American Way

Die Corvette ist der amerikanische 911er, ein Klassiker, dessen Faszination man sich nur schwer entziehen kann.

Als ich sie in einer Tiefgarage zum ersten Mal sehe, will sie mich schon mal be­eindrucken mit ihrer breiten, langen Front, den scharf gezogenen Blechkanten, dem kurzen Heck mit vier mittig angeordneten Auspuff­rohren oder den Carbon-Schwellern: Die Corvette Grand Sport, hier als Cabrio, ist der amerikanische Traum auf Rädern, aus ­europäischer Sicht vielleicht vergleichbar mit dem Porsche 911: ein Klassiker, dessen ­Faszination man sich nur schwer entziehen kann.

Die Corvette ist natürlich auch ein Filmstar, zufälligerweise bin ich ihr kürzlich am Fern­sehen begegnet: Im Actionfilm «The Last Stand» flieht ein mexikanischer Drogenboss in einer umgebauten C6 ZR1 und ist damit angeblich «schneller als ein Helikopter». Den klassischen Charme dieses Sportwagens, den General ­Motors seit 1953 baut, habe ich hingegen in der Netflix-Serie «Fargo» gesehen. In der dritten Staffel fährt eine der Hauptfiguren, gespielt von Ewan McGregor, eine heruntergekommene Corvette C3. Sie wird dann von einem monströsen Humvee-Geländewagen schwer beschädigt.

«Dicke Hose»

Das alles spielt hier insofern eine Rolle, als es einen Unterschied macht, ob man irgendein Auto fährt oder eines mit Geschichte und Geschichten. Die Corvette ist Letzteres, und sie lässt kaum einen kalt. Meiner Grand Sport in Weiss blicken Väter und ihre Söhne am Stras­senrand nach. Doch trotz ihres recht martialischen Auftritts und ihres mächtigen 6,2-Liter-­V8-Saugmotors mit Hinterradantrieb ist die Corvette eher ein Grand Turismo als ein reiner Sportwagen. Wer die ganze Macht und Kraft dieses Autos sucht, braucht eine Z06, die praktisch gleich aussieht. Aber, so drückt es ein von mir geschätzter Autokenner aus: «Die Z06 ist dicke Hose, die Grand Sport macht auf dicke Hose.»

Den Spass am Fahren garantiert in der kleineren «Vette», wie ihre Fans sie liebevoll nennen, aber genau diese Mischung aus lautem Äusseren und sportlichem und gleichzeitig entspanntem Vorankommen. Mein Ziel ist Vals, das Kuhdorf von Weltruhm in der Surselva, wohin man zuerst gemütlich über die A3 fährt, um dann nach Ilanz mit beiden Händen fest am Lenkrad die abwechslungsreiche Bergstrasse hinaufzukurven. Die Corvette macht das trotz ihrer relativ grossen Aussenmasse (4,5 Meter Länge, fast 2 Meter Breite) erfreulich souverän, das adaptive Fahrwerk versteht sich auf Komfort ebenso wie auf sportliche Präzision und ­leitet Informationen über die Beschaffenheit der Strasse zuverlässig an den Hintern des Fahrers weiter.

Weil sich das Wetter bessert, kann ich dann auch das Verdeck öffnen, nun ist die Corvette Grand Sport akustisch und optisch ein aus­gesprochen sinnliches Gesamterlebnis.


Chevrolet Corvette Grand Sport Cabrio
Leistung: 466 PS / 343 kW, Hubraum: 6162 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h
Preis: Fr. 114 600.–, Testauto: Fr. 123 065.–

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