Kommentar

In ewiger Reparatur

Die Schweizer Banken versuchen, 
fitter zu werden, um sich an härtere Märkte anzupassen. 
Der Spielraum ist sehr eng.

Von Beat Gygi

Der Schweizer Finanzplatz hat in der eben beendeten Session von National- und Ständerat vergiftete Geschenke erhalten. Das Parlament brachte den automatischen Austausch von Bankkundeninformationen mit ­einer ganzen Reihe zusätzlicher Länder weiter voran. Davon erhoffen sich Branchenvertreter und Wirtschaftsverbände leichteren Zugang zu ausländischen Märkten. Auch das neue Finanzdienstleistungsgesetz wurde einer Verabschiedung nähergebracht. Von diesem Gesetz, das nach EU-Muster eine Regulierung des Verkehrs zwischen Vermögensverwaltern und Kunden vorsieht, versprechen sich viele Banken ebenfalls bessere Chancen auf Geschäfte in der EU.

Ist der Schweizer Finanzplatz im Grunde immer noch der solide Motor, der früher zusammen mit dem Werkplatz in der Schweiz jahrzehntelang – mit Aussetzern – für Wohlstand und Wachstum gesorgt hatte? Werden die Banken noch zu den wichtigsten Pfeilern der Schweizer Wirtschaft gehören, wenn sie dann endlich fertig sind mit der Reparatur der Schäden aus der Finanzkrise? Diese liegt etwa zehn Jahre zurück, und immer noch ist unklar, wie die Erholung aussieht. Als grobe Anhaltspunkte sieht man zunächst, dass die Bankenbranche in den vergangenen zehn Jahren Arbeitsplätze abgebaut und seit 2008 alles in allem nicht mehr zum Wirtschaftswachstum beigetragen hat.

Wie geht es den Unternehmen? Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse werden an der Börse nach wie vor so niedrig bewertet, dass man sagen muss: Diesen Häusern trauen die Anleger nicht viel zu. Die Grossen haben Mühe, ihre Kosten deutlich zu verringern, das Vermögensverwaltungsgeschäft richtig in Schwung zu bringen und sich aus den hängigen Rechtsstreitigkeiten herauszuarbeiten. Sie haben allerdings nicht enorm viel Bewegungsfreiheit. Das billige Geld der Notenbanken macht ihnen Margen und Zinsgeschäfte kaputt, die Vorschriften zur Kapitalausstattung sowie zu Führungs- und Konzernstruktur macht die Banker während eines guten Teils ihres Arbeitstages zu Befehlsempfängern der Regulierer.

Von den noch etwas über hundert Privatbanken – seit der Finanzkrise hat deren Zahl um etwa einen Drittel abgenommen – befinden sich viele in einem substanzzehrenden Anpassungskampf. Nach den Befunden des Beratungsunternehmens KPMG verdient ein grosser Teil dieser Banken heute zu wenig, um die Kapitalkosten zu decken, was auf Wertvernichtung ­hinausläuft. Offenbar spüren viele Kleinere erst jetzt so richtig die Kosten und Mittelabflüsse, die sich aus der Aufhebung des Bankkunden­geheimnisses ergeben haben. Zudem sinken Ertragsmargen nun rascher, als die Banken ihre Kosten verringern können. Der Wettbewerb um die Kunden ist härter geworden, so dass man eine weitere Dezimierung der Privatbanken erwartet.

Man kann all das optimistisch sehen und sagen, solche Anpassungen an neue Verhältnisse würden zwar weh tun, mit der Zeit aber den Finanzplatz gesünder und solider machen. Aber rasch kommt der Dämpfer, denn die neuen Verhältnisse sind offensichtlich viel stärker durch Gesetze als durch Märkte geprägt als früher. Vorschriften zur Förderung des automatischen Informationsaustausches oder zum Umgang mit Anlagekunden untergraben Eigentumsrechte und Rechtsstaatlichkeit und verhindern, dass Banken wieder selbständiger und unternehmerischer werden. Manager schauen meist nervöser auf die Handlungsanweisungen der Finanzaufsicht als auf private Anliegen der Kunden. So werden Banken ewig in Reparatur gehalten. Dies drückt auf den Ertrag, aber da hat der Staat auch schon vorgesorgt: Der Fiskus hat in den letzten Jahren beim Steuereintreiben spärlichere Zuflüsse aus dem Bankensektor dadurch wettgemacht, dass er bei anderen Leuten und Firmen die Schrauben angezogen hat.

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