Kino

Die Familie als Kühlkammer

Michael Hanekes «Happy End», das Porträt eines Grossbürgerclans, ist eine wunderbar böse Abrechnung mit unserer Wohlstandsidylle.


Von Wolfram Knorr

Wie hinter einer Glaswand: «Happy End».

Sie sind oberflächlich, versnobt, egoistisch, desinteressiert, aber immer mit Geschmack und unterschwelliger zynischer Höflichkeit, durch die ihre seelische Kälte flackert. Der Clan heisst Laurent, betreibt in Calais eine grosse Baufirma, deren Fundamente zu bröckeln beginnen. Die Familienmitglieder sind aneinander nicht interessiert, wohnen aber alle unter einem Villendach und speisen gemeinsam. Am Kopf des Tisches sitzt Georges (Jean-Louis Trintignant), der alte Patriarch, dessen resolute Tochter Anne (Isabelle Huppert) das Geschäft führt. Ihr Sohn Pierre (Franz Rogowski) ist zwar M...

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