Philosophie

Die böse Seite der Aufklärung

Der deutsche Philosoph und Historiker Philipp Blom geht an die Wurzel des Übels unserer Zivilisation. 
Er fragt sich, wieso wir heute in den «Ruinen der aufgeklärten Utopie» leben.

Von René Zeyer

«Lebende, fühlende, begehrende Menschen haben keinen Ort in diesen Visionen»: Turmbau zu Babel. Bild: «Turmbau zu Babel» von Pieter Bruegel d.Ä, 1563 (Wikimedia)

In den Jahren vor der Französischen Revolu­tion von 1789 trafen sich in Pariser Salons Denker und Wissenschaftler. Sie begeisterten sich an der Idee, dass der Mensch doch kraft seines Verstandes den «Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit» finden kann, wie das Immanuel Kant auf den Punkt brachte. Keine Tabus mehr, keine religiösen oder ab­solutis­tischen Setzungen mehr. Stattdessen «Problematisierung und Befragung der Ak­tualität», wie das Michel Foucault nennen wird.

Kein «Das ist so» und Gottes Wille als Letztbegründung mehr. Kein «Das darfst du nicht denke...

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