Auto

Gewagt, gewonnen

Das noch junge Jahr bringt einen ersten automobilen Liebling: 
den munter gezeichneten Toyota C-HR.

Von David Schnapp

Toyota C-HR AWD Premium

Europäische Hersteller würden allenfalls noch als Design-Studie auf einer Automobilmesse zeigen, was sie bei Toyota in Japan nicht ohne Mut und Humor auf die Strasse stellen: Der C-HR (Coupé High-Rider) ist der erste automobile Liebling, den das noch junge Jahr hervorgebracht hat. Das sogenannte Cross­-
over-Modell, das also die Grenzen zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien überschreitet, ist eine ziemlich forsch gezeichnete Mischung aus Limousine, Coupé und Kompakt-­SUV. Ausgestellte Radhäuser, markante seit-
liche Konturen, eine abfallende Dachlinie, die in einen massiven Spoiler mündet, immer wieder mal eine scharfe Kante und schliesslich dreidimensionale Heckleuchten, die aus der Karosserie hervorzuquellen scheinen: Der C-HR bricht gewagt mit einigen Design-Konventionen, insbesondere mit jener, dass die kontur­lose Markenidentität das allerwichtigste Kriterium für gelungene Autoformen sein soll. Das ist ein Gewinn fürs Strassenbild.

Nun ist diese Art von fahrendem Expressionismus natürlich nicht nach jedermanns Geschmack, aber genau das macht den C-HR zu unserem Liebling des Monats. Es gibt schon genug Automodelle, die allen gefallen wollen. Und der neue Toyota kann durchaus mehr als bloss anders aussehen als die anderen. Der Innenraum ist ästhetisch, aber mit Sinn fürs praktische Detail gestaltet, es gibt genügend Ablagemöglichkeiten und einen riesigen, elegant ein-
gebundenen Touchscreen mit dem üblichen Unterhaltungs- und Navigationsangebot. In der Ausstattungslinie «Premium» ist das allerdings nicht inbegriffen, sondern kostet 2200 Franken Aufpreis. Dafür sind ein umfangreiches Sicherheitspaket, Rückfahrkamera mit Parksensoren und -assistenten, schlüsselloser Zugang und ein System namens «Nanoe» zur Aufbereitung der Innenluft inklusive.

Prius wirkt

Den C-HR gibt es entweder als Hybrid – dann ist es eine coole Variante des Prius – oder mit einem Vierzylinder-Reihenmotor, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. Für ein kompaktes SUV macht Allrad natürlich Sinn, auch wenn sich das auf den Verbrauch auswirkt: Bei winterlichen Verhältnissen kam ich auf 8,2 Liter Benzin für 100 Kilometer. Das ist nicht wenig, aber auch nicht ungewöhnlich, denn kleine Turbo-Benzinmotoren sind nur auf dem EU-Norm-Prüfstand sparsam. Allerdings hat es Toyota mit seiner Hybrid-Vormachtstellung geschafft, dass man instinktiv die typische Fahrweise annimmt, die in Hybridfahrzeugen Sinn macht: Ich ertappe mich dabei, wie ich früh vom Gas gehe und meistens nicht zu forsch losfahre. Zwanzig Jahre Prius sind nicht spurlos an uns vorbeigegangen.

Den C-HR kauft man auch nicht als übermotorisierten Kompaktboliden, das ist nicht sein Stil. Seine Funktion ist eher die eines Botschafters: für Toyota, weil das Modell der Marke neue Dynamik verleiht, und für den Fahrer, weil er in dem Auto sympathisch anders wirkt.


Toyota C-HR AWD Premium
Leistung: 116 PS/85 kW, Hubraum: 1197 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Preis: Fr. 36 500.–, Testauto: Fr. 40 730.–

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