Auto

Sommer mit Diesel (I)

Durchs schöne Südtirol mit dem Porsche Cayenne. Teil 1: Der Kampf gegen das schlechte Gewissen.

Von David Schnapp

Cayenne S Diesel Platinum

Es waren nicht nur unbeschwerte Tage, die ich in meinen Sommerferien erlebte. Sie fanden grösstenteils im schönen Südtirol statt, wo die perfekte Mischung aus österreichischer Zuverlässigkeit und italienischer Lebensfreude die Basis der Erholung bilden. Im Porsche Cayenne S Diesel hatte ich ein ideales Auto zur Verfügung: geräumig, komfortabel und, falls es mal von der asphaltierten Strasse wegging, auch noch geländegängig. 

Allein, in diesen Tagen mit einem Fahrzeug unterwegs zu sein, bei dem der Schriftzug «Diesel» als kleine Plakette an den Seiten angebracht ist, kann belastend sein. Kurz bevor die mit einem Insektenbekämpfungsmittel belasteten Hühnereier in die Schlagzeilen gerieten, erfasst die Medienhysterie den Dieselmotor. Ein mafiaähnliches Kartell soll im grossen Stil Kunden und Behörden betrogen haben, hiess es. Dass die Belege dafür eher dünn waren und dass die Grenzwerte für das unfreundliche Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid (NOx) fast willkürlich tief angesetzt sind, spielte dabei keine Rolle. Plötzlich wurden aus innovativen Konzernen unseriöse Organisationen. Aus effizienten Motoren – ganz dem politischen Dogma einer besseren, weil CO2-befreiten Welt entsprechend – wurden Maschinen, die den Menschen nach dem Leben trachten. 

Und in meinem Cayenne S knurrte leise der V8-Turbodiesel – der im Übrigen nicht betroffen von Software-Updates und Rückrufaktionen ist –, die ganze Familie und ihr umfangreiches Gepäck waren gemütlich und sicher unterwegs. Und die wenigen Male, die ich an eine Tankstelle fahren musste, fragte ich mich, was die Leute wohl von mir halten mochten. Vermutlich war es den meisten egal – wie man aus Forschungen weiss, gibt es eine ziemliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Welt durch Journalisten und derjenigen durch ihre Leser. Der Dieselmotor nach Euro-6-Norm ist ein Wunder moderner Automobiltechnik. Dass man im halbstaatlichen Volkswagenkonzern mit fragwürdigen Methoden gearbeitet hat, ist inakzeptabel. Richtig wäre gewesen, den Behörden zu sagen, dass ihre Vorgaben zum Schadstoffausstoss mit der damals zur Verfügung stehenden Technik nicht zu erreichen waren. Deswegen aber eine ganze Technologie auf den Schrottplatz zu fahren, ist ebenso falsch. Das zeigt gerade der Dieselmotor, der in zwanzig Jahren Forschung und Entwicklung zu einem hocheffizienten, umweltfreundlichen Antrieb wurde. 

Aggregate, die der neuesten Norm (Euro 6d) entsprechen, emittieren kaum noch NOx und sind praktisch feinstaubfrei. Gemäss dem unverdächtigen Bundesamt für Umwelt (Bafu) ging der NOx-Ausstoss in der Schweiz seit 1980 um 60 Prozent zurück, Feinstaub wurde um 50 Prozent reduziert. Die Bremsen eines Velos geben auf einen Kilometer 0,2 bis 0,5 Milligramm Metalloxide (Feinstaub) in die Umwelt ab, der Partikelausstoss eines Diesels liege bei 0,2 bis 0,5 Milligramm, wie Professor Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), kürzlich sagte. Vielleicht gibt es auch für uns Dieselfahrer weniger Gründe, ein schlechtes Gewissen zu haben, als wir gerade meinen.


Cayenne S Diesel Platinum
Leistung: 385 PS/283 kW,
Hubraum: 4134 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 252 km/h
Preis: Fr. 110 400.–, Testwagen: 137 580.–

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