Auto

Lächeln oder Staunen

Der Porsche 911 Turbo S ist einer der besten Supersportwagen überhaupt. Keiner beherrscht Leistung und Alltag besser.

Von David Schnapp

Porsche 911 Turbo S

Zündschlüssel links drehen, und dann wummert er los. Der neue Porsche 911 Turbo S klingt wie der alte 911 Turbo S: Dezent aggressiv grollt der mächtig aufgeladene Biturbo-Sechszylinder, und im Kopf beginnt das Kino, man stellt sich vor, was alles mit diesem Auto möglich wäre. «Über-Elfer» nennen sie bei Porsche den Turbo. Das Selbstbewusstsein ist berechtigt, es gibt wohl nicht viele Supersportwagen, die ­besser sind, und wohl keinen, der die Mischung aus Leistung, Alltagstauglichkeit und Komfort besser beherrscht.

Der Klang ist geblieben, ein paar Dinge aber sind neu: Zum Beispiel gibt es endlich ein Navigations- und Entertainmentsystem, das dem entspricht, was man erwarten kann bei einem Auto, für das fast 250 000 Franken aufgeworfen werden müssen. Und am Lenkrad findet sich nun ein interessanter neuer Regler, mit dem die Fahrwerks- und Motor-Set-ups schnell gewählt werden können (Normal, Sport, Sport plus), ­sowie ein Knopf, mit dem die Dynamic-Boost-­Funktion ausgelöst werden kann. Technisch gesprochen, wird so der Ladedruck aufrechterhalten, auch wenn man kurz vom Gaspedal geht, zum Beispiel vor einer Kurve, um an deren Ende mit vollem Schub hinausbeschleunigen zu können. Das sind diese Momente, wo aus erwachsenen Männern wieder Buben werden. Aber keine Sorge, sie wollen nur spielen!

Manchmal klammert man sich als Durchschnittsfahrer auch einfach mit beiden Händen am Lenkrad fest, je nach Situation mit einem breiten Lachen im Gesicht oder dann mit halb­offenem Mund vor lauter Staunen über die ­Möglichkeiten, die einem dieses Auto auf dem Silbertablett serviert. Der Superturbo-Elfer hat zwar mehr Kraft, als man in der Regel brauchen kann, aber er hilft einem dabei, sie auf die Strasse zu bringen. Die Kraft in Zahlen: in 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 330 km/h Höchstgeschwindigkeit, 11,1 Liter Verbrauch im Test. Im Modus Sport plus kommt es vor, dass das Heck in ungestüm angefahrenen Kurven zum Leben erwacht, spät, aber effektiv hilft einem das ESP wieder auf die Spur. Im ganz alltäglichen eidgenössischen Strassenverkehr ist man froh darum. Die hecklastige Auslegung des Allrad­antriebs wird je nach Situation blitzschnell umverteilt, so dass die Kraftmassen jederzeit verlustfrei auf die Strasse gebracht werden können. Bei starkem Regen ist das sehr angenehm. Wo andere Supersportwagen bald die Souveränität verlieren, bleibt der Turbo S im Wortsinn gradlinig.

Das ist mit ein Grund, warum der neue «Über-Elfer» ein Auto ist, das man einfach gernhaben muss: Es trachtet seinem Fahrer nicht nach dem Leben, wie es Kult-Moderator Jeremy Clarkson ausdrücken würde. Der Turbo S will einfach das beste Auto sein, das man je gefahren ist. Das schafft er mit einer coolen Leichtigkeit, die einem – je nach momentaner Fahrsituation –, ich wiederhole: entweder ein breites Lächeln oder ein Staunen mit halboffenem Mund ins ­Gesicht befördert.


Porsche 911 Turbo S
Leistung: 580 PS / 427 kW, Hubraum: 3800 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
Preis: Fr. 246 600.–, Testauto: Fr. 258 320.–

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