Editorial

Barcelona

Terrorismus: Eine kurze Analyse und die wichtigsten Lehren für die Schweiz.

Von Roger Köppel

Und wieder haben Islamisten zugeschlagen. Erneut traf es Spanien, Barcelona. Ein ehemaliger Drogenhändler, der zum Prediger konvertierte, züchtete im Geheimen eine Gruppe von Radikalen heran. Die Jungen stammten aus marokkanischen Familien und waren allesamt in Spanien aufgewachsen. Wir haben es mit dem typischen Radikalisierungsprofil zu tun. Oft machen die jungen Emigrantensöhne die gleiche Erfahrung: Viele erleben gegenüber ihren Heimatländern einen materiellen Aufstieg, aber einen sozialen Abstieg. Einige suchen eine anerkannte Position in der Kriminalität, andere lenken ihren Hass aufs eigene Versagen oder auf die andern in polit-ideologischen Extremismus um. Manche machen beides wie der federführende Terror-Imam aus Katalonien.

Es gab über ein Dutzend Tote und zahlreiche Schwerverletzte. Unter den Toten waren auch Kinder. Anders als im Sommer 2015, als die ikonenhafte, wenn auch mutmasslich inszenierte Fotografie des ertrunkenen Buben Aylan Kurdi weltweit zum herzerschütternden Sinnbild einer angeblich mörderischen Migrationspolitik auf den Zeitungstitelseiten schon fast drohend hochstilisiert wurde, fehlten die von den Islamisten ermordeten Kinder diesmal auffällig im Bildteil der Medien.

Warum? Vermutlich, weil es viele Journalisten nach wie vor verwerflicher finden, wenn Regierungen die illegale Migration aktiv bekämpfen, als wenn die Söhne muslimischer Migranten terroristische Anschläge begehen. Und noch ein Wort zum Thema «Inszenierung»: Es ist kaum nachvollziehbar, dass der ertrunkene Kurdenjunge im Sommer 2015 derart unberührt am Strand fotografiert wurde. Hat man ihn zynisch abgebildet, ehe man ihm zu Hilfe eilte? Unmöglich. Oder hat man die Leiche, nach vergeblicher Hilfe, möglichst fotogen wieder an den Strand gelegt? Irgendetwas stimmt hier nicht. Auf jeden Fall: Die Medien messen mit unterschiedlichen Ellen.

Bevor wir die Frage klären, was die Schweiz tun kann, um solche Mordanschläge auf eigenem Boden zu verhindern, müssen wir die aktuell beliebtesten europäischen Zielländer des militanten Islam näher anschauen: Spanien, Frankreich, Grossbritannien und Belgien waren einst Kolonialstaaten. In ihren Reichen gab es erhebliche muslimische Bevölkerungsteile. Natürlich ist der Kolonialismus an sich keine hinreichende Terrorursache, sonst würden ja vor allem die Inder in Grossbritannien Sprengwesten anziehen. Aber im Zuge der Dekolonisierung sind sehr viele Muslime in die entsprechenden Staaten eingewandert, was den Boden bereitete für die Gräueltaten von heute. Die ehemaligen Kolonialisten werden von ihrer Vergangenheit heimgesucht, und das Instrument der Heimsuchung ist der Islamismus.

Worauf will ich mit Blick auf die Schweiz hinaus? Es ist nicht so, dass die Islamisten wahllos zuschlagen, als eine Art freischwebendes Böses, das dem Westen insgesamt den Krieg erklärt hat. Diese Dämonisierung verkennt die historischen Ursachen und aktuellen politischen Bezüge, aus denen sich der Islamismus herleitet. Und es ist für mich auch kein Zufall, dass neben den Ex-Kolonialstaaten auch Länder ins Visier geraten, die durch militärische Aktivität oder militärische Bündnisse im Nahen Osten oder Nordafrika in kriegerische Auseinandersetzungen mit der islamischen Welt verstrickt sind. Kurzum: Es spielt eine wichtige Rolle, wie sich ein Staat gegenüber islamischen Ländern verhalten hat oder immer noch verhält. Je nach Politik kann eine Regierung das Terrorrisiko für die eigene Bevölkerung erhöhen oder verringern. In Deutschland stieg die Terrorgefahr markant, als die Regierung plötzlich ausrief, die Freiheit der Bundesrepublik werde am Hindukusch verteidigt.

Was heisst das für die Schweiz? Erstens: Wir sollten darauf achten, dass nicht wahllos Asylanten, also falsche Flüchtlinge, illegale Migranten aus muslimischen Problemländern, einwandern. Unsere Behörden reden die Situation schön, weil sie politisch korrekt sein wollen. Tatsache ist, dass es auch bei uns immer mehr Muslime mit gefährlichem Hintergrund gibt. Zweitens: Es ist richtig, wenn die Schweiz klare Regeln aufstellt, wie man sich hier zu verhalten hat. Dazu können Kleidervorschriften gehören, wichtiger noch ist die Bereitschaft, sofort Moscheen zu schliessen, in denen wir Beweise für Aufhetzer finden. Die Schliessung militanter Moscheen ist übrigens kein Verstoss gegen die Religionsfreiheit, denn ein Gotteshaus, in dem explizit Gewalt verkündet wird, ist nicht das Gleiche wie eine Kirche, in der friedlich das Seelenheil gepflegt wird. Gleiches gleich, Ungleiches ungleich: Das ist rechtsstaatliches Handeln.

Die wichtigste Vorbeugungsmassnahme aber bleibt: Die Schweiz muss ihre gute, bewährte bewaffnete Neutralität pflegen. Auf keinen Fall dürfen wir uns in Konflikte in der arabisch-islamischen Welt hineinziehen lassen. Wir sind ein neutraler Staat, kein Untertanengebiet der USA und kein zugewandter Ort der Europäischen Union. Neutralität bedeutet auch, dass der Bundesrat im Zweifelsfall den Mund hält. In einer Welt, in der alle, nicht nur Trump, mit dem dröhnenden Moralisten- Megafon herumlaufen unter dem narzisstischen Zwang, sich mit möglichst lauten Bekenntnissen auf die richtige Seite zu stellen, ist es nicht einfacher geworden, eine wortkarge, ja clinteastwoodmässig mundfaule Position der distanzierten Freundlichkeit nach allen Seiten aufrechtzuerhalten, aber das ist Neutralität, und vor allem ist es wichtig für die Schweiz.

Heroische Gelassenheit gegenüber dem Islamismus also ist gefragt, untermauert mit der qualifizierten Härte und Konsequenz des Rechtsstaats, vor allem im Asylbereich. Wir brauchen keinen Polizeistaat an den Grenzen, aber solange die zuständige Bundesrätin fast jeden zwanzigjährigen Analphabeten aus Nordafrika treuherzig aufnimmt, um ihn auf Kosten der Gemeinden mit Gratisanwälten und Sozialleistungen auf Lebenszeit durchzufüttern, müssen wir uns nicht wundern, wenn es immer mehr sozialen Sprengstoff gibt. Terror, auch der islamistische, ist kein Schicksal. Er ist eine Frage falscher oder eben: richtiger Politik.

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