Paradise Papers

«Alle Informationen waren verfügbar»

Nach der Publikation der «Paradise Papers» werfen Medien dem schweizerisch-angolanischen Investor Jean-Claude Bastos de Morais unseriöse Geschäfte vor. Was sagt Bastos zu den Vorwürfen? 


Von Beat Gygi

Die vor zehn Tagen veröffentlichte Auswertung der sogenannten Paradise Papers durch ein internationales Journalisten-Netzwerk hat am Rande auch die Schweiz berührt. Im ­Tages-Anzeiger und dann auch in der NZZ wurde der schweizerisch-angolanische Doppelbürger Jean-Claude Bastos de Morais als Fall dargestellt, der veranschaulichen sollte, wie die «Paradise Papers» fragwürdige Geschäftspraktiken entlarvt hätten. Bastos ist Gründer und heute zu 95 Prozent Eigentümer des Fonds Quantum Global, der zu einem guten Teil auf Investitionsprojekte in Afrika ausgerichtet ist. Die Weltwoche hat im vergangenen Juli (Nr. 29/17) Lebenslauf und Tätigkeiten von Bastos sowie seine Engagements in den verschiedenen Investitionsprojekten vorgestellt. Nach den Medienberichten über ihn und seine Fonds wird das Thema hier wieder aufgenommen. Der Tages-Anzeiger und die Fernsehsendung «Rundschau» werfen Bastos vor, dass er mit seinem Fonds Quantum Global, der den rund 5 Milliarden Dollar schweren Staatsfonds von Angola verwaltet, in einem korrupten Land intransparent und mit Interessenkonflikten arbeite, dabei raffinierte Konstrukte verwende und so ungerechtfertigt zu persönlichen Vorteilen gelange.

Nach den Publikationen ist die frühere Bundesrätin Ruth Metzler aus dem Beirat bei Quantum Global ausgestiegen, die anderen Mitglieder sind geblieben. Walter Fust, der frühere Chef der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza), hat dagegen bekräftigt, dass er seine Zusammenarbeit mit Bastos in afrikanischen Entwicklungsprojekten fortsetze, für ihn liege die Grenze für eine Kooperation bei der Grenze der Legalität, und die sehe er nicht überschritten. Die Rechtsprofessorin Monika Roth von der Hochschule Luzern sagte, nach heutigem Stand des Wissens sei es sicher nicht illegal, aber «dumm». Die SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar, die ein Hafenprojekt zu Betriebswirtschaft und Logistik beraten hat, stufte den neuen Hafen als «riesige Chance» für die Wirtschaft in der Region ein. Wir haben Jean-Claude Bastos im Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen Fragen zu seinen Geschäften gestellt, auf die er im Folgenden anwortet.


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Geschäftsmann Bastos


Herr Bastos, Ihre Geschäfte in Afrika werden in den «Paradise Papers» erwähnt, Medien kritisieren auf dieser Grundlage Ihre Tätigkeiten in Angola als fragwürdig und das Vorgehen Ihres Fonds Quantum Global als intransparent.

Ich habe auf der Website von Quantum Global immer transparent dargestellt, dass wir mit unseren Fonds, die Geld aus Afrika in ­Afrika investieren, in Mauritius domiziliert sind. Wir suchten einen Standort mit einem Regulator, der das nötige Verständnis hat für afrikanische Investitionen in Afrika. Der Regulator von Mauritius erschien uns geeignet.

Wären denn die Schweizer Massstäbe nicht geeignet?

Es geht nicht um den Massstab, sondern um die Kultur. Die afrikanische Kultur ist ganz anders als die europäische, und Afrikaner bevorzugen Gleichgesinnte als Regulierer.

Wäre es bei grossen Summen nicht trotz allem ein vertrauenerweckendes Signal, die Fonds nach europäischen oder Schweizer Regeln arbeiten zu lassen?

Das Geld für die kritisierten, in Mauritius ansässigen Private-Equity-Funds kommt nicht aus der Schweiz, sondern aus dem Staatsfonds Angolas. Und die Investitionen erfolgen in Subsahara-Afrika. In der Schweiz erbringen wir nur einige Back­office-Dienstleistungen.

Mauritius ist aber auch nicht Angola.

Ja, aber die Leute, die für meine Fonds ­arbeiten, sind in Mauritius angestellt. ­Zudem hat Mauritius mit den meisten afrikanischen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen, denn das Land will zu einer Plattform werden für Anleger, die in Afrika investieren wollen. Alle Informa­tionen über unsere Fonds waren auf dem Internet immer öffentlich verfügbar.

Kritisiert werden auch die Gebühren, die Sie für das Management des angolanischen Staatsfonds erheben und die 2 bis 2,5 Prozent des Vermögens ausmachen.

Diese Kritik ist nicht haltbar. Wir haben Massstäbe, die internationalen Standards entsprechen, auch europäischen. Wir erhalten 2 Prozent des Fondsvolumens plus 20 Prozent des erwirtschafteten Kapital­gewinns, sofern dieser die hurdle rate von marktüblichen 8 Prozent überschreitet. Die «2 plus 20»-Regel wird von den meisten Private-Equity-Investoren weltweit verwendet.

Diese Formel wird nun auch bei Hedge-Funds stärker kritisiert.

Hedge-Funds haben typischerweise tiefere Gestehungskosten als Private-Equity-Funds. Und ein Private-Equity-Fund, der mittelständische Firmen in Europa oder den USA erwirbt, hat viel tiefere Kosten als ein Fund, der wie wir Direktinvestitionen in Afrika tätigt. In Afrika ist alles kompliziert, man muss Daten selber erheben, die Leute ins Land hinausschicken, um die Verhältnisse abzuklären. Die Gesetze sind oft unklar, die Bürokratie schwerfällig. Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen.

Und die Gelder stammen vor allem aus dem Staatsfonds?

Gelder aus dem angolanischen Staatsfonds machen etwas mehr als die Hälfte der 8 Mil­liarden Dollar aus, die Quantum Global ­verwaltet. Die anderen Mittel stammen von Nationalbanken und internationalen institutionellen Investoren. Dieser andere Teil ist primär in an verschiedenen internationalen Börsenplätzen gehandelten Wertpapieren angelegt, unter dem Titel «African money for the world». Da verlangen wir zwischen 0,1 und 1 Prozent Gebühren, je nach Aus­gestaltung der Mandate. Komplexere ­Hedging-Modelle kosten mehr als einfache Anlagen, aber alle Investitionen in hochentwickelten Finanzmärkten werden mit den gleichen niedrigen Gebühren belastet, wie sie auch die Konkurrenz verlangt.

Und die höheren Gebühren gelten dem Staatsfonds-Teil?

Diese gelten ausschliesslich für Investitionen in Private-Equity-Projekte in Afrika, unter dem Titel «African money for Africa». Die Mittel sind den erwähnten auf Mauri­tius angesiedelten Private-Equity-Funds von Quantum zugeteilt. Es sind sieben Fonds, die je auf ein Thema spezialisiert sind. In diesem Bereich, der, wie gesagt, mit viel Arbeit und Abklärungen verbunden ist, müssen die Gebühren höher sein. Dasselbe ist auch bei unseren Konkurrenten der Fall.

Wie viel machen die Staatsfonds-Gelder aus?

4,6 Milliarden Dollar. In den Private-Equity-Funds sind davon insgesamt 3 Milliarden Dollar investiert oder für Projekte zugeteilt. Der Rest ist liquid und zurzeit ausserhalb Afrikas auf den internationalen Märkten angelegt, dies zu entsprechend niedrigen Gebühren.

Warum wird der angolanische Staatsfonds allein durch Ihren Fonds Quantum verwaltet, und warum gab es keine öffentliche Ausschreibung für das Mandat?

Die Führung des Staatsfonds hat uns und – laut ihren eigenen Angaben – zwei andere Institutionen damals angeschrieben und uns nach unseren Vorstellungen, Vorschlägen sowie nach Referenzen und Erfahrungen in Afrika gefragt. Unter den Angefragten schnitten wir am besten ab und erhielten ein Mandat. Dafür handelten wir eine achtzehnmonatige Exklusivität aus, bevor weitere Mandate vergeben werden sollten. Das Anfangskapital des Fonds betrug 5 Milliarden Dollar. Geplant waren tägliche Zuschüsse des Staates in den Fonds, bemessen als bestimmter Bruchteil der Steuern und Lizenzen aus dem Erdölgeschäft. Der Staatsfonds hätte auf diese Weise zwischen 3 und 4 Milliarden Dollar neue Mittel pro Jahr erhalten und weitere Mandate vergeben sollen. Aber aufgrund des Einbruchs des Erdölpreises blieb es beim anfänglichen Betrag und bei unserem alleinigen Mandat.

Dass von 5 Milliarden Dollar 3 Milliarden Dollar in Private Equity in Afrika investiert werden, erstaunt Branchenbeobachter. Dies steht in Widerspruch zu einer ­Asset-Allocation, also einer Verteilung des Geldes auf einzelne Anlageklassen, wie sie in der Finanzbranche normalerweise gepflegt wird. Warum wird ein derart hoher Anteil auf die wenig liquiden Anlagen in Afrika konzentriert?

Der Fonds erhielt 5 Milliarden zugeteilt. Es war, wie ich schon erklärt habe, vorgesehen, dass mehr Gelder zufliessen würden, was dann wegen der Ölpreisentwicklung zu einer Verzögerung der Allokation ­führte.

Gibt es einen anderen Staatsfonds, der ein ähnliches Investitionsmuster hat?

Viele Staatsfonds in den Entwicklungsländern und Emerging Markets verfolgen schwergewichtig Private-Equity-Investi­tionen, um lokale wirtschaftliche Fortentwicklungen zu ermöglichen, zum Beispiel Mubadala in Abu Dhabi.

Hat die Führung des angolanischen Staatsfonds bei der Gewichtung der Anlagetypen Vorgaben gemacht?

Es gibt einen Erlass des Präsidenten, der vorschreibt, in welche Anlageklassen der Staatsfonds zu investieren ist. Das betrifft sowohl die Private-Equity- wie auch die liquiden ­Investitionen.

Aus wem besteht das Gremium, das die Anlageentscheide bei Quantum Global trifft?

Es gibt zuerst ein internes Komitee, dann ein externes Komitee, in dem externe Experten ihre Meinung abgeben, und am Schluss entscheidet das Board des Investment Managers.

Kamen Sie vor allem dank guten Beziehungen zur Regierung an das Geld des Staatsfonds?

Nein, wir erhielten das Mandat primär wegen unserer guten Anlageleistung für die Angolanische Nationalbank in den Jahren 2007–2011. Aber aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit und meiner familiären Verbindungen habe ich natürlich auch gute Kontakte aufgebaut, die Wirtschaft beruht stark auf Beziehungen und Erfahrungen.

Es gibt heute auch den Vorwurf, Sie hätten beim Bau eines neuen Tiefseehafens persönlich profitiert.

Ich habe in den Jahren 2007/2008 mit Abklärungen für den Bau eines neuen Hafens begonnen, habe technische und wirtschaftliche Studien erstellt und bin dann an die angolanische Regierung gelangt mit dem Vorschlag, im Rahmen einer Public-pri­vate-Partnership diesen Hafen zu bauen. Dann wurde eine Konzession für einen dreissigjährigen Betrieb ausgehandelt und ein Finanzierungsplan erstellt. Nach erheblichen Veränderungen der Verhältnisse kam es zu Neuverhandlungen mit dem Staat. Dieser entschloss sich, 85 Prozent der Infrastrukturkosten von insgesamt 831 Millionen Dollar zu tragen. Private Investoren übernahmen 15 Prozent.

Und was hat der Staat vom Projekt?

Nach Ablauf der dreissigjährigen Konzes­sion geht der Hafen an den Staat über, ohne Restwertzahlung. Bis dahin betreiben wir den Hafen auf unsere Rechnung. Nach unseren Schätzungen erhält der Staat in dieser Zeit durch direkte und indirekte Steuern ­etwa 350 Millionen Dollar an Steuereinnahmen pro Jahr bei Vollbetrieb. Sein Beitrag an die Baukosten kann somit durch Steuereinnahmen von zwei Jahren hereingeholt ­werden.

Warum haben Sie keine zusätzlichen Investoren ins Projekt aufgenommen?

Es gibt Interessenten. Wir möchten uns für Investoren aber erst öffnen, wenn die Bau­risiken weiter reduziert worden sind, da dies den Wert erhöht.


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