Die Schweizer wollen keine Deutschen sein. Das ist der Kern ihrer Identität. Wenn die Deutschen allzu forsch Brötchen bestellen oder Bankdaten klauen: Sie verstehen nicht, warum beides die Schweizer irritiert. Von Markus Somm mehr...
Über dieses Dossier
Gesammelte Weltwoche-Berichterstattung über Deutschland, das deutsch-schweizerische Verhältnis sowie Deutsche in der Schweiz. Inklusive aller Beiträgen des grossen Spezials «Hymne auf die Deutschen» aus Ausgabe 19/2009.
Lesen Sie auch die Kolumnen unseres Autors Henryk M. Broder, welche unter dem Titel «Die Deutschen» regelmässig in der Weltwoche erscheinen.
Auf den Arbeitsmarkt drängen neue Konkurrenten. Die einen übernehmen Jobs, für die Schweizer zu bequem geworden sind, die anderen machen sich auf den Chefetagen breit.
Die Deutschen strömen in Scharen in die Schweiz. Dass sie uns mögen, ist ein Missverständnis. Sie halten uns für freundlich, aber wir sind bloss höflich. Deutschland hat eine Overstatement-Kultur. Die Schweiz pflegt das Understatement.
Die Weltwoche nimmt eine Kolumne wegen eines heiklen Vergleiches aus ihrem Online-Angebot. Sie knickt grundlos ein. Meinungsbeiträge sind immer ein Risiko. Dieses Risiko sollte eine Zeitung eingehen.
Hinter dem Schweizer Unbehagen an der Zuwanderung aus Deutschland steckt eine ungemütliche Erkenntnis: Auf dem Arbeitsmarkt übertrumpfen viele Deutsche die Schweizer. Weil sie besser und produktiver arbeiten.
Die deutsche Politik stösst bei Nachbarn und Verbündeten auf immer weniger Verständnis. Merkels Wendemanöver und taktische Spiele hinterlassen Ratlosigkeit.
Der Ausstieg aus der Atomkraft sei «alternativlos», sagen Politiker. Wir erleben die Transformation der bürgerlichen Demokratie in eine Erziehungsdiktatur.
Deutschland will 100 Flüchtlinge aus Afrika aufnehmen, für die restlichen 23 000 solle Italien sorgen. Schengen und die EU sind wie ein Open-Air-Festival, ausgelegt auf gutes Wetter.
Der Karneval tobt, aber man sollte sich nicht täuschen lassen, Spass versteht man dabei nicht. Wenn etwas wirklich lustig ist, muss es ein Betriebsunfall sein.
Jetzt ist Gaddafi ein «Staatsterrorist» und Verteidigungsminister Guttenberg ein «Ladendieb». Das peinliche Schauspiel der plötzlich hereinbrechenden Moral.
Endlich, Berlin startet eine Kampagne, damit Homosexuelle als Menschen akzeptiert werden. Von der Richtigkeit dieser erstaunlichen Erkenntnis kann man sich täglich überzeugen.
In der bunten Berliner Republik gibt es keine Parteien mehr, es gibt nur noch Grüne verschiedener Schattierungen. Und alle wollen den Atom-Aus-Knopf drücken.
26 ehemalige Staatschefs überlegen, wo sie sich einmischen könnten. Euro-Krise? Iran? Irak? Schliesslich einigt man sich darauf, dass endlich etwas gegen Israel getan werden muss.
In Israel wollte Bundespräsident Wulff mal wieder für eine bessere Zukunft sorgen. Man muss sicherstellen, dass sich die Israelis der Nazi-Ideologie nicht annähern.
Die Castor-Blockaden sind ein beliebter Spass in der Bundesrepublik. Was mit dem Atommüll geschehen soll, wissen aber auch die protestierenden grünen Politiker nicht.
Sein Auto waschen zu lassen, ist schwierig, aber unseren Hühnern geht es immer besser, obwohl sie immer noch zum Eierlegen gezwungen werden. Ein Tag im Konsumparadies.
Im Streit um «Stuttgart 21» verhandeln Leute, die von niemandem gewählt worden sind, über ein Projekt, das über fünfzehn Jahre alle demokratischen Instanzen passiert hat.
Der Stuttgarter Bahnhofsumbau droht an Protesten aus der Bevölkerung zu scheitern. Eine verbindliche Volksbefragung, also mehr direkte Demokratie in Deutschland, wäre die Lösung.
Vom Vereinigungspathos ist wenig übriggeblieben. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall pflegen die Ossis ihre eigene Provinzkultur. Die Unterschiede zwischen Ost und West haben sich stabilisiert – was gar nicht so schlimm ist.
Die Rede von Bundespräsident Wulff zum Tag der Deutschen Einheit bewies, dass man einem verlässlichen Binnenschiffer keinen Ozeandampfer anvertrauen sollte.
Gekränkte Autisten, die ihr Hobby, das Gutmenschentum, zum Beruf gemacht haben, rasten wegen Thilo Sarrazin aus. Schliesslich hat auch Hitler mal klein angefangen.
Die Eidgenossenschaft hat Probleme von einer Dimension, die anderswo geradezu als Erlösung gefeiert würden. Zentral Wichtiges funktioniert in der Willensnation Schweiz nach wie vor ganz hervorragend. Wenn wir ohne Überheblichkeit weiterhin unseren Sonderfall verteidigen, so wird uns nicht bange.
Der grosse Schriftsteller Martin Walser erklärt, warum er in seinem neuen Buch Glaube und Liebe verknüpft, warum er den Kritiker Marcel Reich-Ranicki ohrfeigen wollte und warum er sich als Deutscher nie in schweizerische Angelegenheiten einmischen würde.
Hüben wie drüben verkennen Medien und Politiker die Schwere des deutsch-schweizerischen Zerwürfnisses. Das Powerplay der EU-Staaten lässt die Schweizer Volksseele kochen - die Datenklau-Affäre ist da noch eines der kleineren Übel. Doch wer als Lösung den EU-Beitritt propagiert, sollte besser nochmals gut nachdenken.
Seit dem 19. Jahrhundert haben noch nie so viele Deutsche ihr Land verlassen wie heute. Der Mittelstand fühlt sich bedrängt. Die Flucht aus der Heimat ist zu einer Abstimmung mit den Füssen geworden.
Es gab immer schon Spannungen zwischen der Schweiz und Deutschland. Falsch: Vor dem Ersten Weltkrieg kannte die Deutschenliebe in der Schweiz keine Grenzen. Im Jubel für den grossen Nachbarn kam frühe Schweizer Heimatmüdigkeit zum Ausdruck. Das Muster wiederholt sich.
Auf den Arbeitsmarkt drängen neue Konkurrenten. Die einen übernehmen Jobs, für die Schweizer zu bequem geworden sind, die anderen machen sich auf den Chefetagen breit.
Die Schweizer wollen keine Deutschen sein. Das ist der Kern ihrer Identität. Wenn die Deutschen allzu forsch Brötchen bestellen oder Bankdaten klauen: Sie verstehen nicht, warum beides die Schweizer irritiert.
Die Schweizer tun so, als ob das Boot wieder voll wäre. Die Animositäten gegen deutsche Einwanderer nehmen zu. Das ist kurzsichtig und kontraproduktiv.
An Schweizer Universitäten wird der eigene Nachwuchs benachteiligt. Die Probleme mit den deutschen Kollegen sind selbstverschuldet. Besonders schlecht stehen die Geistes- und Kulturwissenschaften da.
Gibt es zu viele deutsche Professoren an Schweizer Universitäten? Die Frage zielt am Kern der Sache vorbei. Entscheidend ist vielmehr: Haben wir die besten Leute an unseren Hochschulen? Und woher bekommen wir diese?
Mit ihrem Lob der deutschen Kollegen geben sich die Schweizer Geisteswissenschaftler betont weltoffen und global. Der Eindruck täuscht: Ihr Schaffen bleibt provinziell. Sie spielen international kaum eine Rolle.
Der Tages-Anzeiger kritisiert die Weltwoche für ihre Berichterstattung zur Kontroverse um deutsche Professoren an Schweizer Universitäten. Dabei hatte der TA das Thema vor vier Jahren selbst lanciert.
Die SVP macht die steigende Zahl deutscher Professoren an Schweizer Universitäten zum Thema. Die Gilde der Akademiker reagiert empört und spricht von «Rassismus». Wie steht es wirklich um die angeblichen deutschen Seilschaften?
Der Schriftsteller Maxim Biller über sein neues Buch «Der gebrauchte Jude», die deutsche Kanzlerin, seinen armenischen Grossvater und guten Sex in der Literatur.
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Aufsteiger des Jahres in der deutschen Politik. Der liberale Aristokrat plädiert für Bescheidenheit und Marktwirtschaft. Er möchte Deutschland für Deutsche wieder attraktiver machen. Die Steuern seien trotz Krise zu senken.
Ohne die typisch deutschen Tugenden wäre unser Alltag um ein paar Erfindungen ärmer. Von der Atombombe bis zur Zahnpasta: die zwölf wichtigsten Errungenschaften.
Aus Anlass der aktuellen Debatte über Deutsche in der Schweiz veröffentlichen wir an dieser Stelle ein Interview aus der Sonderausgabe «Hymne auf die Deutschen» (Weltwoche 19/2009) erneut. - Wer sind die Deutschen? Welche Traditionen und Erfahrungen prägen sie? Ein Gespräch mit dem grossen Altertumsforscher Alexander Demandt über die deutsche Volksseele von Arminius bis heute.
In der Schweiz ist er das grosse Feindbild. In Deutschland gilt Peer Steinbrück als ehrlicher, erstaunlich ideologiefreier Finanzminister. Wie tickt er?
Deutsche und Deutschschweizer verstehen sich seit langem nicht mehr, auch wenn sie fast die gleiche Sprache sprechen. Der Zorn über Peer Steinbrück steht in einer guten Tradition.
Die Deutschen strömen in Scharen in die Schweiz. Dass sie uns mögen, ist ein Missverständnis. Sie halten uns für freundlich, aber wir sind bloss höflich. Deutschland hat eine Overstatement-Kultur. Die Schweiz pflegt das Understatement.
Der Berliner Wolf Schneider kämpft als Stildozent und Buchautor für gutes Deutsch. Er liebt alte Wörter und ärgert sich über den Niedergang des Duden und über Kindergelalle im Internet.
201 889 Deutsche lebten Ende 2007 in der Schweiz. Im Kanton Zürich sind sie mit 19 Prozent die grösste Ausländergruppe. Ein neues Buch beschäftigt sich mit dem angespannten Verhältnis zum wenig geliebten Nachbarn und Mitbürger. Ein exklusiver Vorabdruck.
Seit der Personenfreizügigkeit gibt es kein Halten mehr für den grossen Nachbarn: Mit Fleiss und Ehrgeiz erobert er den Schweizer Arbeitsmarkt – und bringt Zack in den heimeligen Alltag.
Von Alex Baur, Daniela Niederberger und Markus Somm