Auto

Ich, der Rennfahrer

Flaggenkunde, Bremsübungen, Rundstrecke: Wie der Autochronist zu einer Rennlizenz kam.

Von David Schnapp

Mini John Cooper Works Clubman All4

Im Mediengeschäft gibt es ein verbreitetes Phänomen: Der Journalist weiss oft am ­besten, wie Firmen oder Staaten zu führen wären, obwohl ihm meist die praktische ­Erfahrung in solchen Aufgaben fehlt. Wir ­Autojournalisten halten uns in der Regel für ganz ausserordentlich begabte Fahrer oder gar Rennfahrer. Tatsächlich gibt es auch hier bessere Fahrer und andere. Geht man auf eine Rennstrecke, vergrössert sich die Kluft zwischen den beiden Güteklassen.

Ohne falsche Bescheidenheit: Ich bin kein ausserordentlich begabter Rundstreckenpilot. Es macht mir zwar Freude, auf abgesperrtem Gelände im Kreis zu rasen, aber es gibt Leute, die haben ein weitaus besseres Gefühl für die Ideallinie, für Brems- und Einlenkpunkte. Als das Angebot kam, einen Kurs zur Erlangung einer Rennlizenz beim Verband Auto Sport Schweiz zu absolvieren, sagte ich trotzdem zu. Ob ich jemals ein Rennen bestreiten werde, ist ziemlich offen, aber für das Ego ist das ein wichtiger Lehrgang.

Lizenzierter Rennfahrer wird man, indem man dreissig Multiple-Choice-Fragen (Mehrfachantworten möglich) zu Organisation und Ablauf von Motorsportveranstaltungen inklusive Flaggenkunde beantwortet. Zwei erfah­rene Instruktoren mit Tausenden Rallye- und Nürburgring-Kilometern haben uns das ­innert rund drei Stunden beigebracht. Sieht der Rennfahrer zum Beispiel eine gelb-rot ­gestreifte Flagge, weiss er: Die Strecke ist ­wegen Sand, Regen oder Öl rutschig. Reifenwechsel übrigens sind freiwillig.

Eine der wichtigsten Lektionen im praktischen Teil, der am folgenden Tag auf der ­Strecke des Anneau du Rhin im Elsass abgehalten wird, leuchtet mir sofort ein: «Wir nähern uns der Leistungsspitze von unten», sagt einer der Instruktoren. In

meinem Mini John Cooper Works Clubman All4 mit

231 PS schien das eine gute Idee. Der Allrad-Kompaktkombi ist zwar flott unterwegs, bleibt aber jederzeit beherrschbar. Das kann bei Rennstrecken-Neulingen mit hochgezüchteten PS-Monstern ganz anders aussehen. Das Ziel für diesen Tag wurde denn auch bescheiden formuliert: «Wir wollen, dass alle Autos in derselben Farbe und Form zurückkommen, wie sie gestartet sind.»

Nach zwei Stunden Brems- und Ausweichmanövern, Schikanendurchfahrten und an­deren Übungen scheint mir eindeutig, dass Auto­rennfahrer ein anspruchsvoller Beruf ist. Runde um Runde drehe ich unter meinem schwarzen Helm, übe rollenden und stehenden Start und bekomme am Ende eine schöne Urkunde, die mich berechtigt, innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Rennlizenz zu be­antragen. Aber vielleicht ist es so: Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist.


Mini John Cooper Works Clubman All4
Leistung: 231 PS / 170 kW
Hubraum: 1998 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 238 km/h
Preis: ab 
Fr. 43 100 .–

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