwirtschaften mussten. Von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen haben diese abgehobenen Beamten, Richter etc. in der Tat keine Ahnung. Solches geschieht wirklich nur in der Schweiz. Traurig.

Sergio Frei     07.07.10 08:48    

wie unten gesagt, wer würde sich je gegen solche paradische zustände wehren? festhalten und einkassieren solange's geht.
klar dass das ende härter wie in der privatwirtschaft sein wird. diese leute sind absolut unbrauchbar: mentale haltung:staatsanstellung =sicherheit! auf in den sozialstaat; man wird träge ,motzt, sehnt den feierabend und die 6wochen ferien herbei, frühzeitige pensionierung.
psychologische sitzungen sind tagesordnung und berater&gespräche was die zusammenarbeit betrifft vorangig. die arbeit wird dann.. schon mal erledigt - der mensch hat vorrang!
wasserkopf olé!

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